Gleichstellung

Zwanzig Tage Papi-Ferien für Basler Kantonsangestellte

Künftig können sich Staatsangestellte länger um ihre Babys kümmern.

Künftig können sich Staatsangestellte länger um ihre Babys kümmern.

Basel-Stadt ermöglicht den Jungvätern eine längere Auszeit. Das Parlament hat am Mittwoch eine Motion aus dem Grünen Bündnis deutlich zur Stellungnahme an die Regierung überwiesen.

Was die Elternzeit angeht, gilt die Schweiz als rückständig – oder vorbildlich, je nach Standpunkt. An der Grossratsdebatte zum Vorstoss der Grünen-Grossrätin Lea Steinle zur Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs jedenfalls durchzog der klassische Links-Rechts-Graben das Parlament. Steinles Anliegen: die Ausdehnung der Papi-Zeit für Kantonsangestellte von zehn auf zwanzig Tage. Die junge Mutter selber verwies in ihrem Vorstoss darauf, dass zehn Tage Vaterschaftsurlaub, die der Kanton heute gewährt, im Vergleich zum Ausland «extrem wenig» seien. Auch Firmen hätten begriffen, dass ein längerer Vaterschaftsurlaub zur Attraktivität des Arbeitgebers beitragen könne.

Zudem sei gerade die erste Phase nach der Geburt sehr wichtig für die Beziehung zwischen Vater und Kind, so Steinle in ihrem Vorstoss, und die Mutter könne in den ersten Wochen nach der Geburt Unterstützung gut gebrauchen.

Goodwill der Arbeitskollegen

Das waren viele Argumente. Aber offenbar nicht genug, um die SVP-Vertreterin zu überzeugen. Gianna Hablützel-Bürki fand: «Wir haben alle den Wunsch, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Aber wollen ist das Eine – können das andere.» Familienpolitik sei nicht die Aufgabe des Staates, meinte sie. «Ich muss es immer und immer wieder sagen.» Die Staatsangestellten hätten ohnehin bessere Arbeitsbedingungen als die Angestellten in der Privatwirtschaft, und diese Ungleichheit würde durch eine Verlängerung des Vaterschaftsurlaubs auf zwanzig Tage noch vergrössert. «Die meisten kleineren Betriebe können sich das nicht leisten», sagte Hablützel-Bürki.

Sukkurs gabs für ihre Skepsis von FDP-Sprecher Mark Eichner, wenngleich er das Parlament mit einer anderen Strategie einzunehmen versuchte: der persönlichen Betroffenheit. Der zweifache Vater sagte, er habe die Geburt seiner Kinder als «grösste Veränderung, die ich je erlebt habe», empfunden. Nur: Es sei an jedem Einzelnen zu entscheiden, wie viel Ferien er drangeben wolle. Vier Wochen gesetzlich verankerte Ferien überstiegen wohl den Goodwill der Arbeitskollegen. «Da überspannen wir den Bogen», fand Eichner.

Die Linke aber konnte auf die Hilfe der Mitte zählen. CVP-Grossrätin Beatrice Isler rechnete vor, dass sich der Kanton diesen Vaterschaftsurlaub leisten könne. Und ja: Der Vater gehöre eben zur Familie in der Zeit nach der Geburt.

Auch der EVP-Vertreter Thomas Widmer stellte sich auf den Standpunkt, dass man sich in Basel den 20-tägigen Vaterschaftsurlaub erlauben könne. In Deutschland sei es schliesslich auch möglich, eine starke Wirtschaft mit einem längeren Vaterschaftsurlaub zu verbinden.

Im Kern eine Geschlechterdebatte

Dass es im Kern eine Geschlechterdebatte war, verdeutlichte das Wortgefecht zwischen SVP-Grossrat Patrick Hafner und Tonja Zürcher vom Grünen Bündnis. Zürcher sagte: «Gleichstellung ist kein ‹Nice-to-have›, sondern ein verfassungsrechtliches Grundrecht.» Hafner liess sich ob dem Thema Gleichstellung zur Frage verleiten, wann die Frauen denn ins Militär müssten, was Zürcher nicht in Verlegenheit brachte. Sie selber sei ohnehin für die Abschaffung, meinte sie. Die Debatte aber war da schon gelaufen – zu geschlossen traten Grüne, SP, CVP, EVP und Grünliberale auf. Der Vorstoss wurde letztlich mit 55:37 Stimmen deutlich überwiesen.

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