Die Gemeinde Münchenstein hat ein Luxusproblem. Fünf grössere Gewerbeareale warten darauf, wertvermehrend entwickelt zu werden. Investitionen von rund einer Milliarde Franken stehen im Raum. Für den Dreispitz, eines der Areale, gibt es auch einen konkreten Anwärter mit bester Bonität, der zudem unter hohem Handlungsdruck steht: die öffentliche Hand.

Seit dem demonstrativen Schulterschluss der Baselbieter und der basel-städtischen Regierungen steht in Stein gemeisselt, dass auf Münchensteiner Dreispitz-Boden die Universität einen Bildungscampus für ihre juristische und wirtschaftswissenschaftliche Fakultäten zu errichten hat.

Vergangene Woche hat der Gemeinderat Wirtschaftsvertreter zu einer Informationsveranstaltung geladen. Den Eindruck, den die Präsentation bei den gut hundert Gästen erweckte, fasst ein Besucher zusammen: «Der neue Uni-Campus soll wohl auf dem ehemaligen Arfa- und Acifer-Areal entstehen.» Diese Grossfläche im südlichsten Teil des Dreispitz auf der Höhe der Motorfahrzeugkontrolle liegt seit dem Auszug und der Liquidation der letzten echten Industriebetriebe brach.

Die Christoph Merian Stiftung (CMS) als Grundeigentümerin hat eine erste Bodensanierung vorgenommen, ohne dass konkrete Pläne bestehen. Giorgio Lüthi, der Gemeindepräsident von Münchenstein, räumt ein: «Das Areal ist verlockend.» Darauf festlegen will er sich aber nicht, es würden noch weitere Standorte für die Universität geprüft.

Kein Thema mehr sind die Parzellen, die der Baselbieter Neo-Baudirektor Isaac Reber voreilig den Medien präsentiert hatte, ohne dies zuvor mit der Eigentümerschaft abzusprechen. Genutzt werde das Gebiet vom Logistiker Fiege, Baurechtnehmer ist aber noch bis 2088 die Finanzinvestorin Acron. Aus informierten Kreisen heisst es, dass es viel zu teuer käme, den Baurechtnehmer auszukaufen. Acron will derzeit nicht Stellung nehmen.

Für die Universität nicht attraktiv

Dass das Arfa-/Acifer-Areal intensiv zur Diskussion steht, ist auch in universitären Kreisen zu hören, wenn auch nicht offiziell. Verwaltungsdirektor Christoph Tschumi sagt bloss: «Wir stehen mitten im Prozess.» Die diplomatische Zurückhaltung überdeckt jedoch nicht, dass diese Aussicht für die Universität wenig verlockend ist. Denn von der versprochenen Clusterbildung mit der Hochschule der Künste bliebe so wenig übrig, wie von der versprochenen engen Anbindung an den öffentlichen Verkehr. Tschumi sagt, ein unmittelbarer Zeitdruck bestehe nicht, da die Fakultäten noch bis 2028 eingemietet sind. Doch er erwarte schon «einen Standortentscheid noch in diesem Jahr».

Die Gemeinde Münchenstein sei in «hochgetaktete Gespräche» mit der CMS getreten, sagt Lüthi. Ziel der «angestossenen Kooperation», so die CMS in ihrem druckfrischen Jahresbericht, sei «eine gemeinsam getragene, umsichtige Weiterentwicklung des Dreispitz».

Bis Ende Jahr sollten die Gespräche «eine Klärung» bringen, meint auch die CMS, doch Lüthi verweist auf das natürliche Tempo solcher Prozesse. Bis zu einem Quartierplan, was erst die Grundlage für eine Universitäts-Planung wäre, müsse realistisch mit bis zu acht Jahren gerechnet werden. Sollte das Quartier noch an den öffentliche Verkehr angebunden werden, zögen weitere Jahre ins Land. Dieser Einwand gegen das Arfa-/Acifer-Areal ist auch Lüthi bewusst: «Es ist am weitesten vom Tram entfernt.»

CMS ist auf Einnahmen angewiesen

Unter Druck stehen nicht nur die beiden Basler Regierungen, die nicht nur gegenüber der Universität, sondern auch gegenüber der Fachhochschule Versprechen abgegeben haben, rasch auf den Dreispitz umziehen zu können, die sie nicht halten können. Handlungsbedarf hat auch die CMS. Die erstmals transparent ausgewiesenen Jahreszahlen zeigen, wie die Stiftung auf die Miet- und Baurechtseinnahmen vom Dreispitz angewiesen sind, um ihre Wohltätigkeit zu pflegen. Jedes weitere Jahr, in dem ihr Arfa-/Acifer-Areal eine Brache bleibt, kostet die Stiftung Millionen. Ein Hochschulcampus ist die Lösung ihres Problems.