Christoph Stutz war der erste. Der frühere CVP-Regierungsrat stellte Mitte der 1990er Jahre als Baudirektor einen eigenen Sprecher für sein Departement an. Zuvor hatte die Staatskanzlei die Anfragen an alle Regierungsmitglieder erledigt. Oder die Journalisten wussten – se non è vero, è ben trovato –, in welcher Beiz sie nach Feierabend ihre Ansprechpartner finden konnten.

Zurück zum Bau- und Verkehrsdepartement: Jahrelang war dort eine Person als Informationsbeauftragte angestellt. Seit Hans-Peter Wessels am Steuer sitzt, steigen die Zahlen stetig. Vor fünf Jahren waren im Staatskalender unter «Kommunikation» fünf Mitarbeiter aufgelistet. Mittlerweile sind es deren sieben, verteilt auf 520 Stellenprozente. Das BVD verfügt damit über die grösste Kommunikationsabteilung innerhalb der Verwaltung.
Dies unter anderem, weil das Thema Mitwirkung etwa der Quartierbevölkerung sehr viel Arbeit mit sich bringe, erklärt Jakob Gubler von der Staatskanzlei. Ausserdem werde vom BVD die Kommunikation zum Bahnknoten Basel inklusive Herzstück im Auftrag beider Basel abgedeckt.

Direkter Kontakt nimmt ab

Das Bau- und Verkehrsdepartementes steht exemplarisch für den immer grösseren werdenden Kommunikationsapparat der Verwaltung. Genaue Zahlen, wie sich die Abteilungen entwickelt haben, sind nur schwer zu erheben, «aber man darf davon ausgehen, dass heute tendenziell mehr Mitarbeitende mit Kommunikationsaufgaben betraut sind als noch vor zehn Jahren», sagt auch Gubler. Dies vor allem deshalb, weil in dem Zeitraum Social Media als neuer Kommunikationskanal dazugekommen und die Ansprüche der Medien auch im Zusammenhang mit dem Öffentlichkeitsprinzip gestiegen seien.

Das zeigt sich auch am Beispiel der Staatskanzlei selber. Im Staatskalender waren vor zehn Jahren ein Informationsbeauftragter plus Stellvertreter eingetragen. Beide arbeiten noch heute an der gleichen Stelle – mittlerweile aber mit einem mittelgrossen Team im Rücken, unter anderem Zuständige für Social Media und e-Kommunikation.

Ein weiteres auffälliges Beispiel ist das Präsidialdepartement: Wer dort eine Anfrage hat, wendet sich an die Sprecherin. Gleichzeitig leistet sich die Unterabteilung Aussenbeziehungen und Standortmarketing zwei eigene Kommunikationsverantwortliche. Ebenso die Abteilung Kultur. Die Stelle ist vakant. Zuständig ist der oder die Neue unter anderem für die Dachkommunikation für die Museen und die Museumsnacht. Dies, obwohl auch die fünf staatlichen Museen ebenfalls jeweils eigene Kommunikationsverantwortliche angestellt haben.

Keine speziellen Pressesprecher haben mittlerweile nur noch das Finanzdepartement und das Departement für Wirtschaft, Soziales und Umwelt. Dort werden die Medienanfragen vom Generalsekretariat bearbeitet. Die Antworten kommen oft direkt von Finanzdirektorin Eva Herzog oder WSU-Vorsteher Christoph Brutschin.

Ungleichgewicht entsteht

Mit dem Ausbau der Kommunikationsabteilungen geht auch eine Professionalisierung einher. Die Erreichbarkeit hat sich deutlich verbessert, Fragen werden meist prompt beantwortet. Die Kehrseite: Der direkte Kontakt zwischen Medien und Verwaltung ging deutlich zurück.

Heutzutage wird kein Zitat eines Kantonsmitarbeiters mehr gedruckt, dass nicht zuvor von der Medienabteilung kontrollgelesen wurde. Immer öfters werden Fragen nur schriftlich beantwortet, Interviews teilweise bis zur Unleserlichkeit umgeschrieben, Umgangssprache mit Beamtensprech ersetzt. Das BVD hat mittlerweile eine eigene Internetseite, auf der Medienberichte kommentiert werden. Immer fliessender wird die Grenze zwischen Information und Propaganda.

In den vergangenen Jahren hat sich die Medienlandschaft auf dem Platz Basel stark diversifiziert. Gratiszeitungen und Onlineportale sind dazu gekommen. Gleichzeitig stecken die traditionell Zeitungen seit Jahren in der Krise und mussten allesamt harte Spar- und Abbaumassnahmen über sich ergehen lassen.

Nur wenige können sich noch den Luxus leisten, Journalisten mit thematischen Schwerpunkten zu beschäftigen. Zugespitzt ausgedrückt: Je kleiner die Redaktionen, desto öfter wird aus Effizienzgründen oftmals ungefragt übernommen, was vorgesetzt wird. Diese Tendenz zu Allroundern in den Medien verstärkt das Ungleichgewicht, das durch die wachsenden Kommunikationsabteilungen entsteht.