Strafgericht

Zwangsprostitution in der Webergasse: 2 Jahre bedingt für Prostituierte

Die Prostituierte wurde unter anderem wegen Freiheitsberaubung verurteilt. (Symbolbild)

Die Prostituierte wurde unter anderem wegen Freiheitsberaubung verurteilt. (Symbolbild)

Eine junge Prostituierte wurde nach einer Flucht von ihren Zuhältern gewaltsam wieder in die Webergasse gebracht. Am Dienstag wurde in Basel eine 23-jährige Kollegin verurteilt, die die Frau beaufsichtigen sollte. Das Verfahren gegen die Zuhälter ist in Solothurn hängig.

"Ich konnte schon aus dem Zimmer, aber ich durfte nicht nach unten gehen. Sie hatten Angst, dass ich wieder davonrenne", erzählte die junge Frau am Montag vor Gericht.

Im März 2016 schaffte sie in der Basler Webergasse an, jedoch nicht freiwillig: Wenige Tage zuvor hatte sie sich nach Solothurn abgesetzt, wurde aber von ihren Zuhältern mit Gewalt wieder zurückgebracht. Die Details dazu sind allerdings noch nicht bekannt, das Verfahren gegen die Männer wegen Entführung und Vergewaltigung läuft im Kanton Solothurn.

Vor dem Basler Strafgericht stand nun allerdings eine 23-jährige Frau aus Ungarn, die ebenfalls in der Webergasse als Prostituierte wohnte und arbeitete und die jüngere Kollegin nach dem Fluchtversuch beaufsichtigen sollte.

So schickte sie sie jeweils auf die Strasse, spornte sie auch an, dort nicht einfach herumzustehen, sondern aktiv die Männer anzusprechen und suchte für sie die Kleider aus.

Vor allem aber sperrte sie die jüngere Kollegin einmal für eine halbe Stunde im Zimmer ein. Ob das "Drehschloss" der Türe tatsächlich abgeschlossen war, blieb vor Gericht umstritten. Der Verteidiger der 23-Jährigen betonte, es sei noch keine Freiheitsberaubung, wenn jemand den Befehl gebe, in einem Zimmer zu bleiben.

Opfer will auch in Solothurn aussagen

Die Opfervertreterin hingegen sagte, ihre Klientin sei kurz vorher gewaltsam aus Solothurn zurückgeschafft worden und dabei "grün und blau geschlagen" worden. "Sie wusste, dass es völlig aussichtslos ist, die Türe aufzumachen und wegzurennen", sagte sie.

Später sollte die Frau wieder auf die Strasse, im Flur begegneten die beiden Frauen dann allerdings Polizisten auf Kontrolltour: Die jüngere Frau bat um Hilfe und lebt seither an einem unbekannten Ort. Offenbar ist sie auch bereit, gegen ihre Zuhälter im solothurnischen Verfahren auszusagen. "Wer sagt denn, dass meine Mandantin von den Zuhältern nicht genauso genötigt wurde?", argumentierte der Verteidiger der 23-Jährigen vergeblich vor Gericht.

Seine Mandantin kam schliesslich Ende März in Untersuchungshaft, als sie im Zug mit 76 Gramm Kokain mit einem hohen Wirkstoffgehalt aufgeflogen ist. Bei der erneuten Hausdurchsuchung in der Webergasse kamen Streckmittel sowie eine Schreckschusspistole zum Vorschein.

Bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten

Die drei Richter kamen zum Schluss, dass die 23-Jährige zwar hierarchisch durchaus unter den Zuhältern stand. Dennoch verurteilten sie die Frau am Dienstag wegen Freiheitsberaubung, Förderung der Prostitution sowie wegen Drogenhandels und Verstössen gegen das Ausländergesetz zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Die 23-Jährige habe selbst gar keinen Druck auf ihre jüngere Kollegin ausüben müssen, denn es habe völlig ausgereicht, den Zuhältern zu berichten, falls die Frau den Anweisungen nicht folgen würde, begründete Gerichtspräsidentin Dorrit Schleiminger den Schuldspruch.

Staatsanwältin Milena Jossen hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von drei Jahren gefordert. Nach dem Urteil kündigte sie umgehend an, den Fall weiterzuziehen. Damit muss das Appellationsgericht nun auch entscheiden, ob die Frau bis zur zweiten Verhandlung weiterhin in Haft bleiben muss.

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