Zum Tod von Carl Fingerhuth
Der Vater des Wettbewerbs

Der frühere Basler Kantonsbaumeister Carl Fingerhuth ist 85-jährig verstorben. Ein Nachruf.

Timothy Nissen
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Archivbild: Nicole Nars-Zimmer

Carl Fingerhuth war von 1978 bis 1992 Kantonsbaumeister in Basel. Er hat an der ETH Zürich Architektur studiert, danach in Afrika und Europa verschiedene Stadt- und Raumplanungsaufgaben betreut, unter anderen die Planung der Hauptstadt Owerri im Staate Omi, Nigeria. In seiner Tätigkeit als Kantonsbaumeister war es Fingerhuth von Anbeginn ein Anliegen, die Anforderungen an die Architektur mit jenen der Stadt- und Raumplanung zu vereinigen und sich intensiv mit dem städtebaulichen Bestand und der räumlichen Entwicklung der Stadt auseinanderzusetzen.

Fingerhuth war ein engagierter Vertreter des Architekturwettbewerbs. Ein Anliegen, in dem er vom zuständigen Regierungsrat Eugen Keller auch sehr unterstützt wurde. In den Anfangszeiten hat er bei kleineren Aufgaben Wettbewerbe ausgeschrieben, Schritt für Schritt grössere, bis hin zu ganzen Quartieren, wie zum Beispiel die Entwicklung des Gebietes am Luzernerring, bei der eine Gesamtplanung vier Teilareale mit unterschiedlich formulierten Rahmenbedingungen definierte, in denen je Architekturwettbewerbe durchgeführt und deren Ergebnisse realisiert wurden. Ihm war es ein Anliegen, von der oft praktizierten Tradition abzuweichen, nur erfahrene Büros zu Wettbewerben einzuladen. Er schrieb häufig sogenannte offene Wettbewerbe aus, an denen auch junge Architekturbüros Chancen zur Teilnahme und – bei Erfolg – zur Realisierung von Bauvorhaben erhielten. Diese Stärkung des Wettbewerbs förderte er nicht nur bei öffentlichen Bau­herren. Er konnte auch oft private Bauherren von den Vorteilen des Wettbewerbswesens überzeugen.

Nicht zuletzt dank Fingerhuths Einsatz sind neben den schon erwähnten zahlreiche beachtenswerte Neubauten dank Wettbewerben entstanden. Um nur einige zu nennen: der Rosshof am Petersgraben, der Wohnungsbau auf dem Schwitterareal, die Bauten der Pax und der UBS am Aeschenplatz, das Elsässertor beim Bahnhof, das Wohn- und Geschäftshaus in der Baulücke Spalenvorstadt 11.

In seiner Zeit wurde auch die Nordtangente geplant. Fingerhuth setzte sich dafür ein, dass bei diesem bedeutenden Verkehrsbau auch die damit verbundenen städtebaulichen Entwicklungschancen erfasst und formuliert werden. Nach seinem Weggang von Basel widmete er sich hauptsächlich der Lehrtätigkeit in der Schweiz, in Deutschland, Frankreich und Italien. Seine späteren Kontakte zu Basel blieben eher spärlich und bisweilen auch kritisch der Stadtentwicklung gegenüber.

Die persönlichen Kontakte mit Carl Fingerhuth waren lebendig, oft heiter, und er wusste dabei seine Ansichten auch intensiv zu vertreten.

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