Die gute Stimmung, die Rundfunk-Moderatoren gerne verbreiten, täuscht schnell darüber hinweg: Privatradio machen ist ein knallhartes Geschäft. Mehr Hörer bedeuten auch gleich mehr Werbeeinnahmen. In Basel kämpfen zwei Sender um die Vorherrschaft: Radio Basilisk, das dem Basler Medienunternehmer Matthias Hagemann gehört. Der grösste Schweizer Medienkonzern Ringier («Blick») beteiligt sich sowohl an Energy Basel als auch an Energy Zürich und Energy Bern.

Anfang Woche wurden die neusten Halbjahreszahlen der Firma Mediapulse veröffentlicht. Diese führt in der Schweiz die offiziellen Messungen von Radio- und Fernsehquoten durch. Laut Mediapulse holt Energy Basel gegenüber dem Basler Marktführer Basilisk auf: So hat Basilisk im Durchschnitt täglich noch 120'200 Hörer gegenüber 125'800 Ende letzten Jahres. Energy Basel hat hingegen offiziell 112'500 Hörer pro Tag (Ende 2013 waren es 101'400).

Firma gibt Messfehler zu

Klar, dass Energy Basel diese Nachricht ausschlachtet. «So viele Hörer wie noch nie», heisst es in einer Medienmitteilung, «die eindrückliche Erfolgsgeschichte wird weitergeführt.» Doch Konkurrent Basilisk hat ernsthafte Zweifel an dieser Version. Dafür gibt es zwei Gründe: die Messmethode von Mediapulse und das Sende-Konzept der Energy-Radios. Diese setzen nämlich stark auf sogenanntes Simulcasting. Das heisst: Einer der drei Sender (zum Beispiel Energy Zürich) macht den Programminhalt – etwa Nachrichten, Musik oder Moderation – und die anderen zwei schalten zu (also Energy Basel und Energy Bern). Nicht alles, was über Energy Basel gesendet wird, wird also auch im Studio an der Münchensteinerstrasse produziert. So kann Energy Kosten sparen, sieht sich aber auch dem Vorwurf ausgesetzt, kein wirkliches Basler Radio zu sein.

Das Problem: Die aktuelle Messmethode stösst hier an seine Grenzen. Das gibt auch die Firma Mediapulse zu. Es ist nicht immer klar, ob man einen Energy-Hörer nun Basel, Zürich oder Bern zurechnen muss. Mediapulse schreibt: «Es kommt zwischen den drei Energy-Sendern zu einer leichten Reichweiten-Überhöhung.»

Ein paar hundert oder 10'000?

Wie gross diese «leichte Überhöhung» ist, darüber streiten sich nun Basilisk und Energy Basel. «Wir sprechen im Zweifelsfall von ein paar hundert Hörern, welche definitiv nicht relevant für das Gesamtergebnis sind», schreibt Dani Büchi, Verwaltungsrat von Energy Basel, auf Anfrage der bz. Radio-Basilisk-Programmleiter Moritz Conzelmann hingegen sagt: «Wir vermuten, dass die Zahlen von Energy um rund 10'000 Hörer zu hoch sein könnten.»

Der Ärger ist entsprechend gross bei Basilisk, aber auch bei Energy-Konkurrenten in anderen Städten. «Wir prüfen gemeinsam mit anderen betroffenen Sendern rechtliche Schritte gegen Mediapulse. Die Firma macht ihren Job nicht gut», sagt Conzelmann. Bei der angeschuldigten Mediapulse räumt man ein, dass das Messsystem verbessert werden muss. «Das geschieht aber nicht von heute auf morgen», sagt Sprecher Nico Gurtner. Von den angekündigten «rechtlichten Schritten» hat er gehört. Er will er sich aber erst äussern, «wenn tatsächlich etwas vorliegt».

Viele Nummer Einsen in Basel

Wie viel Inhalt genau bei Energy Basel von den Partnerradios kommt, sagt Dani Büchi nicht: «Energy Basel profitiert von den anderen beiden Sendern, produziert aber auch Inhalte für sie. Geben und Nehmen ist ausgeglichen.» Klar ist nur, dass die beiden Basler Privatradios einen aggressiven Verdrängungskampf führen. So nimmt Energy Basel für sich in Anspruch, bei der «werberelevanten Gruppe der 15- bis 49-Jährigen» die Nummer eins zu sein. Basilisk-Programmleiter Conzelmann erwidert: «Unsere werberelevante Zielgruppe ist 30 und älter. In dieser Kategorie sind wir deutlich die Nummer eins.» Überhaupt betont Conzelmann: «Betrachtet man nur unser Sendegebiet, sieht man sogar deutlich, dass wir die klare Nummer eins in Basel sind.» Zumindest das bestätigt auch die streitbare Messfirma Mediapulse.