Leute, die sich zuvor nie gesehen haben, sitzen an einem Tisch. Es wird gelacht, geplaudert und natürlich gut gegessen. Nach dem Essen verabschiedet man sich und trifft sich vielleicht in einem anderen Restaurant wieder. Am «meating table».Das ist das Ziel von Miss Paprika. Ihren richtigen Namen möchte sie nicht nennen, «Miss Paprika» klingt frecher, feuriger und modern.

Modern ist auch ihr Projekt: In ausgewählten Restaurants, momentan sind es 36, stehen Tische bereit. Jedes Restaurant zahlt einen Jahresbeitrag von 250 Franken und erhält laut einem Flyer unter anderem «mehr Umsatz, zufriedene, fröhliche Gäste».

Gekennzeichnet sind die Tische mit einem Schild, auf dem in roter Schrift und auffälligem Design «m-eating-table» steht. Das Wortspiel fiel Miss Paprika spontan ein. Ein internationaler Name zusammengesetzt aus den Worten «meet» (treffen) und «eat» (essen). Entworfen wurde das Schild sowie auch die Website des «meating table» von Tobias Gutmann. Der Grafiker hat gemeinsam mit Miss Paprika eine Welt aus lustigen Zeichnungen und vielen kleinen Paprikaschoten erschaffen. Doch nicht nur die Website hat Miss Paprika erstellt. Ein Video soll erklären, wie das Prinzip funktioniert. Dort sitzen viele Menschen an einem Tisch im Birseckerhof. Neue Gäste werden vom Kellner gefragt, ob sie sich auch an den «meating table» setzen möchten. Alle haben es lustig.

Im Birseckerhof wurde das Angebot bisher noch nicht oft genutzt. Wichtig ist beim «meating table» vor allem das Auftreten der Restaurantbetreiber: «Der Gastgeber muss auf den Gästetisch aufmerksam machen und die Gäste freundlich einladen, sich dorthin zu setzen.» Ihr Projekt bezeichnet sie bei einem Mittagessen im Birseckerhof als «Sozialprojekt für reichere Leute, die lieber Mittagessen gehen, als zum Psychiater». Ein Kollege von Miss Paprika, Weinhändler Armando Pipitone nutzt das Angebot oft. Wegen seines Berufs reist er vermehrt alleine und geht alleine in Restaurant - wenn möglich an den «meating table».

«Am meating table kann ich mein soziales Netzwerk aufbauen und ich vereinsame nicht», sagt er. Die Idee sei einem Stammtisch sehr ähnlich. Quasi ein Stammtisch in moderner Fassung. Ein Mal im Monat trifft sich Pipitone mit Miss Paprika. Kennen gelernt haben sich die beiden auch in einem Restaurant. Miss Paprika ging auf Pipitone zu und fragte ihn, ob er sich zu ihr setzen wolle. Seitdem sind sie befreundet und Pipitone ist begeistert von der Idee: «Essen und Trinken macht immer Spass, vor allem aber in Gesellschaft.»


Eine Berufung

Die 36 Restaurants reichen Miss Paprika noch lange nicht. «Ich möchte, dass die ganze Welt den meating table kennt», sagt sie. Bis jetzt musste sie die Restaurants immer selbst anfragen. Sie wünscht sich, dass die Besitzer der Restaurants irgendwann auf sie zukommen und einen «meating table» möchten. Das Projekt ist ihr viel wert. All ihre Kraft steckt sie in ihren «meating table». Und es ist wortwörtlich ihrer. Für ungefähr 2000 Franken liess sie das Wortspiel patentieren. Das Projekt sei ihre Lebensaufgabe: «Der meating table ist für mich eine Berufung, ich werde das wohl für immer machen und schauen, wie weit ich komme.»