Strafgericht
Zum zweiten Mal bestätigen Richter: Der Gundeli-Mord war tatsächlich Mord

Im Mai 2009 stellten zwei Brüder den Peiniger ihrer Schwester. Gemeinsam mit zwei Freunden suchten sie ihn auf. Am Schluss fiel ein tödlicher Schuss. Zum zweiten Mal entscheiden die Richter: Der Mord an der Reinacherstrasse geschah vorsätzlich.

Moritz Kaufmann
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Zum zweiten Mal entscheiden die Richter: Es war Mord. Der Haupttäter muss zwölf Jahre hinter Gitter, die Mittäter sechs Jahre. (Symbolbild)

Zum zweiten Mal entscheiden die Richter: Es war Mord. Der Haupttäter muss zwölf Jahre hinter Gitter, die Mittäter sechs Jahre. (Symbolbild)

Keystone

Schon zum zweiten Mal befasste sich das Basler Strafgericht mit dem sogenannten Gundeli-Mord vom Mai 2009. Damals fuhren vier Männer aus der Region Bern mit dem Auto nach Basel, um sich am Freund der Schwester von zweien von ihnen zu rächen. In der Reinacherstrasse trafen sie auf ihr vorgesehenes Opfer, schlugen und verfolgten und erschossen es schliesslich.

Im ersten Prozess im Juni 2010 kamen die Richter zum Schluss, dass die Tötung vorsätzlich geschah und es sich deshalb um kaltblütigen Mord handelte. Der Haupttäter wurde zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, die beiden Brüder bekamen als Mittäter 6 Jahre.

Strenger als Staatsanwaltschaft

Die Verteidiger des Haupttäters sowie der beiden Brüder waren nicht einverstanden. Sie argumentierten, dass die Tötung nicht geplant gewesen sei und gelangten vergangenes Jahr ans Appellationsgericht. Dieses schickte den Fall wieder zurück ans Strafgericht mit der Weisung, die Schussabgabe genauer zu prüfen.

Also untersuchte das Basler Strafgericht erneut, was genau passiert war, bevor der tödliche Schuss fiel.

Heute um 16.30 Uhr wurde das Urteil verlesen: Es war Mord. Damit ging das Gericht noch weiter als die Staatsanwaltschaft, die von einer eventualvorsätzlichen Tötung ausging. Gerichtspräsidentin Kathrin Giovannone zerpflückte in ihrer Urteilsbegründung die Argumentation der Verteidigung. «Sie sind nach Basel gereist, um dem Opfer Übel anzutun», sagte sie zum Haupttäter L. L., der die Ausführungen regungslos zur Kenntnis nahm. Es sei nicht glaubhaft, dass L. L. mit einer entsicherten Waffe auf das Opfer eingeschlagen habe, aber nicht habe schiessen wollen. «Schon diese Schläge hätten zum Tod führen können», hielt sie fest.

Der 27-jährige L. L. und seine Mittäter hatten immer argumentiert, der Schuss habe sich gelöst, als L. L. auf das Opfer einschlug. «Das ist eine reine Schutzbehauptung», befand die Gerichtspräsidentin Giovannone. Sie liess dafür sogar eine gewisses Verständnis durchblicken: «Die Tatsache einen Menschen erschossen zu haben, muss so schwer wiegen, dass man sich einredet, man habe es nicht absichtlich gemacht, um sich selbst zu schützen.»

Das Strafmass bleibt also unverändert: Zwölf Jahre für den Haupttäter, sechs für die Mittäter. Es ist allerdings abzusehen, dass in dieser Sache das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Höchstwahrscheinlich werden die Verteidiger in Berufung gehen. Sie sehen einen der zentralsten Rechtsgrundsätze verletzt: im Zweifel für den Angeklagten.