Das Mitwirkungsverfahren zum Projekt der neuen Bahnanbindung des Euro-Airports (EAP) läuft noch bis zum 12. Oktober. Die öffentlichen Unterlagen dazu umfassen 40 Seiten. Bálint Csontos, Präsident der Baselbieter Grünen, spart nicht mit klaren Worten: «Das ist Augenwischerei, inakzeptabel und eine Verharmlosung der Lärmbelastung.»

Das 250-Millionen-Euro-Vorhaben soll den Terminal des Flughafens direkt an eine Bahnlinie anbinden und in zehn Jahren in Betrieb genommen werden. Heute benutzen 7,9 Millionen Passagiere den EAP, 2030 sollen es zwischen 11 und 13 Millionen sein. Der Bahnanschluss soll laut den Unterlagen allerdings nur für einen Zuwachs von 460'000 Fluggästen verantwortlich sein. Dies würde einem Anstieg von rund vier Prozent entsprechen – wie diese Zahl zustande kommt, wird nicht erläutert. Es soll sich dabei nicht um neue Passagiere handeln, sondern um Personen, die wegen der besseren Erreichbarkeit des EAP nicht mehr von Zürich, Genf oder Strassburg Entzheim fliegen.

Lärmpegel soll wenig ansteigen

Ein Ingenieurbüro erhielt den Auftrag aufzuzeigen, welche Nettoauswirkungen auf den Fluglärm dies haben werde. In seiner Analyse geht es mit maximal 0,25 Dezibel von einem sehr geringen Anstieg des Lärmpegels aus. «Der Anstieg ist daher nicht wahrnehmbar und verursacht keine damit verbundenen spezifischen Beschwerden», heisst es. Csontos kritisiert: «Das ist keine wissenschaftliche Aussage über die Zunahme des Lärms und der Flugbewegungen.» Er macht sich Sorgen über die Auswirkungen des Bahnanschlusses. «Es ist gar nicht anders möglich, als dass die Flüge früh morgens und spät abends zunehmen werden.»

Ähnlich sieht das auch Jan Kirchmayr, SP-Landrat und Verkehrspolitiker: «Der Flughafen wird mit dem Bahnanschluss attraktiver. Ich will auf keinen Fall, dass er sich zum nationalen oder internationalen Drehkreuz entwickelt.»

Tatsächlich werden durch den Bahnanschluss insbesondere französische Ballungsräume wie Strassburg, Mulhouse, Colmar oder Belfort neu gut erschlossen. Die Fahrt von Mulhouse zum Flughafen dauert nur 12 Minuten, die von Colmar 35 Minuten und selbst von Strassburg ist man nur eine Stunde und 7 Minuten unterwegs. Im Vergleich zum geringen Angebot auf dem Strassburger Flughafen ist der EAP mit 100 Destinationen hoch attraktiv.

Mit jährlich 5,8 Millionen Passagieren soll die künftige EAP-Haltestelle zum zweitgrössten Bahnhof des Elsass werden. Das sind immerhin fast so viele wie die 6,3 Millionen in Liestal. Der Löwenanteil der Passagiere wird mit 62 Prozent weiterhin aus der Schweiz kommen. Vom Basler Bahnhof SBB ist man 10 Minuten, von Liestal 29 Minuten unterwegs. Geplant sind vorerst sechs S-Bahnverbindungen pro Stunde. Kirchmayr befürchtet, dass es dabei nicht bleibt und später von der Schweiz auch Schnell- und Intercity-Züge zum Flughafen fahren.

Flugbewegungen plafonieren

Der VCS beider Basel «lehnt den Bahnanschluss ohne gleichzeitige, rechtsverbindliche Plafonierung der Flugbewegungen und einer ausgedehnten Nachtflugsperre von mindestens 23 Uhr bis 6 Uhr dezidiert ab», heisst es in einer Medienmitteilung. Mit Ökologie habe der Bahnanschluss nichts zu tun. «Die Behauptung, er mache den EAP umweltfreundlicher, ist billiges Greenwashing.»

Laut Unterlagen werden 950'000 Mitarbeiter der EAP-Unternehmen mit dem Zug pendeln. VCS wie Kirchmayr bemängeln, dass der Bahnanschluss nur das Flughafengebäude, aber nicht die 1000 Meter entfernten Frachthallen bedient. Kirchmayr sagt: «Ich glaube nicht, dass die Beschäftigten diese Strecke zu Fuss gehen werden.» Bisher gebe es für sie eine Bushaltestelle vor der Tür. Der VCS befürchtet, dass sie stattdessen mit dem Auto fahren werden.

Der VCS hat sich schon beim ersten Mitwirkungsverfahren 2013 gegen den Bahnanschluss ausgesprochen und hat dies auch jetzt wieder getan. Damals lagen erst die Vorprojektstudien vor, heute ist das Vorhaben weiter. Die SP Baselland hat den Bahnanschluss in ihrer Stellungnahme zum Leistungsauftrag für den öffentlichen Verkehr abgelehnt.

Csontos kündigt an, dass sich die Grünen im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens äussern werden, kritisiert aber: «Es ist nicht ersichtlich, was mit unserer Stellungnahme passiert und ob sie nicht einfach in einer Schublade verschwindet.» Klar ist für ihn schon heute: «Es ist für mich ausgeschlossen, dass sich der Kanton Baselland finanziell am Bahnanschluss beteiligt.»