Strafgericht
Zündeltour durchs Kleinbasel: Drogensüchtiger muss zum Entzug

Diverse Fälle von Brandstiftung, die im Sommer 2016 die Polizei auf Trab hielten, sind aufgeklärt: Ein Mann legte im Drogenrausch kleine Feuer. Passiert ist glücklicherweise nicht viel.

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Dass er Feuer gelegt hatte, gab der Angeklagte unumwunden zu. (Symbolbild)

Dass er Feuer gelegt hatte, gab der Angeklagte unumwunden zu. (Symbolbild)

Thinkstock

«Ich weiss, was ich gemacht habe. Es tut mir leid», sagte der 44-jährige Angeklagte diese Woche vor dem Basler Strafgericht. Die Geschichte drehte sich um Taten, die im Drogenrausch begangen worden sind, doch der Mann passt nicht in das typische Schema von Drögelerkarrieren: Mehr als 40 Jahre seines Lebens hatte er weder mit der Polizei noch mit der Justiz zu tun.

Nach einer Kochlehre und nur mässig Erfolg in diesem Beruf hielt er sich als Taxifahrer über Wasser, womit er offenbar recht glücklich war. Doch irgendwann vor ein paar Jahren kam dann der Absturz: Alkohol, Marihuana und Crystal Meth. Er wurde arbeitslos, landete schliesslich bei der Sozialhilfe, verlor 2016 seine Wohnung und lebte als Obdachloser im Kleinbasel.

Gezündelt hat er dann zum ersten Mal im Juli 2016 um vier Uhr morgens in der Notschlafstelle an der Alemannengasse. Offenbar ging es lediglich um ein paar Papierschnipsel in einem Aschenbecher, die ein Mitarbeiter dann auch rasch löschen konnte. Doch der Rauchmelder hatte bereits reagiert, die Feuerwehr war unterwegs. Das kostete nicht nur 1500 Franken, sondern bescherte dem Zündler ein zweimonatiges Hausverbot für die Notschlafstelle.

«Aus Blödsinn gemacht»

So ging es andernorts bis zum Herbst weiter: ein brennendes Stück Papier in einem Lichtschacht im Spiegelhof, angezündete Abfallsäcke am Claraplatz und der Claramatte sowie ein kleines Feuer in einem Keller an der Rebgasse. «Haben Sie das im Frust gemacht?», fragte Gerichtspräsident René Ernst. – «Nein, Frust wars nicht. Eigentlich habe ich es aus Blödsinn gemacht».

Ein ganz anderes Kaliber war dann allerdings ein Feuer in einem Haus an der Haltingerstrasse im Oktober 2016: Nach einer Übernachtung im Keller verliess er das Haus, später entwickelte sich dort starker Rauch durchs Treppenhaus, ein Anwohner konnte noch rechtzeitig die Feuerwehr rufen.

Dass er Feuer gelegt hatte, gab der Mann unumwunden zu. Die Verhandlung drehte sich daher vorab um Details: Je nach entstandener Gefahr sind Freiheitsstrafen bis zu 20 Jahre möglich. Das Dreiergericht stufte das Feuer in der Haltingerstrasse zwar als gefährlich ein, doch die Beweise reichten nicht für den Nachweis des direkten Vorsatzes: Der Mann betonte stets, das Feuer vor dem Verlassen des Hauses wieder gelöscht zu haben.

Daher gab es Urteile wegen versuchter Brandstiftung und in den meisten Fällen bloss wegen groben Unfugs. Dazu kamen noch ein paar Diebstähle sowie Drohungen gegen Beamte: Am Claraplatz drohte er Polizisten ein «Blutbad» an, im Spiegelhof äusserte er gegenüber Mitarbeitern weitere diffuse Drohungen. Ein Gutachten bescheinigte ihm eine verminderte Schuldfähigkeit. Seit Oktober sitzt er wegen Wiederholungsgefahr in Untersuchungshaft.

Staatsanwältin Simone Lustenberger hatte die Brandstiftungen als deutlich gravierender und gefährlicher eingestuft und eine Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren verlangt, das Gericht beliess es bei 18 Monaten unbedingt. Die Strafe wird allerdings sowieso aufgeschoben: Der Mann kommt für drei Jahre in einen stationären Drogenentzug. Er betonte, er wolle nun rasch von der Haft in die Entzugsstation wechseln.

Im Sommer 2016 brannten im Kleinbasel auch diverse Autos, mögliche Täter konnte man hier allerdings bis heute nicht ermitteln.