Bei den Markhändlern, aber auch bei den Grossverteilern finden jetzt die regionalen Früchte den Weg ins Regal. Und den Grossverteilern fällt es leichter, die Angebotslücke zu schliessen. «Die Migros Basel ist nicht stark von einem Verzug der regionalen Früchte- und Gemüse-Produkte betroffen», sagt Nadine Kleiber, stellvertretende Leiterin der Unternehmenskommunikation. «Mit einer regionalen Anbauplanung, welche im Vorfeld mit unseren Aus-der-Region-Lieferanten besprochen wird, können wir Lieferengpässe vermeiden.»

Mehr Produkte importiert

Coop reagierte anderweitig: «Wir hatten Anfang Saison tatsächlich Probleme und weniger Ware in den Verkaufsstellen», erklärt Stephanie Weiss, Medienbeauftragte bei Coop Nordwestschweiz. «Aus diesem Grund hat Coop die Erdbeer-Import-Saison verlängert.» Der Grossverteiler hatte zudem viele Kundenrückmeldungen. «Viele Kunden suchten die regionalen Produkte bei uns in den Läden. Das Verkaufspersonal erklärte dann jeweils, dass es die Produkte aufgrund des Wetters noch nicht gebe. «Die Kunden reagierten verständnisvoll», sagt Weiss.

Viele Erdbeeren aufs Mal

Die Situation hat sich nun beruhigt. Die Erdbeeren sind überall erhältlich. Jürgen Engler von «Obst vom Tüllinger» bietet auf dem Marktplatz sogar mehrere Sorten Erdbeeren an. «Die Erdbeeren sind zwar spät dran, aber es sind nicht weniger», sagt Engler. «Jetzt überschneiden sich gar frühe Sorten mit späteren, was dazu führt, dass wir viele Beeren anbieten können.»

Eine Umfrage unter den Händlern auf dem Marktplatz zeigt: Viele sorgen sich um die Kirschenernte. Diese soll gemäss Engler nächste Woche beginnen. Hansueli Wirz, Präsident des Baselbieter Obstverbands, zeigt sich aber optimistisch. «Es gibt vielleicht etwas weniger Kirschen, dafür sind sie qualitativ gut, sofern jetzt das Wetter gut bleibt.»

Die Marktleute auf dem Basler Marktplatz leiden unter dem schlechten Wetter der letzten Wochen

Die Marktleute auf dem Basler Marktplatz leiden unter dem schlechten Wetter der letzten Wochen

Prekärer ist die Situation für die Gemüsebauern. Sigrid Reinhard von der Bioland-Gärtnerei Hoch-Reinhard spricht von vielen Schwierigkeiten: «Erst wirkten die Düngemittel wegen der Kälte nicht, anschliessend wurden sie weggeschwemmt. Und jetzt, wo die Sonne endlich rauskommt, machen sich die Läuse über das Gemüse her.» Die Folgen seien kleine Salate und drei bis vier Wochen Verspätung. Bei den Kartoffeln habe man viel wegschmeissen müssen. «Salat, Broccoli und anderes Gemüse konnte schlicht nicht angebaut werden», bestätigt Wirz. «Beim Gemüse gibt es viele Ausfälle.»

Biobauern haben mehr Probleme

Die Produkte der Biobauern leiden also noch stärker unter dem schlechten Wetter. «Bei den Erdbeeren mussten wir 60 bis 70 Prozent der ersten Ernte wegen Fäulnis wegschmeissen», sagt Reinhard, die auf dem Marktplatz Produkte von Bioland verkauft. «Gegen die Fäulnis können die Biobauern etwas weniger unternehmen», sagt auch Obstverbands-Präsident Wirz.

Wie die Ernte von Früchten wie Kirschen ausfallen wird, hängt stark vom weiteren Wetter ab. Die Bauern hoffen, dass durch einen guten Sommer der Schaden in Grenzen gehalten werden kann.