Riehens Bürgerliche waren sich bewusst, dass nur ein gemeinsames Vorgehen am 26. Januar die 40-jährige Herrschaft der EVP im Gemeindepräsidium beenden könnte. Doch kurz vor den Sommerferien überraschten Thomas Strahm und seine LDP die bürgerlichen Kollegen von SVP, FDP und CVP: Gross- und Einwohnerrat Strahm gab bekannt, für das Gemeindepräsidium zu kandidieren. Zusätzlich soll Christoph Bürgenmeier Gemeinderat bleiben.

LDP hat Anrecht auf zwei Sitze

Von einem Ausscheren will Thomas Strahm aber nichts wissen. «Das ist nur ein Fortführen des Bestehenden.» Der Banker ist überzeugt, dass die LDP ein Anrecht darauf hat, zwei Kandidaten zu nominieren. «Es fällt der LDP schwer, sich die eigenen Kandidaturen von anderen Parteien vorschreiben zu lassen», berichtet Strahm von der Mitgliederversammlung. Er gibt sich betont optimistisch.

Gemeinderatswahlen und vor allem Präsidiumswahlen seien Personenwahlen, bei denen ein transparenter Leistungsausweis zähle.

Mit der Doppelkandidatur Gemeinderat/Präsidium zielen die LDP und Strahm natürlich darauf ab, durch mehr Aufmerksamkeit mehr Chancen auf das Gemeinderatsamt zu haben. Die anderen Bürgerlichen bleiben ihrer ursprünglichen Linie treu und nominierten den parteilosen Hansjörg Wilde nur für das Präsidium. So könne keine der drei Parteien von dieser Kandidatur im Gemeinderat profitieren, stellen SVP, FDP und CVP klar. Von vielen Seiten – unter anderem auch von Thomas Strahm – wird Wilde als SVP-nahe beschrieben.

Wilde stellt aber für sich selber die Sachpolitik in den Vordergrund. «Ich möchte keine Parteipolitik in der Exekutive. Es geht hier um die Sache und um Riehen.» Für Hansjörg Wilde musste Einwohnerratspräsident Heinrich Ueberwasser (SVP) seine Pläne, Riehens Gemeindepräsident zu werden, zähneknirschend begraben.

Bürgenmeier verzichtete

Vor vier Jahren forderte Hansjörg Wilde schon Gemeindepräsident Willi Fischer heraus – und zwang diesen prompt in einen zweiten Wahlgang. «Ich schätze meine Ausgangslage als sehr gut ein», gibt er sich jetzt auch selbstbewusst.

Der ganze Zwist zwischen LDP und den drei anderen bürgerlichen Parteien hätte eine Person verhindern können: Christoph Bürgenmeier. Hinter dem LDP-Gemeinderat und aktuellen Vizepräsidenten hätten alle bürgerlichen Parteien stehen können. Doch die Vereinbarung hätte auch bedeutet, dass Bürgenmeier auf die Kandidatur als Gemeinderat verzichtet. Dies lehnte die LDP ab.

Tritt die SP aus der Deckung?

Wenn zwei sich streiten, freut sich die Dritte. Und die heisst Christine Kaufmann und möchte für die EVP die Tradition im Gemeindepräsidium weiterführen. Auch sie kandidiert sowohl für das Präsidium als auch für den Gemeinderat.

«Für Riehen lief es in den letzten 40 Jahren nicht so schlecht», wirbt Kaufmann für ihre Partei. Sie lobt den vorgelegten Zonenplan, der sowohl eine Entwicklung zulasse, aber auch Riehen in seinem Charakter bestehen lasse.

Die Tochter des alt Gemeindepräsidenten Gerhard Kaufmann ist überzeugt, dass sie mit ihrer politischen Erfahrung den Rucksack mitbringt, den es für das Amt braucht. «Ich kenne auch die Situation, als Frau und Mutter berufstätig zu sein.»

Zwar reden alle vom 26. Januar, doch präsenter ist eigentlich bereits der 23. Februar – der Termin für den zweiten Wahlgang. Alle Beteiligten sind überzeugt, dass es diesen braucht, um eine Nachfolge für Willi Fischer zu finden.

Entscheidend könnte dabei die SP sein. Sie denkt laut darüber nach, mit Franziska Roth oder Guido Vogel ins Rennen zu steigen. Dies würde wohl Christine Kaufmann im ersten Wahlgang einige Stimmen kosten. Würde die SP auch in einem zweiten Wahlgang antreten, wird die Wahl eines bürgerlichen Gemeindepräsidenten wahrscheinlicher. Aber wohl nur, wenn sich die Bürgerlichen doch noch einigen können.