Paula Stünitz hat ein Schmuckstück geschaffen. Nicht etwa eine nette Kette oder eine hübsche Kreole. Ein Brustpanzer ist es geworden. Ein Frauenbrustpanzer, 1:1, aus Kupfer, geheimnisvoll patiniert, graugrünbraun schillernd, fleckig. Oben öffnet sich dieser Panzer leicht, wie ein zufällig offener Kragen. Dort blitzen drei Saphire.

«Es war die Chance. An ein so grosses Schmuckstück kann man sich nur ganz selten wagen», sagt die 28-jährige «Lehrtochter» von Goldschmied Beat Lehmann und Anna Schmid.

Philosophie, in Kupfer getrieben

«Real Fake» lautete das Wettbewerbsthema im Design-Bereich. Es ist wunderbar doppeldeutig und zeigt, dass «Fake», Beschiss, durchaus real sein kann (vgl. Kasten rechts). Oder ein kompletter Beschiss – real Fake eben. Paula Stünitz setzt das radikal um: Das Objekt heisst «Loreley», in Anlehnung an die Sagenfrau am Rhein, die mal Zauberin, mal Verführerin war. Und ins Verderben führend, für Männerherzen und das eigene Leben.

«Sehen wir wahre Schönheit von aussen? Sehen wir noch echte Körper? Wie stark verändern wir unsere Körper, um an ein Schönheitsideal zu gelangen?», fragt Stünitz, ohne eine Antwort zu erwarten. Der Panzer ist Schutz, es verbirgt sich etwas Zerbrechliches. Gleichzeitig ist er Zwang und Einschnürung. Früher trugen Männer Panzer, jetzt auch Frauen. In der Begleitschrift zu ihrer Arbeit wird der Brustpanzer von einem Mann getragen.

Die Innenseite ist vergoldet. Eine Koketterie, die sich erst bei genauem Hinsehen erschliesst. Oder wenn der Brustpanzer geöffnet wird und sein edles Inneres offenbart. Feminismus im Jahr 2017.

Von rund 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat Paula Stünitz im Design den dritten Preis abgeholt. Sie hat 80 Arbeitsstunden investiert. Modell stand eine gute Freundin.

Technik, sauber ausgeführt

Félicia Kocher, ebenfalls bei Lehmann am Spalenberg in der Lehre, holte in der Sparte Technik sogar den ersten Preis. Hier zeigt sich die grosse Kompetenz im Detail und in der sorgfältigen Ausführung. Die Vorgabe war für alle (ebenfalls rund 50) Teilnehmerinnen die gleiche: eine relativ einfache technische Zeichnung, ein Goldblech von 7×2 cm, ein Vierkant-Golddraht von 3×3×10 mm und ein 1mm-Runddraht von 12 cm Länge – das war alles.

Der Ring selber ist ein zusammenlaufender, gebogener Vierkant-Hohlkörper, durchbrochen von quadratischen und runden Löchern, versehen mit einem Verschluss. In der Mitte thront eine kronenartige Châton-Fassung.

«Wir hatten zwei Stunden Vorbereitungszeit, um einen Arbeitsplan zu erstellen, aus welchem Stück was gefertigt wird. Ich arbeite eigentlich selten mit einem konkreten Plan. Zuerst habe ich die Fassung produziert. Mir war klar, dass ich so wenig wie möglich Blech biegen wollte, weil ich darin noch keine so grosse Fertigkeit besass», erklärt sie.

Einschränkend war die Zeit: Es standen 22 Stunden in drei Tagen zur Verfügung. Félicia Kocher schaffte dies gerade, zum Schluss hatte sie noch eine Stunde Zeit für den Feinschliff. «Als Lehrling hat man praktisch keine Ahnung, wo die anderen in diesem Lehrjahr stehen», sagt sie. Der erste Preis war deshalb eine Riesenüberraschung und hat sie natürlich mächtig gefreut. Der Austragungsort war die ÜK Luzern, überbetriebliche Lehrwerkstätte, wo Lehrlinge gewisse Techniken lernen, die je nach dem in Kleinbetrieben nicht angeboten werden.

Den ersten Preis im Design holte sich Rahel Häberlin von der Goldschmiede Feingold in Zürich. Die Filmtab-Brosche enthält Steine, als wären sie Tabletten. Der Beschrieb ist in Form eines Medikamentenbeipackzettels. Das Logo «Fake» ist dank dem Rhomboid unschwer als Roche-Schriftzug zu erkennen. Gut geschmiedeter Basler Humor, made in Zürich.

Apropos Kleinbetrieb: Lehmanns Werkstatt ist ein solcher: 1 Goldschmied, 2 Lehrlinge, 2 Preisträgerinnen. Und 1 Werkstatt, so gross wie 1 Telefonkabine (okay: Etwas grösser, aber ein bisschen Fake muss sein).