Kriminalstatistik

Zugedröhnt, gewaltbereit und vom Land – Wegen Auswärtigen ist Basel Gewalt-Hotspot

In Basel gibt es immer wieder Schlägereien wegen übertriebenem Alkoholkonsum. Die Disco Fame am Claraplatz war wiederholt in den Schlagzeilen wegen solcher Vorfälle. (Archiv)

In Basel gibt es immer wieder Schlägereien wegen übertriebenem Alkoholkonsum. Die Disco Fame am Claraplatz war wiederholt in den Schlagzeilen wegen solcher Vorfälle. (Archiv)

Dass Basel-Stadt die statistische Gewalt-Hochburg der Schweiz ist, erklärt der Kanton mit Zentrumseffekten und der Grenze. Die Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur sei anders als auf dem Land, und das Landvolk feiere den Ausgang in der Stadt – zunehmend bis zum Exzess.

Wer am Wochenende abends mit dem Zug von der Agglomeration nach Basel fahre, sehe den Ursprung des Problems. «Da kann man das ‹Vorglühen› hautnah miterleben», sagt Beat Voser, der leitende Staatsanwalt und Chef der Kriminalpolizei des Kantons Basel-Stadt.

In den Zügen bringen sich junge Leute aus der Agglo mit reichlich Alkohol in Stimmung für die Party in der Stadt. Es sind die gleichen Leute, die später, wenn die Clubs in den frühen Morgenstunden schliessen, zur «kurzzeitigen Belastung» für die Basler Polizisten werden. «Sie lassen sich provozieren, verlieren die Contenance und schlagen zu», sagt Voser.

Wie viele der registrierten Täter nicht im Kanton Basel-Stadt wohnen, ist in der Basler Statistik nicht erfasst. «Dazu müssten wir jeden einzelnen Fall anschauen», sagt Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft. Die vollen Züge am Wochenende seien aber ein Indiz dafür, dass viele von ausserhalb kommen.

Mit Zahlen belegen lässt sich hingegen, dass es im Kanton Basel-Stadt seit 2010 noch nie so viele Fälle von schwerer Körperverletzung gegeben hat wie letztes Jahr. 43 Fälle waren es. Mehr als doppelt so viele wie 2015. Damals waren es zwölf Fälle. «Das stimmt nachdenklich», sagt Voser. Die Zunahme lässt sich nicht damit erklären, dass die Gewalt brutaler wird, denn auch die einfache Körperverletzung hat im Vergleich zum Vorjahr leicht zugenommen. Im Jahr 2016 erfasste die Polizei 500 Fälle, vier mehr als 2015.

Wie oft die Gewalttäter zugedröhnt oder betrunken sind, wenn sie zuschlagen, kann die Polizei nicht mit Zahlen belegen. «Aber ich schätze, dass bei schwerer Körperverletzung 80 Prozent der Täter unter Einfluss von Substanzen stehen», sagt Voser. Nach einer Partynacht sei kaum einer nüchtern. «Anders als mit dem Fehlen sämtlicher Hemmungen kann ich mir solche Gewalt auch nicht erklären.»

Polizei ist vor den Clubs präsent

Die Polizisten versuchen, die Gewalttaten zu verhindern. «Schon heute stehen sie in der Nacht vor den Clubs», sagt Voser. Die Auseinandersetzungen würden aber oft in den Innenräumen ihren Anfang nehmen und dann auf der Strasse weitergehen, nachdem das Security-Personal die Streithähne vor die Tür gestellt habe.

Die meisten Leute, die schwerer Körperverletzung beschuldigt werden, sind nicht etwa knapp volljährig, sondern älter als 24 Jahre. «Das liegt daran, dass es in den meisten Clubs eine Alterslimite gibt und dort eher ein älteres Publikum verkehrt», sagt Peter Gill, Mediensprecher der Basler Staatsanwaltschaft. Die minderjährigen Täter hingegen seien eher in Raufhandel verwickelt.

Ein Blick in die Statistik der Jugendanwaltschaft zeigt, dass sich die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr von 12 auf 26 mehr als verdoppelt haben. Vergleicht man die Anzahl aller Gewaltdelikte mit minderjährigen Tätern im Jahr 2016 mit dem Durchschnitt der Jahre 2011 bis 2015, sind sie jedoch um zwölf Prozent zurückgegangen.

Weniger häusliche Gewalt

Über alle Gewaltverbrechen gesehen verzeichnet der Kanton Basel-Stadt eine leichte Zunahme um ein Prozent. Dies entgegen dem leicht rückläufigen Schweizer Trend. Basel-Stadt hatte mit 13,1 Gewaltstraftaten pro 1000 Einwohner die höchste Quote, gefolgt von den Kantonen Neuenburg (8,5) und Genf (7,9). Bei der häuslichen Gewalt verhält es sich umgekehrt: Während der Schweizer Trend nach oben zeigt, verzeichnete Basel-Stadt 11 Prozent weniger Fälle von häuslicher Gewalt.

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