Ein Blick
Zum Dessert gibt es Liegestütze

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Boxclub Basel
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Boxclub Basel

Martin Toengi

Der Boxclub Basel ist genau so, wie man ihn sich vorstellt. An den Wänden hängen Poster, die an die grossen Momente dieser Sportart erinnern, und in der Luft liegt der Geruch von Schweiss. Es ist das Raum gewordene Klischee, mit spartanischer Umkleidekabine, abgewetzten Ringbrettern und schweren Sandsäcken, die von Eisenverstrebungen baumeln. Nichts hier ist schön, in seiner Gesamtheit ist es wunderbar.

Es ist Donnerstagmittag und zum heutigen Training haben sich rund zwei Dutzend Menschen eingefunden. Keiner von ihnen sieht aus wie ein Haye, Klitschko oder schon nur ein Schmeling. Die meisten von ihnen dürften ihrer Arbeit im Sitzen nachgehen. Die Frauenquote ist erstaunlich hoch – Unterschiede beim Programm gibt es keine.

Die Lektion beginnt mit einem lockeren Einlaufen im Innenhof der Kaserne. Coach Angelo Gallina steht in der Mitte mit seinem Co-Trainer und achtet darauf, dass niemandem kalt wird. Ohne Verschnaufen gehts ans Schattenboxen. In einer Reihe aufgestellt schlagen die Boxschüler Löcher in die Luft. Links-rechts, links-rechts-links, manchmal auch einen Haken. Im Fernsehen haben alle diese Bewegungen einen klingenden Namen, hier ist der Neuling schon froh, wenn die Bewegung so einigermassen stimmt.

Die Schüler fassen die Handschuhe. Endlich auf etwas einprügeln! Wer zu motiviert auf den Sack eindrischt, dem geht schon bald die Puste aus. «Es geht um Technik, nicht Kraft!», bellt Gallina durch den kleinen Keller. Manch ein junger Mann kann sich nur mühevoll zurückhalten. Das rächt sich, denn Gallina gibt genau vor, wie lange die Einheit andauert. Früher aufgeben ist nicht.

Im Wechselspiel kommen Arme und Beine zum Einsatz, mal gehts ums Prügeln, mal ums Tänzeln. An Schuhen und Handschuhen müssten doch irgendwie Gewichte montiert worden sein, so kommt es vor. Es gestaltet sich immer schwieriger, die Fäuste zur Deckung hochzuhalten. Von den Wänden klirren die Ketten der malträtierten Säcke, durch den Lärm schreien Gallina und sein Co-Trainer die Korrekturen: «Fussposition frontaler!», «Faust zur Schläfe!», «Schulter zum Ohr!». Dem Sparring am nächsten kommt eine Übung, bei der man das T-Shirt des Gegners mit den Handschuhen anstupsen soll, ganz sanft. Mehr Körperkontakt gibt es nicht.

Die Fussmatte der Tatsachen

Den letzten Trainingsblock bildet eine Mischung aus Koordination und Kraft, heisst es. Es ist hauptsächlich Kraft. Zum Beispiel diese Tortur, bei der man der Länge nach ausgestreckt am Boden liegt und mit Armen und Beinen paddelt. Wer sich bereits als kleiner Rocky sieht, landet schnell auf der Fussmatte der Tatsachen. Spätestens bei den Rumpfbeugen werden Bilder aus dem Turnunterricht in der Schule wach. Mit dem Unterschied, dass hier niemand aufmuckt, alle scheinen sich aus ihrer Komfortzone bewegen zu wollen, ein bisschen Mittags-Masochismus. Zur Belohnung gibt es fünfzig Liegestütze und aufmunternde Worte, man solle dies doch zu Hause wiederholen. Die Motivation hilft, das Vorhaben ist fest eingeplant, sobald der Muskelkater nachlässt. Also voraussichtlich Mitte Dezember. Benjamin Rosch