Basler Wahlen

Zweiter Wahlgang: Der «volksferne» Dürr ist so gut wie gewählt

Siegerbier mit geballter Faust: FDP-Kandidat Baschi Dürr freut sich über seinen siebten Platz mit 17038 Stimmen.

Siegerbier mit geballter Faust: FDP-Kandidat Baschi Dürr freut sich über seinen siebten Platz mit 17038 Stimmen.

FDP-Kandidat Baschi Dürr distanziert Parteikollegen Haller – im zweiten Wahlgang hat er kaum Konkurrenz. Die SVP denkt über einen Rückzug ihrer Kandidaten nach. Auch GLP-Kandidat Ullmann wird kaum noch einmal antreten.

Volksfern, abgehoben und überambitioniert. So wurde der 35-jährige FDP-Kandidat Baschi Dürr im Wahlkampf von einigen Politbeobachtern bezeichnet, die dem älteren Parteikollegen Christophe Haller mehr Chancen ausrechneten. Sie haben sich geirrt. Dürr kommt beim Basler Stimmvolk sehr gut an: Mit über 17000 Stimmen übertrifft er Haller um gut 3500 Stimmen. Mit der Parole «Mehr Mut zur Freiheit» hat der liberale Dürr wohl auch bei einigen Linken gepunktet, die sich von Hallers frisch entdeckter Sicherheitspolitik weniger angesprochen fühlten. Wie erwartet hat aber auch Dürr als Siebtplatzierter das absolute Mehr um knapp 5000 Stimmen verfehlt. Trotzdem ist er als Nachfolger des abtretenden FDP-Sicherheitsdirektors Hanspeter Gass so gut wie gewählt.

Haller liess gestern offen, ob er im auf den 25. November angesetzten zweiten Wahlgang nochmals antritt. Er wartet die heutige Parteiversammlung ab. «Es ist logisch, dass wir nur mit einer Kandidatur in den zweiten Wahlgang gehen. Alles andere wäre Selbstmord», sagt FDP-Präsident Daniel Stolz. Das Wahlresultat spricht klar für Dürr.

Die GLP bleibt chancenlos

Die Konkurrenz der anderen Parteien muss der PR-Berater im zweiten Wahlgang nicht fürchten. Allgemein erwartet wurde, dass dann die Stunde des GLP-Kandidaten Emmanuel Ullmann schlägt. Mit einer allfälligen Unterstützung von SP und Grünen könnte ihm der Überraschungscoup gelingen. Dachte man. Doch Ullmann ist im ersten Wahlgang überraschend deutlich gescheitert: Mit knapp 5700 Stimmen bleibt er als Elftplatzierter chancenlos. «Offenbar steht aus Sicht vieler Stimmberechtigter der FDP der freie Sitz zu», sagt der enttäuschte 32-Jährige. Voraussichtlich tritt er für den zweiten Wahlgang nicht an. «Ohne Support von anderen Parteien wäre es hoffnungslos und somit schade um die Zeit und ums Geld», meint Ullmann. Mit Unterstützung kann er nicht rechnen. «Die Grünliberalen bleiben eine Newcomerpartei, die noch nicht in Basel verankert ist. Es gibt für uns keinen Grund, sie zu unterstützen», sagt SP-Präsident Martin Lüchinger.

Die SVP erwägt einen Rückzug

Von der SVP droht Dürr ebenfalls keine Gefahr: Die beiden SVP-Kandidaten schneiden ähnlich ab wie bei den letzten Regierungswahlen: respektabel, aber chancenlos. Am Dienstag entscheidet die Parteiversammlung, ob sie einen Kandidaten in den zweiten Wahlgang schickt. SVP-Chef Sebastian Frehner spricht von einem Zwiespalt. «Wir sind der FDP nichts schuldig, da sie im Wahlkampf nicht mit uns zusammenarbeiten wollte», meint er. Trotzdem kann er sich vorstellen, die Freisinnigen im zweiten Wahlgang zu unterstützen: «FDP und LDP sind die Parteien, die uns am nächsten stehen.» Das Abwägen des sonst stets angriffig politisierenden SVP-Strategen deutet darauf hin, dass ein Rückzug im zweiten Wahlgang die wahrscheinlichste Option darstellt.

Denkbar wäre, dass die in den Regierungswahlen triumphierende SP für den zweiten Wahlgang eine neue Kandidatin ins Spiel bringt. Angesichts der Glanzresultate der drei SP-Regierungsräte liegt ein Sitzgewinn im Bereich des Möglichen. «Diese Option sollten wir ernsthaft prüfen», meint SP-Nationalrat und alt Parteipräsident Beat Jans. Er selber steht nicht zur Verfügung: «Es müsste unbedingt eine Frau sein.»

Wohl keine neue SP-Kandidatin

Doch die meisten anderen SP-Exponenten raten von diesem Machtpoker ab. «Eher unwahrscheinlich» bezeichnet SP-Chef Martin Lüchinger eine zusätzliche Kandidatur. Dafür hätte seine Partei im Parlament deutlich zulegen müssen. Lüchinger hält es nicht für klug, die FDP aus der Regierung auszuschliessen: «Sie ist für uns bei einigen Themen eine wichtige Partnerin, zum Beispiel als wir gemeinsam die SVP-Sicherheitsinitiative bekämpft haben.»

Somit ist es sogar möglich, dass es mangels Herausforderer nicht einmal zu einem zweiten Wahlgang kommt und Dürr in stiller Wahl den freien FDP-Sitz erbt. Ums Regierungspräsidium wird aber auf jeden Fall gekämpft: Mit seinen knapp 12000 Stimmen hat Dürr bei dieser Wahl dafür gesorgt, dass Regierungspräsident Guy Morin das absolute Mehr um wenige Hundert Stimmen verfehlt hat. Mit seinen fast doppelt so vielen Stimmen muss sich Morin vor dem jungen Herausforderer am 25.November aber nicht fürchten. Ein Neuling, der gleich den Thron einnehmen will – hier trifft die Bezeichnung überambitioniert wohl doch aus Sicht vieler Wähler zu.

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