Die südbadische Stadt Rastatt, wenige Kilometer nördlich von Baden-Baden, ist zwar 170 Kilometer von Basel entfernt, die Auswirkungen des dortigen schweren Störfalls sind aber auch hier deutlich zu spüren. Die viel befahrene Rheintallinie ist in Rastatt unterbrochen.

Das führt dazu, dass der Bahnverkehr von Basel in Richtung Karlsruhe und von dort in Richtung Schweiz seit Samstag stark beeinträchtigt ist.

Die Bahnlinie könnte bis zu zwei Wochen unterbrochen bleiben. Nach Angaben eines Sprechers der Deutschen Bahn (DB) senkten sich in Rastatt Gleise ab, was wohl im Zusammenhang mit Bauarbeiten an einem Tunnel darunter stehe. Die Untersuchungen zur Ursache der Störung liefen auf Hochtouren. «Badische Zeitung» und «SWR» nannten übereinstimmend einen Erdrutsch beim Tunnelbau als Ursache.

Der 4270 Meter lange Tunnel wird im Rahmen des Ausbaus der Bahnstrecke Karlruhe–Basel auf vier Gleise gebohrt und soll 2022 in Betrieb genommen werden. Die Züge können hier dann 250 Stunenkilometer schnell fahren.

Zurzeit wird laut DB an einem Ersatzkonzept gearbeitet. Ein behelfsmässiger Fahrplan sollte seit gestern, Sonntagabend, vorliegen. Auch Verbindungen aus der Schweiz sind betroffen. Züge des Fernverkehrs wenden je nach Betriebslage in Baden-Baden oder Rastatt, wie ein DB-Sprecher am Samstagabend erläuterte.

Nach Angaben der SBB im Kurznachrichtendienst Twitter ist mit Verspätungen von mindestens anderthalb Stunden zu rechnen. Die DB selbst spricht in ihrer Mitteilung sogar von mehrstündigen Verzögerungen und empfiehlt, falls möglich auf andere Strecken auszuweichen.

Notverkehr mit Bussen

Zwischen Rastatt und Baden-Baden wurde ein Notverkehr mit Bussen eingerichtet. Laut SBB ist die Kapazität dieser Shuttles beschränkt. Von der Störung sind mehrere Verbindungen zwischen der Schweiz in deutsche Städte sowie nach Amsterdam betroffen.

Der ÖBB-Nightjet, der Zürich und Basel mit Berlin und Hamburg verbindet, wird über den Arlberg umgeleitet. Alternative Bahnwege zum Rheintal stehen ansonsten nicht zur Verfügung: Die Strecke Schaffhausen – Horb – Stuttgart ist wegen Bauarbeiten unterbrochen, und auch die Strecke St. Margrethen – Bregenz – Lindau – München ist wegen Bauarbeiten gesperrt.

Wer die Reise unter diesen Bedingungen nicht antreten will, kann sich das Geld für das gekaufte Billett ohne Gebühr zurückerstatten lassen, schreibt die DB. Mehrkosten für Umwegstrecken würden übernommen. Betroffen ist auch der Güterverkehr: Die Hauptachse zwischen Norden und Süden sei unterbrochen, so die SBB.

Laut «Badische Zeitung» hat schon vor zwei Wochen ein Unwetter den Bahnverkehr auf der Rheintalstrecke vollständig lahmgelegt. Damals sei es in Offenburg und Freiburg zu chaotischen Zuständen gekommen. Hunderte Reisende strandeten unter anderem in Freiburg und mussten zum Teil in Zügen übernachten.