«Es wurde nie bestritten, dass Herr G. ein Pferdenarr war. Aber er hat seine Strafe abgesessen. Und jetzt kommt Jahre später die Zollverwaltung wie die Alte Fasnacht», schimpfte Verteidiger Marcel Bühler gestern im Basler Strafgericht.

M. G., das war der Präsident des Zürcher Rennvereins, der als Finanzjongleur mindestens 30 Millionen Franken verlocht hatte. 2013 einigte er sich Ende im Kanton Zürich im abgekürzten Verfahren mit der Staatsanwaltschaft auf eine unbedingte Freiheitsstrafe von 4,5 Jahren wegen mehrfacher Veruntreuung und gewerbsmässigen Betrugs.

Knapp fünf Jahre später hätte er am Mittwoch in Basel wegen einer alten Zollgeschichte erneut vor Gericht erscheinen müssen, doch erschien lediglich sein Verteidiger mit einem Arztzeugnis. Gerichtspräsident René Ernst dispensierte den Angeklagten kurzerhand vor der Verhandlung, zumal bereits ein früherer Termin geplatzt war.

Das Pferd mit Liebhaberwert für 774'000 Franken

«Made in Margot» hiess das Pferd, dass G. im Februar 2010 gekauft haben soll. Bei der Einfuhr meldete er per Fax an die Sachbearbeiter des Autobahnzollamts Basel/Weil, dass der Kaufvertrag gar nicht zustande gekommen sei.

Der Zoll hingegen geht davon aus, dass er 774'000 Franken für das Pferd bezahlt hätte. «Ich habe noch nie gehört, dass ein Pferd 774'000 Franken Wert hat. Das Pferd ist danach auch nie mehr gelaufen, sondern musste eingeschläfert werden», sagte der Verteidiger dazu. «Ein Pferd hat einen Liebhaberwert. Wer daran glaubt, dass es bald wieder läuft, der bezahlt mehr. Das ist alles.»

Teuer war auch «Grandcamp»: G. soll das Pferd im Mai 2009 für 250'000 Euro gekauft haben. Auf der Wertbestätigung für den Zoll gab der Angeklagte aber lediglich 20'000 Franken an. Auch hier kam hinterher das Argument, das Pferd sei krank gewesen.

16'000 Franken Busse

Da die Summen Grundlage für die Erhebung der Mehrwertsteuer sind, geht die Zollverwaltung von einer massiven Hinterziehung von Abgaben aus. Zuständig war die Zollkreisdirektion Basel, deshalb landete der Fall vor dem Basler Strafgericht. Weshalb die Vorwürfe nicht bereits ins Zürcher Verfahren von 2013 integriert worden waren, blieb am Mittwoch unklar.

Verteidiger Marcel Bühler bestritt jegliche Absicht seines Mandanten: G. sei damals hauptsächlich mit repräsentativen Aufgaben beschäftigt gewesen, und er denke bis heute, das ganze wäre «gut» herausgekommen, wenn man ihn hätte weiterarbeiten lassen.

«Es ist nachvollziehbar, dass er damals schon zeitlich nicht in der Lage war, eine Mehrwertsteuerabrechnung zu machen. Muss ein Firmenchef wirklich jede Handlung seiner Untergebenen kontrollieren?», fragte Verteidiger Marcel Bühler rhetorisch.

Der Zoll geht dennoch von einer vorsätzlichen Steuerhinterziehung aus und verlangt eine Busse von 16'000 Franken. «Er hat den Überblick verloren. Wenn Sie ihn wegen Fahrlässigkeit bestrafen wollen, dann halt mit einer Busse von 1000 Franken», grummelte Bühler dazu. Umstritten ist, ob die Sache bereits verjährt ist, die Regeln im Verwaltungsstrafrecht sind komplex. Das Urteil fällt im Dezember.