Die Geschichte des Breitequartiers beginnt mit der Gründung eines Klosters, das gar nicht in der Breite liegt: jenem zu St. Alban im Jahre 1089. Die Mönche trotzten der Landschaft rund um die Birsmündung immer mehr nutzbares Land ab. Langsam drängten sie die Auen zurück, legten Tümpel und Morast trocken und schufen so die beiden grossen Anbaugebiete «In den Lehenmatten» sowie «Gebreitin».

Doch, wie bei den meisten Basler Siedlungen ausserhalb der alten Stadtmauern, beginnt auch die Breite als eigentliches Quartier erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts wirklich zu wachsen. In dieser Zeit wurde auch der Grundstein für den bis heute anhaltenden Charakter als Arbeiterviertel gelegt.

Bis 1950 sah sich noch weit über die Hälfte der hier wohnhaften als «der Arbeiterklasse zugehörig». Sie schufteten in den Seidenbandfabriken oder in der Baubranche. Viele von ihnen waren auch Dienstboten in der Stadt, angefangen bei den grossen Herrenhäusern oberhalb des Hügels im Gellert. Daher stammt wohl auch der Übername «Bierfläschli-Gellert» für die Breite, der sich bei den Alteingesessenen bis heute gehalten hat.

Neue Formen des Wohnungsbaus

Der Trend in der Breite ging bald in Richtung von Arbeiterwohnungen und -häusern im kleinbürgerlichen Sinn. Viele der Arbeiter waren vergleichsweise besser gestellt als ihre Kollegen in anderen Industrien, die eher im Klybeck wohnten. Ab 1854 realisierte die GGG zusammen mit dem Architekten Johann Jakob Stehlin die Entwicklung von Arbeiterwohnungen, die die prekären Lebensverhältnisse der Arbeiter verbessern sollten. Damals entstanden die grossen Mietshäuser entlang der Zürcherstrasse und – in einer zweiten Phase – in den nach Burgen im Umland benannten Strassen hinunter zum Rhein.

Auf den Lehenmatten entstanden etwas später Einfamilienhäuschen entlang der Strassen, die Namen von heimischen Fischarten tragen: Karpfenweg, Hechtweg, Forellenweg. Auch hier versuchten die Grossindustriellen, ihre Arbeiter in möglichst bürgerlichen Verhältnissen anzusiedeln. Nicht nur uneigennützig, denn davon versprachen sie sich zufriedenere, politisch ruhigere und produktivere Arbeiter. Einige der Reihensiedlungen setzten auf ein simples System: Arbeiter, die sich an der Erbauung beteiligten, konnten die Häuschen zu günstigen Konditionen kaufen.

Wohnungen und Seelenheil

Ab den 1930er-Jahren kam eine weitere Bauform auf der Breite an: der genossenschaftliche Wohnungsbau. Den Anfang machte die Eisenbahnergenossenschaft mit ihrer Siedlung an der Birs, die schon bald erweitert werden musste. In diese Zeit der Erweiterung des Quartiers fällt auch ein erster Schub bei der Infrastruktur: So entstand 1937 beispielsweise die Don-Bosco-Kirche, benannt nach einem katholischen Heiligen, der den katholischen Arbeitern traditionell nahestand.

In den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt sich die Breite ihr Image vom Arbeiterquartier und es begann eine vermehrte Zuwanderung aus dem Ausland.

Heute zählt die Breite einen Ausländeranteil von 31,4 Prozent und liegt damit knapp unter dem gesamtstädtischen Durchschnitt. Den ruhigen Charme des «Büezer-Quartiers» hat sich der Winkel zwischen St. Alban-Teich-Promenade, Birs und Rhein erhalten, auch wenn hier mittlerweile 8800 Menschen auf einer Fläche wohnen, auf der vor 200 Jahren noch kein Haus stand.