Als Winkelried würde sich Christoph Eymann nicht bezeichnen. Eher noch als Don Quijote im Kampf gegen Windmühlen, meint der Basler LDP-Nationalrat mit einem Grinsen. Von aussen betrachtet will der liberale Politiker mit ausgeprägtem grünen Gewissen nicht immer in die stramm bürgerliche FDP-Fraktion passen, welcher er in Bundesbern angehört. In Basel trug ihm das schon den Ruf ein, ein «halber Linker» zu sein. «Ich fühle mich in der Fraktion nicht als Fremdkörper», betont er, «es gibt aber schon Unterschiede zwischen FDP und LDP.»

Das zeigt sich exemplarisch bei Eymanns Einsatz für den Bildungsstandort Schweiz. Sein Engagement erstaunt nicht. 16 Jahre lang hatte er als Basler Erziehungsdirektor geamtet, wurde 2013 zum Präsidenten der Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz gewählt. Der 66-Jährige war die treibende Kraft hinter den Harmonisierungsbestrebungen zwischen den Kantonen, hinter dem Programm «Harmos» und «Lehrplan 21», was ihm landesweit viel Respekt eingetragen hat. Erst im Februar hat er seinen Job als Basler Regierungsrat an den Nagel gehängt, nachdem er im Herbst 2015 in den Nationalrat gewählt worden ist und dort auf Anhieb in die einflussreiche Bildungskommission einzog.

«Nicht auf Lorbeeren ausruhen»

Neue Bühne, dieselbe Rolle: Sein Engagement geht nahtlos weiter. Eymanns neuster Streich: Er will dem Bereich Bildung, Forschung und Innovation (BFI) deutlich mehr Mittel zukommen lassen. Sein Plan: Der Bundesrat soll die rund 300 Millionen Franken, die dem Bund jedes Jahr von der Nationalbank zufliessen, zusätzlich voll und ganz in den Bereich stecken. Schliesslich seien in den letzten paar BFI-Vierjahresperioden die beschlossenen Mittel aus Spargründen regelmässig gekürzt worden. Das setze sich fort. So sollen auch 2018 nicht die Beiträge ausbezahlt werden, die das Parlament 2016 beschlossen hat.

Derzeit seien die Schweizer Hochschulen noch konkurrenzfähig mit den Spitzenuniversitäten im Ausland. Mit einer Finanzierung wie jener der letzten und nächsten Jahre aber werde sich das ändern. «So investieren etwa die arabischen Länder stark in die Life Science.» Auch die Chinesen hätten die Schweiz in ein paar Jahren eingeholt. «Die Schweiz nimmt mittlerweile eine sehr defensive Haltung ein», findet Eymann. «Wir dürfen uns aber nicht auf unseren Lorbeeren ausruhen. Das wäre höchst gefährlich.» Wo er die Nationalbankgelder einsparen will, soll der Bundesrat vorschlagen. Eymann: «Als Parlamentarier nehme ich mir die Freiheit heraus, einfach mal die Forderung aufzustellen.»

Hohe Hürden in der Fraktion

Der Basler LDP-Nationalrat steht mit der Forderung nicht alleine. 14 Parlamentarier haben seine eben eingereichte Motion mitunterzeichnet – die meisten aus dem Mitte-Links-Lager. «In der eigenen Fraktion sind die Hürden sicher höher», ist sich Eymann bewusst. «Die FDP hat vor allem einen ausgeglichenen Finanzhaushalt im Auge.» Die nötigen Investitionen in die Bildung fänden da oft keinen Platz. «Ich war denn auch etwas enttäuscht, dass sich 2016 bei den Freisinnigen keine Mehrheit finden liess für die vom Bundesrat beantragte Budgeterhöhung.» Und nun will die Finanzkommission noch weitere Gelder streichen lassen.

Das geht der Bildungskommission zu weit. In einem offenen Brief wehrt sie sich gegen diese neuen Sparpläne. «Die Hochschulen brauchen Planungssicherheit», betont Kommissionspräsident Felix Müri (SVP). Und sein Luzerner Parteikollege ergänzt: «Es sollen nun endlich einmal vier Jahre lang die Gelder auch ausbezahlt werden, die zuvor gesprochen worden sind.» Durch dieses ständige «go-and-stop» werde die Planung der Entwicklung von ETH, kantonalen Universitäten und Fachhochschulen enorm erschwert.

«Über Tellerrand blicken»

Mit Eymanns Forderung ist Müri dagegen nicht einverstanden. Zwar sei er sehr froh, den ehemaligen Regierungsrat mit all seiner Erfahrung und Kompetenz in der Bildungskommission zu haben – aber der Vorschlag gehe zu weit. «Sein Einsatz ehrt ihn. Das Gezerre um die Nationalbankgelder muss endlich aufhören», sagt Müri. Es gelte, auch den Finanzhaushalt als Ganzes im Auge zu behalten.

Eymann lässt sich davon nicht beeindrucken: «Die Priorisierung der Bildung ist ungenügend», bleibt er überzeugt. Es brauche ganz einfach eine Offensive, etwa bei der Digitalisierung. «Gerade der Bundesrat muss hier Prioritäten setzen und dabei auch über den helvetischen Tellerrand blicken.»

Dieser Seitenhieb geht gerade auch an FDP-Bildungsminister Johann Schneider-Ammann. Dass er aber mit seiner neusten Forderung kaum Chancen haben wird, ist Eymann bewusst. «Ich starte aber mal einen Versuchsballon – auch mit Hinblick auf die nächste BFI-Botschaft.» Eymann wird seinen Kampf für den Bildungsstandort Schweiz nicht aufgeben. Auf keinen Fall.