Basel
Zwei Drittel der Hausärzte sind über 50 – wie findet man deren Nachfolger?

71 Prozent der Allgemein- und Hausärzte sind in der Stadt Basel älter als 50 Jahre. Damit der Stadt nicht bald die Ärzte ausgehen, will die CVP mit einem Dreierpack an neuen Vorstössen eine Diskussion in Gang bringen, die zu mehr Hausärzten führt.

Nicolas Drechsler
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Eine bedrohte Gattung: der Hausarzt, erste Anlaufstation bei jedem gesundheitlichen Problem.

Eine bedrohte Gattung: der Hausarzt, erste Anlaufstation bei jedem gesundheitlichen Problem.

KEYSTONE

Wir werden immer älter, wollen immer länger zu Hause wohnen und dort gut betreut werden. Diese aktuellen Probleme im Gesundheitswesen hat die Basler CVP in drei parlamentarische Vorstösse gegossen. Neben der zunehmenden Überalterung (siehe Grafik) beschäftigen sie sich mit dem Mangel an Hausärzten und jenem an qualifizierten Pflegekräften. Parteipräsident Lukas Engelberger erklärt die Besorgnis der Partei unter anderem mit den Entwicklungen auf der nationalen Ebene: «Die Initiative ‹Ja zur Hausarztmedizin› ist zurückgezogen worden und durch einen Masterplan ersetzt worden. Wir nehmen diesen Faden nun kantonal auf.»

Zu wenig Hausärzte

In einem der Vorstösse fordert die CVP, der Ausbildung von Hausärzten an der Uni noch höhere Beachtung zu schenken, als dies mit der Bewilligung von 30 zusätzlichen Studienplätzen bereits geschehen ist. «Es geht aber vor allem auch darum, die Weiterbildung zu fördern und Modelle zu finden, die die Arbeit als Hausarzt attraktiver machen», erklärt Engelberger. In der Tat, das Problem ist in der Stadt Basel zwar nicht so akut wie in ländlichen Gebieten, immerhin gibt es hier 279 sogenannte «Grundversorger», also Allgemein- und Hausärzte. Doch ein Blick in den Gesundheitsbericht des Kantons lässt Böses erahnen: Von diesen Grundversorgern sind 71 Prozent älter als 50 Jahre und werden nicht mehr unbegrenzt lange zur Verfügung stehen. Es mangelt also an Nachwuchs.

Zu wenig neues Pflegepersonal

Dasselbe Problem plagt die Pflegeberufe ohne universitäre Ausbildung: In den Basler Spitälern ist ein Betrieb ohne ausländische Arbeitnehmer längst undenkbar. Grossrätin Pasqualine Balmelli fragt deshalb die Regierung, wie die Attraktivität der Pflegeberufe erhöht werden könne und wie man dem beruflichen Wiedereinstieg von Pflegefachkräften erleichtern kann.

Denn viele Frauen kehren nicht mehr in den Schichtdienst zurück, nachdem sie Mutter geworden sind. Und über die Frage nach einer Pflegeausbildung für Familienangehörige und Freiwillige schlägt sie die Brücke zum dritten Vorstoss, jenem von Annemarie Pfeifer (EVP). Sie sorgt sich um die Qualität der Betagtenbetreuung, insbesondere durch Spitexorganisationen und die immer wieder diskutierten 24-Stunden-Betreuerinnen aus Osteuropa. Auch hier zeigt ein Blick in die Statistik eine klare Entwicklung: Die Anzahl der zu Hause betreuten Menschen steigt stetig. Noch stärker steigen aber die Kosten für diese Betreuungsformen.

Sorge um Qualität

Ende letztes Jahr waren 7,1 Prozent der Basler Bevölkerung älter als 80 Jahre. In zehn Jahren werden es beinahe 8 Prozent sein. Pfeifer fragt nun an, wie die Regierung die von den Gewerkschaften scharf kritisierte 24-Stunden-Betreuung einschätze und wie man «ein Mindestmass an Qualität» sicherstellen könne. Sie schildert das Beispiel von durch die Spitex ausgebildeten Mitarbeiterinnen aus Rumänien. Diese Pflegerinnen verdienen rund 6500 Franken im Monat anstatt der offenbar immer wieder vorkommenden Löhne unter 3000 Franken.

Engelberger gibt unumwunden zu, dass es hier eine Kluft gebe zwischen dem Wünschenswerten und dem Bezahlbaren: «Einerseits will man dem berechtigten Wunsch der Betroffenen Rechnung tragen, zu Hause zu bleiben. Andererseits müssen faire Arbeitsbedingungen und kompetente Betreuung gewährleistet sein.» Der Staat habe ein Interesse an einer guten Betreuung zu Hause – ob durch Verwandte oder Angestellte –, da diese meist kostengünstiger sei als jene im Heim. «Eine gewisse staatliche Hilfe ist hier denkbar», tönt Engelberger an.

Die Sorge um den Mittelstand

Hinter den Vorstössen steht gemäss dem CVP-Präsidenten vor allem auch die Sorge um den Mittelstand, dem steigende Krankenkassenprämien und Betreuungskosten besonders zu schaffen machen. Dies, weil er weder genügend Einkommen und Vermögen hat, um diese langfristig selber zu berappen, noch so arm ist, dass er staatliche Subventionen beanspruchen könnte. «Deshalb sind wir auch dafür, dass Krankenkassenprämien von den Steuern abgesetzt werden können», wiederholt er eine bestehende Forderung seiner Partei.