Die bz-Redaktion schwelgt zum FCB-Jubiläum in Erinnerungen. Von Gänsehautmomenten beim Celtic-Heimspiel über Pfiffe beim Cup-Spiel in Meyrin bis hin zu schweren, familiären Gewissensbissen ist alles dabei. Das sind unsere Erweckunsgmomente. 

Dimitri Hofer, Redaktor Baselland

Eine Internetrecherche zeigt mir, wieso ich das Resultat meines ersten Spiels nicht mehr wusste. Ein torloses Unentschieden gegen den Aufsteiger Étoile Carouge gerät schnell einmal in Vergessenheit. Erinnern kann ich mich aber noch an die Umstände der Partie im Frühsommer 1997. Am Tag zuvor hatte ich einen Anruf von meinem besten Freund erhalten, der mich fragte, ob ich ihn und seinen Vater an den Match begleiten würde. Da ich alles aufsog, was mit dem runden Leder zu tun hat, sagte ich ohne Umschweife zu. Vor lauter Vorfreude konnte ich mich am nächsten Tag im Schwimmbad kaum auf das Baden konzentrieren. Abends fuhren wir zusammen zum alten Joggeli. Das Stadion war nur etwa halb gefüllt, aber die Grösse und die Stimmung imponierten mir als 12-Jährigen sehr. Auf dem Platz sah ich die zwei neuverpflichteten Spieler, die ich bisher nur aus den Bundesliga-Partien am Fernsehen kannte. Hätten Oliver Kreuzer oder Maurizio Gaudino getroffen, könnte ich mich wahrscheinlich auch noch besser an den Spielverlauf erinnern.

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Jakob Weber, Redaktor Sport

Die Degen-Zwillinge und ihr dummes Grinsen. Ich weiss noch, wie sehr mich dieses ständige Gegrinse aufgeregt hat. Mit ein paar Kollegen aus Genf, wo ich sechs Jahre zur Schule ging, lehnte ich 2004 auf Höhe der Mittellinie über die Eisenbarriere im Stade des Arbères im Vorort Meyrin. Basel war im Cup zu Gast. Dieses Spektakel durften wir nicht verpassen. Wenige Meter neben uns beackerten die Degens gemeinsam die Aussenbahn. Wir hätten ihnen ein Bein stellen können, doch das trauten wir uns als 14-jährige Halbstarke nicht. Stattdessen versteckten wir uns in der Gruppe und pfiffen die Degens bei jedem Ballkontakt aus. Ihre Antwort: ein Grinsen. Zur Pause grinsten wir zurück. Nicht nur wegen der Halbzeit-Bratwurst, sondern auch weil der krasse Aussenseiter es geschafft hatte, die FCB-Führung auszugleichen. Im zweiten Durchgang grinsen die Degens weiter, obwohl Meyrin lange nichts zulässt. Doch kurz vor Schluss trifft Christian Giménez zweimal und sorgt dafür, dass ich heute – immer wenn ich an die Degens denke – irgendwie grinsen muss.

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Benjamin Wieland, Redaktor Baselland

Mein erster FCB-Match fusst auf einem Sakrileg. Um beim Anpfiff im Stadion zu sein, musste ich mich als 11-Jähriger aus einer Vorspiel-Übung in der Musik-Akademie schleichen. Dabei waren noch gar nicht alle Kolleginnen und Kollegen durch mit ihrem Stück. Aber es lohnte sich. Der FCB gewann 3:0. Und ich wurde Zeuge eines der raren Tore eines gewissen Massimo Ceccaroni. Der Gegner an jenem 7. Oktober 1992 hiess CS Chênois. Ich spielte damals Violoncello. Mein Lehrer wählte als Datum des Jahres-Konzertleins für die Eltern genau den Mittwoch, an dem die Manor zum Gratisspiel lud. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, meine Freunde und ich. Kaum hatte ich mein Stück heruntergekratzt, verliess ich den Saal durch die Hintertür in Richtung Stadion St. Jakob. Die Wanne war für Nati-B-Verhältnisse gut gefüllt: 11 500 Zuschauer. Ich war angefixt. Wo ich das Cello deponierte, weiss ich nicht mehr. Sicher ist: Ich hätte den Kasten mit ins Stadion nehmen können. Die Zutrittskontrolle bestand aus einem stumpenrauchenden Securitas mit Hund.

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Jonas Hoskyn, Redaktor Basel-Stadt

Es war eine klare Sache, an jenem 13. April 1991. Bereits nach 40 Minuten lag der FCB 0:2 hinten gegen Baden. Am Ende hiess es gar 1:4. Und das inbrünstige «Nie meh, nie meh Nati B» sollte sich einmal mehr eher als Stossgebet denn als Triumphgesang entpuppen. Doch in mir war das Feuer geweckt. Den elf rotblauen Mannen, die ebenso erfolglos wie beherzt kickten, gehörte fortan mein junges Fussballherz. Und je glückloser der FCB agierte, desto stärker brannte die Leidenschaft. Der Salut mit Pyros beim Einzug, das bange, minutenlange Anstieren des Totomats, wenn das eigene Schicksal wiedermal in den Füssen eines anderen Klubs lag, die Dribbeleinlagen von Admir Smajic, die jeden Konter versanden liessen, die Grätschen von Massimo Ceccaroni und die Vollristschüsse von Marco Walker, bei denen der Ball auch schon mal über die Muttenzerkurve aus dem Stadion segelte. Im Sommer verbrannte man sich auf den Betontreppen des Joggelis das Hinterteil, und bei Regen war man nach fünf Minuten nass bis auf die Knochen. So muss Fussball sein.

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Claudia Maeder, Marketingmanagerin bz 

Ich war gerade mal neun Jahre alt, als mein Vater mich und meine beiden älteren Schwestern mitnahm zu meinem ersten FCB-Match. Es war nicht irgendein Spiel, sondern das erste Heimspiel nach dem Aufstieg zurück in die Nati A. Endlich durfte ich mit an einen Match. Voller Stolz hatte ich schon den ganzen Tag den FCB-Schal von meinem Papa getragen. Meine Mutter war nicht begeistert, dass mein Vater mich und meine Schwestern mitnehmen wollte. «Du ganz alleine an einem Match mit den Mädchen. Da sind so viele Menschen – was wenn du eine von ihnen verlierst?», sagte sie. Ich dachte nur: Papa, lass es dir bloss nicht ausreden. Wir parkierten in Muttenz und spazierten zum Joggeli. 42 000 Fans freuten sangen und jubelten während des Spiels – und ich kam nicht mehr aus dem Staunen heraus. Spätestens bei «Nie meh, nie meh Nati B» wurde ich vom FCB-Virus infiziert. Ganz stolz sang ich mit und durfte fortan immer wieder mit an Spiele. Mit 17 Jahren kaufte ich mir meine eigene Saisonkarte – in der Muttenzerkurve im neuen Joggeli.

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Leif Simonsen, Ressortleiter SchwaWo

Ich hatte mir so viel vorgenommen für meinen ersten Match im Joggeli, aber bereits am Ticketschalter versemmelte ichs. Unsere Nachbarin hatte meinen jüngeren Bruder und mich ans Spiel eingeladen und sagte dem Billettverkäufer: «Der Kleine ist noch nicht sechs Jahre, der Ältere bezahlt Eintritt.» Das stimmte doch gar nicht, dachte ich, und rief von hinten rein: «Aber mein Bruder ist doch gerade erst sieben geworden!» Die Quittung: Auch der Kleine musste einen Fünfliber Eintritt bezahlen – beziehungsweise meine Nachbarin. Das schlechte Gewissen nagte das ganze Spiel hindurch an mir. So sehr, dass ich gar das Angebot für eine Pausenbratwurst dankend ablehnte. Wenn ich doch nur Geld dabei gehabt hätte, ich hätte ihr selber eine spendiert, um es wieder gut zu machen. Aber ich bekam erst ab der dritten Klasse Taschengeld. An das Spiel selber kann ich mich kaum erinnern. Nur den Gegner des FCB und das Resultat habe ich noch im Kopf: Der FC Bern (gibt’s den noch?), und ein 5:1 für die Basler (wann gabs das zuletzt?).

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Michel Ecklin, Redaktor Baselland

1984 waren wir 13 Jahre alt, dank Nitoba-Los kamen wir gratis rein. Der FCB besiegte La Chaux-de-Fonds 4:1 – aber das war eigentlich egal. Denn sofort faszinierte mich das Soziotop Stadion St. Jakob. In den folgenden Jahren besuchte ich fast alle Spiele, lief auf den Rängen herum und betrieb Sozialstudien. Zuoberst am Geländer standen alte Herren, rauchten Pfeife und klönten, früher sei alles besser gewesen. Unter ihnen sassen die Heavys mit Band-Stickern auf der ärmellosen Jeansjacke. Die jungen Pärchen knutschen, egal wie mies der FCB kickte. Es gab ein paar Studenten, die spätestens in der Pause jeweils bekifft waren. In der Gellert-Kurve erklärten Väter ihren Söhnen das Spiel. Und dann war da noch Alban, der bei jedem Tor minutenlang ausflippte. Sogar in die Muttenzerkurve getraute ich mich, und ich lief durch die FCZ-Fans, einfach so – Zoff gabs nie. Das neue Stadion tötete dann meinen Forschergeist auf Anhieb. An einen Plastiksitz gebunden zu sein, fand ich schrecklich. Da ist man ja gezwungen, Fussball zu schauen.

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Rahel Koerfgen, Redaktorin Lifestyle

Meine Blase, sie drohte zu platzen. Aber ich konnte nicht weg. Keine Sekunde wollte ich verpassen von dem, was sich da vor mir auf dem Platz gerade ereignete: Der FCB schickte sich an, erstmals die Champions League zu entern. 2002 gegen Celtic Glasgow war das. Lange her, noch heute unvergessen die Schmerzen im Unterleib, noch unvergessener die Spiellust und Willenskraft der Yakins, von Ivan Ergic und all den anderen tollkühnen Männern, der kollektive Freudentaumel in den Rängen. Und ich mittendrin, elektrisiert. Unglaublich, wie Murat Yakin in der 22. Minute gefühlte 22 Meter hoch in den Himmel steigt, das 2:0 per Kopf versenkt. Danach 70 Minuten zittern und bangen, wie ich es bis dato nur von Tennismatches kannte. Dann unbändiger Jubel, der Rausch – Freinacht auf dem Barfi. Und irgendwann dazwischen ein erlöster Seufzer auf dem WC. Jedes Mal, wenn ich an diesen Match zurückdenke, kommt das Gefühl der Euphorie wieder auf, und mit ihm die Gewissheit, dass ein eingeschworenes Team Berge versetzen kann. Egal, in welcher Sportart.

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Bojan Stula, Stv. Chefredaktor bz

Im Rückblick hätte meine fussballerische Sozialisierung nicht schlimmer verlaufen können. Am 4. Mai 1980, es war ein trüber Sonntagnachmittag, verirrte ich mich als 12-jähriger Gymnasiast erstmals in ein Fussballstadion. Aber nicht ins Joggeli, sondern auf den alten Rankhof. Ein Schulkollege schleppte mich zum FC Nordstern, weil es dort «viel cooler» sei als beim grossen FCB. Nordstern wollte zurück in die Nati A und fertigte im NLB-Spitzenkampf vor 1300 Zuschauern den FC Aarau mit 8:1 ab. Alte «Sterne»-Fans erinnern sich an dieses Spiel, als ob es gestern gewesen wäre. Zwei Wochen später überwand ich mich, als routinierter Nordstern-Matchbesucher doch einmal ins Joggeli zu gehen. Prompt spielte der FCB den Wunderaufsteiger FC Luzern mit 8:2 an die Wand. Es war die denkwürdigste Partie der letzten FCB-Meistersaison im alten Jahrtausend. Seither bin ich verdorben und langweile mich an jedem Fussballspiel, in dem nicht mindestens acht Tore fallen – also eigentlich immer. Wenigstens kann ich das auf mein schweres Jugendtrauma schieben.

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Daniel Ballmer, Ressortleiter Basel-Stadt

Es muss anfangs der 80er-Jahre gewesen sein. Eines der ersten Spiele, das ich mit meinem Vater im Joggeli besuchen durfte. Es sollte gleichzeitig eines der schwersten für mich werden. Damals trat der FCB gegen den FC Luzern an. Ein Duell auf Augenhöhe. Und ein Spiel, das mich Dreikäsehoch in einen regelrechten Gewissenskonflikt brachte. Grund dafür war meine Grossmutter, die mir erzählt hatte, dass sie entfernt mit Markus «Mac» Tanner verwandt sei. Ich war tief beeindruckt. Tanner, der über Jahre das FCB-Mittelfeld dirigiert hatte und sogar schon für die Schweizer Nati aufgelaufen war. Ein ganz Grosser, also. Und das Beste: Damit war auch ich mit ihm verwandt – nur über 17 Ecken, aber immerhin. Die Sache hatte einen Haken: Tanner trug mittlerweile das Dress des FCL. Für wen also mitfiebern? Für den Herzensverein oder den Blutsverwandten? Durfte ich ohne schlechtes Gewissen gegen die eigene Familie hoffen? Das Schicksal meinte es gut mit mir, das Spiel endete unentschieden. Der Entscheid ist an diesem Abend dennoch gefallen. Sorry, Mac …

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Sébastian Lavoyer, Redaktor Sport

Plötzlich macht es klick: Cup, es war ein Cupspiel. Gegen den FC Subingen. Dort kickte ich während meiner letzten Junioren-Jahre. Die Vorbilder hiessen Styner, Bieri oder Gasche. Vor allem Gasche, gefühlt die halbe Mannschaft. Es war der 23. September 1995, 1. Runde im Cup, 6:1 Sieg für den A-Ligisten gegen den 2.-Ligisten. Josef Zindel, damals BaZ-Journalist, heute historisches Gewissen des FC Basel, beschrieb Subingen zwei Tage später als «behäbiges Dorf unweit von Solothurn». Dank ihm weiss ich: Andrey Rey schoss vier Tore, Marco Walker verteidigte, Mario Cantaluppi enttäuschte, Massimo Ceccaroni war verletzt. Ohne das historische Zindel-Dokument hätte ich keinen aus der Mannschaft des FCB nennen können. Aber bei Subingen schaute ich zu den Gasche-Brüdern auf, trainierte und kickte ich. Keine Ahnung, was die Gasche-Brüder heute machen, dafür sind all die FCB-Namen von damals – Walker, Ceccaroni oder Cantaluppi – nicht mehr bloss Namen. Der FCB hat ein Gesicht gekriegt, viele Gesichter, wurde vom Gegner zum Gegenüber.

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Benjamin Rosch, Stv. Ressortleiter Basel-Stadt

Mein Vater fragte spontan, ob wir an den Match wollen. Es war der 30. April 1994 und der FCB hatte die Chance, gegen Zürich aufzusteigen. Kaum jemand in der Stadt wollte sich dieses Ereignis entgehen lassen. Ich packte ein faltbares Sitzkissen in Rotblau ein, denn damals, da hatte der FCB noch oft Fudiweh, wie sich vielleicht einige an das Lied erinnern mögen. Das Spiel war ein Knorz. Mein Babbe muss ähnlich empfunden haben, ich lernte eine Menge neuer Wörter, die ich auf dem Heimweg wieder vergessen musste. Von den Spielern erkannte ich nur Massimo Ceccaroni – dank seiner Frisur. Meine erste Erinnerung an den FCB ist eigentlich eine halbe, denn in Halbzeit zwei hätte mich der FCB fast als Fan verloren: Ich kann mich lediglich noch entsinnen, das Programmheftli in Fötzeli zerlegt zu haben. Wenig später hing ich meine eigene Aktivkarriere an den Nagel. Auf dem Landhof teilte ich dem Trainer mit, dass für mich alles zu stressig werde und ich mich ab sofort auf meine Ausbildung fokussieren müsse. Schliesslich kam ich da schon bald in den Kindergarten.

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Ernst Degen, Gewinner des Wettbewerbs

Es war in den späten 1950er-Jahren, ich war im Primarschulalter. Mein Vater schrieb für das «Basler Volksblatt» und die «Basler Nachrichten». Ich durfte ihn oft zu Fussball- und Eishockeyspielen begleiten. «Der Glai ghört zu mir», sagte er jeweils und schleuste mich so auf die Presseplätze. Mein allererster Matchbesuch war ein Spiel auf dem Landhof. Der FCB spielte gegen Lugano. Es war eine ruppige Partie mit vielen Fouls und gegenseitigen Beschimpfungen. Wer gewonnen hat, weiss ich nicht mehr. Unvergesslich aber bleibt der Spielschluss. Ein Lugano-Spieler verpasste einem Basler eine Ohrfeige, die Basler zahlten es mit Faustschlägen und Fusstritten heim. Es kam zu einer wilden Prügelei. Mich erschreckten diese Szenen so, dass ich mich unters Pressetischlein duckte. Jedes Mal, wenn ich wieder aufschaute, knallte es unten wieder. Ich war so verängstigt, dass ich nie mehr an einen Fussballmatch wollte. Doch mein Vater beruhigte mich und meinte: Das passiert nur, wenn Lugano spielt. So begleitete ich ihn weiterhin an die Spiele, wurde ein grosser FCB-Fan, und das bin ich heute noch.