Urteil
Zuviel Crystal Meth gedealt: Appellationsgericht verhängt höhere Strafe gegen Thailänderin und bestätigt Landesverweis

Rund 100000 Franken Gewinn erzielte eine Thailänderin mit dem Drogenverkauf, jetzt wird sie ausgeschafft.

Patrick Rudin
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Die Frau vertickte fast 1,5 Kilogramm Crystal Meth (Symbolbild).

Die Frau vertickte fast 1,5 Kilogramm Crystal Meth (Symbolbild).

Keystone/AP/MICHAEL PROBST

«Du Polizei come», lautete das SMS kurz und knapp. Die heute 43-jährige Thailänderin sandte die Mitteilung im November 2016 an ihren Chef, als bei ihrer Wohnung an der Haltingerstrasse die Drogenfahnder klingelten. Die Wohnung war von einem befreundeten Paar angemietet worden und diente hauptsächlich dem Drogenhandel, Glücksspiele wurden darin aber auch gespielt. Die Frau war bereits Konsumentin und ist schliesslich in den Handel von Methamphetamin eingestiegen, die Droge wird meist auch als Crystal Meth bezeichnet.

Die 43-Jährige lebte zuvor in Grenzach von Sozialhilfe. Ihr Ehemann war verstorben, die beiden Söhne wurden bei einer anderen Familie fremdplatziert.

Das Geschäft florierte: Die Frau liess sich durch die Hausdurchsuchungen nicht beeindrucken und verkaufte die Drogen munter weiter. Als ihr Lieferantenpaar festgenommen wurde, suchte sie sich einen neuen Lieferanten in Deutschland, Anfang 2019 landete sie selbst in Haft. Die Details waren umstritten, doch nach und nach gab die Frau zu, vom Drogenhandel gelebt zu haben.

Zieht man ihren Eigenkonsum ab, hat sie mindestens 1490 Gramm Crystal Meth verkauft. Die Behörden gehen von einem Nettogewinn von knapp 100000 Franken aus. Das Bundesgericht hatte im Jahre 2019 bestätigt, dass bereits Mengen von 12 Gramm als «schwerer Fall» einzustufen sind.

Keine Urteilslockerungen für die Dealerin

Das Basler Strafgericht verurteilte die Frau daher im November 2019 wenig überraschend wegen schweren, gewerbsmässigen Betäubungs- mittelhandels zu einer Freiheitsstrafe von 3,5 Jahren sowie einem Landesverweis von 8 Jahren. Dieses Urteil zog sie weiter, verlangte ein tieferes Strafmass und war mit dem Landesverweis nicht einverstanden. Staatsanwältin Simone Lustenberger erhob Anschlussberufung und verlangte eine höhere Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren.

Verteidigerin Claudia Sigel beantragte am Freitag vor dem Appellationsgericht, auf den Landesverweis zu verzichten. Wenigstens solle das Gericht keinen Eintrag im Schengener Informationssystem (SIS) vornehmen, damit die Frau noch ihre Söhne in Deutschland besuchen kann. «Sie lebt seit 20 Jahren in Deutschland. Ihr Leben spielt sich hier ab», sagte Sigel. In Thailand verfüge sie nur noch über einen Angehörigen.

Doch am Freitag fand die 43-Jährige keine Gnade: Die drei Richter erhöhten die Freiheitsstrafe gar auf vier Jahre und bestätigten den Landesverweis von acht Jahren. Ein solches Strafmass hat üblicherweise einen SIS-Eintrag zur Folge, und die Richter machten keine Ausnahme. «Sie haben weder hier noch in Deutschland ein Aufenthaltsrecht. Die Härtefall-Klausel bezieht sich auf Leute, die hier integriert sind», betonte Gerichtspräsidentin Eva Christ.