Es ist brennend heiss an der Uferstrasse und die Chromstahlteile der Motorräder glühen, als hätten sie eine stundenlange Tour hinter sich. Die «Biker Days Basel» waren vergangenes Wochenende zum dritten Mal in Basel zu Gast.

Kleinere und grössere Gruppen stehen um aufpolierte Motorräder herum. Auf die Lederkutten sind Adler und andere Tiere und Figuren gestickt. Überall sind braun gebrannte Stiernacken und tätowierte Arme zu sehen. Ebenfalls auf Platz sind verschiedenste Händler. Sie zeigen die neuesten Motorräder oder verkaufen Accessoires von Packtaschen bis Sonnenbrille.

Mit dem Taxi nach Hause

Der Vertreter einer bekannten Motorradmarke erklärt, dass Veranstaltungen wie die «Biker Days» wichtig seien, um mit Kunden ins Gespräch zu kommen. Eine Werkstatt aus der Region, die Custom Made Motorräder baut – Sonderanfertigungen nach Kundenwunsch –, präsentiert aufwändige Arbeiten. Diese kurbeln die Mundpropaganda an, von der das Geschäft stark abhängig ist.

Ein paar Leute, die in Basel eine vereinsgetragene Töff-Werkstatt unterhalten, sitzen vor der Zigarrenlounge. Normalerweise fahren sie weit, um an Bikertreffs teilzunehmen. Natürlich sind sie auch zum Heimspiel mit ihrem Motorrad gekommen. Freitagnacht wollen sie den Ofen aber wohl lieber stehenlassen und sich um ein Taxi bemühen. Was sich durchaus gelohnt haben dürfte, denn auf der von lokalen Motorradclubs bespielten Bierzeltmeile wird das eine oder andere Getränk gezapft worden sein. Bands von der härteren Seite des Rock-Spektrums wechseln sich auf der Showbühne mit Formationen aus dem Country-Bereich ab und werden von einem sympathisch hemdsärmeligen Ansager angekündigt.

Während der Feuershow - von mehrheitlich kaum bekleideten Frauen bestritten - sitzen die Mobiltelefone auch in den Taschen der Ledergilets ziemlich locker.

Parade durch die Innenstadt

Den eigentlichen Höhepunkt der «Biker Days» bildete die Parade am Samstagnachmittag. Hunderte Motorräder drehten eine abgesteckte Runde durch die Stadt, während in Russland die Verlierer der Halbfinals um den dritten Platz spielten.

Ohne die Redensart der «heulenden Motoren» bemühen zu wollen: So eine Kolonne ist, wenn alle gleichzeitig Gas geben, ohrenbetäubend laut. Auf der Brücke über die Hafenstrasse erreicht das geneigte Ohr ein Geräuschregenbogen. Tieftourig summende Honda-Behemoths, knatternde Museumskisten und altgediente Harleys mit einem Antritt aus der Hölle rauschen vorbei. Im Feld tummeln sich auch Exoten wie Trikes oder Gespanne – Seitenwagentöffs in der Sprache der nicht-motorisierten Laien. Die Bikerszene ist eben tatsächlich eine Szene, eine Subkultur, die ihren Habitus, ihr Know-how und ihre Regeln hat und durchaus auch eine gewisse Uniformität aufweist.

Umso mehr ist es erstaunlich schön, dass auch viele Otto-Normalbürger sich munter unter die Menge mischen. Sie stechen klar aus den Bikern heraus, und wenn der Musiker der französischen Irishfolk-Punkband ins Publikum fragt: «Gibt es Touristen hier?», dann meint er ziemlich sicher nicht aus dem Ausland angereiste Töfffahrer.