Über 40 Prozent der Basler Kinder sprechen nicht genügend gut Deutsch, um im Kindergarten zu bestehen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Erziehungsdepartements (ED). Dabei geht es etwa um das Verstehen und Beantworten von einfachen Fragen, wie etwa «Hast du Hunger?» oder «Ich will mitspielen».

Rund 650 der 1600 Buben und Mädchen, die diese Woche in den Kindergarten eingetreten sind, fehlten diese Grundkenntnisse. Besonders überraschend: Ein Fünftel der betroffenen Kinder sind Schweizer. Sie besuchten im vergangenen Jahr deshalb die Deutsch-Frühförderung. Dieses Programm hat das Erziehungsdepartement vor zehn Jahren als Pilotprojekt lanciert. Seit 2013 ist die Deutschförderung im Vorkindergartenalter Pflicht. 2016 wurde die Massnahme im Schulgesetz festgeschrieben.

Eineinhalb Jahre vor dem Kindergarteneintritt des Nachwuchses erhalten alle Eltern einen Fragebogen zu dessen Sprachkompetenz. Falls Nachholbedarf festgestellt wird, müssen die Eltern das Kind in einer Institution anmelden, die vom ED für die Deutsch-Frühförderung anerkannt wird. Das kann eine Kindertagesstätte sein oder eine spezielle Sprachförderspielgruppe. Von Letzteren gibt es mittlerweile rund 40 im Kanton.

Zwei Halbtage für Minimum

Mindestens an zwei Halbtagen pro Woche müssen die Kleinen dann während eines Jahres in die Frühförderung. Dabei handelt es sich nicht um Unterricht im eigentlichen Sinn des Wortes, sondern um ein spielerisches Erlernen der Sprache. «Mit den zwei Halbtagen kann man den Mindeststandard erreichen», sagt Susann Täschler, Leiterin Fachbereich Frühe Deutschförderung. Diese zwei Halbtage übernimmt der Kanton. Rund eineinhalb Millionen Franken an Elternbeiträgen sind budgetiert. «Das ist eine sehr günstige Integrationsmassnahme», sagt Täschler.

Der Sinn der Frühförderung, die mittlerweile schweizweit adaptiert wird, wurde 2014 wissenschaftlich bestätigt: Die beiden Halbtage verbessern die Deutschkenntnisse, auch wenn die Kinder die Sprache langsamer lernen als ihre Freunde, die Deutsch als Muttersprache haben, und den Rückstand nicht aufholen können. Für wirkliche Chancengleichheit müsste Förderung früher ansetzen und intensiver betrieben werden, so eine Studie der Universität Basel. Eine neue Langzeitstudie soll nun Aufschluss darüber geben, wie wirksam die Massnahme ist, wenn man die weitere schulische Laufbahn anschaut.

Auch Eltern in Pflicht nehmen

Parallel zu den Kindern werden auch die Eltern in die Pflicht genommen. «Es geht darum, dass man das Bewusstsein für das Thema stärken will», sagt Täschler. Die Eltern sollen möglichst eng eingebunden werden und besuchen teilweise parallel auch einen Deutschkurs. Auch die Zusammenarbeit mit den Kindergärten und Volksschulen will Täschler verstärken, damit die Förderung kontinuierlich weitergeführt werden kann.