Interview

Zum kleinen Jubiläum folgt ein Buch: Das Nähkästchenformat wird dreieinhalb Jahre alt

Seit dreieinhalb Jahren begleitet das Nähkästchen die «Schweiz am Wochenende».

Seit dreieinhalb Jahren begleitet das Nähkästchen die «Schweiz am Wochenende».

Heute ist einmal alles anders: Wir haben mit dem Nähkästchen persönlich geplaudert. Die kleine Schatulle hat grosse News.

Liebes Nähkästchen, wie geht es Dir?

Ach, könnte besser sein. Die Scharniere ächzen und meine Schrauben sitzen sehr locker. Das Holz sollte auch mal wieder eingeölt werden. Ihr könntet ruhig ein bisschen mehr Sorge zu mir tragen.

Wie viele Jahre hast Du eigentlich auf dem Buckel?

Also bittschön, Damen wie mich fragt man nicht nach dem Alter! Ausserdem könnte ich es gar nicht so genau sagen. Ich denke aber, sechzig werden’s schon sein.

Das Abenteuer der vergangenen 3,5 Jahre hält Dich sicher jung. Prominenten Geheimnisse und Anekdoten zu entlocken, ist ziemlich aufregend.

Ja, das hat was. Ist sicher besser, als jahrelang im Estrich zu verstauben. So erging’s mir nämlich, bevor ich in den Dienst der «Schweiz am Wochenende» treten durfte.

Wie wurdest Du eigentlich entdeckt?

Ich hatte grosses Glück. Nach dem Tod meiner ehemaligen Besitzerin landete ich auf dem Barfüssermarkt. Dort hat mich Eure ehemalige Redaktionsassistentin Esther Staub entdeckt und für ein paar Franken gekauft. Zwei Tage später musste ich bereits zum ersten Interview antreten, mit Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Das war im März 2017, ich erinnere mich genau.

Statt Nadel und Faden hast Du ab sofort Lösli mit verschiedenen Begriffen, die der rote Faden des Gesprächs sind, mit Dir rumgetragen. Was war das für ein Gefühl?

Zu Beginn: seltsam. Ich fühlte mich irgendwie leer. Früher wurde ich mit allem Möglichen vollgestopft. Jetzt sind es nur ein paar Zetteli. Aber mittlerweile fühlt es sich cool an, irgendwie entschlackt.

Aber es ist schon so: Du würdest von uns aufs Übelste zweckentfremdet.

Ja Du, man muss flexibel bleiben im Alter. Und ich bin ja froh, habe ich noch was zu tun.

Du gingst in den vergangenen Jahren auf Tuchfühlung mit vielen Prominenten. Welches Gespräch ist Dir besonders in Erinnerung geblieben?

Sicher das mit der ehemaligen Finanzdirektorin und jetzigen Ständerätin Eva Herzog. Sie hat mich ziemlich überrascht, weil sie lustig drauf war und überhaupt nicht so trocken, wie sie sonst rüberkommt. Bei Bo Katzman hatte ich Schiss, dass er gleich bittere Tränen weint. Das wäre mir unangenehm gewesen.

Auf wessen Schoss wärst Du gerne noch ein wenig länger geblieben?

Es ist ja so, dass die meisten ziemlich unbeholfen mit mir umgehen, weil ich so sperrig bin. Manche reissen gar ziemlich grob an mir rum. Zum Beispiel Baschi, der Sänger. Um ein Haar hätte er mich zu Boden fallen gelassen. Auch der Gilles Tschudi war ein bisschen ein Tölpel. Beni Huggel hat dafür erstaunlich feine Hände. Bei ihm hätte ich’s schon ein wenig länger ausgehalten.

Welches Geheimnis, das ausgeplaudert wurde, hat Dich fast umgehauen?

Dass Samuel Holzach, der ehemalige Basler UBS-Chef, sich mit Wiedergeburt beschäftigt respektive daran glaubt. Hätte ich von einem Banker jetzt echt nicht erwartet.

Und welches Gespräch ging Dir nahe?

Da fällt mir Beatrice Stirnimann ein, Chefin der Baloise Session. Wie sie über den Tod ihres ehemaligen Chefs Matthias Müller gesprochen hat, und, dass sie das nicht mehr erleben möchte, einen kranken Menschen zu begleiten, weil es so schmerzhaft war. Ich hätte nicht gedacht, dass sie so offen darüber redet.

Das macht Dich ja eben aus, darum hast Du noch immer Deinen Job: Wenn Du im Spiel bist, packen die Leute plötzlich aus. In gewöhnlichen Interviews halten sie sich meist bedeckt. Woran liegt es?

Das müsst Ihr doch nicht mich fragen. Aber ich denke, wie Ihr schon zu Beginn des Gesprächs gesagt habt: Ich habe halt einen gewissen Charme. Und ich wirke wohl sehr harmlos.

Am Samstag erschien Dein erstes Buch in den Läden. Ein Best-of der Nähkästchen-Interviews der vergangenen Jahre, 25 sind es insgesamt.

Das ist wahnsinnig aufregend, ich bin schon sehr gespannt. Schade, können wir das nicht mit einer Vernissage feiern.

Wen wünschst Du Dir eigentlich in Zukunft zum Nähkästchen-Interview?

Roger Federer wäre toll. Der hat doch jetzt Zeit! Wieso hat das noch nicht geklappt?

Gute Frage. Wir sind schon lange dran, aber der Monsieur ziert sich.

Dann hängt Euch bitte noch etwas mehr rein. Der Maestro wäre ein weiteres Highlight für mich.

Hier finden Sie alle Nähkästchen-Interviews der letzten Jahre.

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