Auf einem Spaziergang durch die Naherholungsgebiete im Raum Basel fällt aufmerksamen Basler etwas Ungewöhnliches auf: Zwischen Nadel- und Laubbäumen wachsen Tessiner Palmen, sogenannte Chinesische Hanfpalmen. Die Palmensprösslinge sind nicht die einzigen Exoten in unseren Wäldern: Das Drüsige Springkraut, der Staudenknöterich oder der Kirschlorbeer wuchern unkontrolliert.

«20 Prozent aller Pflanzenarten in den Wäldern der Region Basel sind nicht einheimisch», sagt Bruno Baur, Professor am Institut für Natur-, Landschafts- und Umweltschutz (NLU) der Universität Basel. Das sei ein grosses Problem. Es gebe verschiedene Gründe dafür: Erstens verbreiten sich die Samen der exotischen Pflanzen rasant. Wenn ein Gärtner nahe eines Waldrandes Palmen bei seinem Haus einpflanzt, gelangen deren Samen in den Wald. Ein zweiter Grund sind die Beeren des Kirschlorbeers, die von den Vögeln gefressen werden und schliesslich durch den Kot in den Wald gebracht werden. Drittens wird oftmals Grüngut im Wald entsorgt. Aus kleinen Wurzelstücken können neue Stauden entstehen, die Zierpflanzen etablieren und vermehren sich dann im Wald. Auf diese Weise gelangte die Hanfpalme, die gerne als Zierbaum in Gärten gepflanzt wird, in den Wald beim Bruderholz.

Erdrutsche wegen Neophyten

Pflanzen, die ursprünglich von einem anderen Kontinent stammen und hierher gebracht wurden, heissen in der Fachsprache Neophyten. Viele seien lebensnotwendig für uns. So ernähren wir uns seit vielen hundert Jahren von Kartoffeln und Reis, obwohl beides nicht von hier stammt. «Ein Teil der Neophyten wird invasiv. Diese Arten sind problematisch und können grosse Schäden anrichten», sagt Baur. Einige Schäden erfährt der ahnungslose Waldspaziergänger am eigenen Leib: Ambrosia beispielsweise löst Allergien aus, die Riesenbärenklaue führt bei Berührung zu Verbrennungen. Das Springkraut hingegen verursacht Probleme, die der Spaziergänger auf den ersten Blick nicht erkennen kann: Die giftigen Stoffe, die die Pflanze produziert, reduzieren die Bodenpilze. Das führt dazu, dass junge Bäume langsamer und reduzierter wachsen. «Die Menschen profitieren von den Wäldern», sagt Baur. Nicht nur die Sauerstoffproduktion sei wichtig, auch für die Hangstabilität sind die einheimischen Pflanzen zentral. «Die exotischen Arten können den Hang weniger vor Erosion schützen», doziert der Professor. Auswirkungen davon sind Erdrutsche, die grossen Schaden im Wald und auch in den naheliegenden Dörfern anrichten.

Baur will dem Problem mit Verboten zu Leibe rücken: Zuerst müsse dafür gesorgt werden, dass kein Grüngut mehr im Wald deponiert würde. Zweitens will er Regeln für die Anwohner der Wälder: «In den Gärten an den Waldrändern sollten keine exotischen Pflanzen, die invasiv werden können, mehr wachsen.» Die ultimative Lösung sei aber folgende: «Es muss durchgesetzt werden, dass die Gärtnereien keine solchen invasiven Pflanzen mehr verkaufen dürfen.» Der Handel damit sei lukrativ, deshalb würden auch laufend neue Exoten importiert werden. Ein weiterer Lösungsansatz von Baur betrifft die Gemeinden: Diese sollen jährlich alles nach schädlichen Neophyten absuchen und die nicht einheimischen Pflanzen entfernen, auf die Kosten des Steuerzahlers.

Um die Wälder kümmert sich das Amt für Wald beider Basel. Allerdings gestaltet sich die Arbeit schwierig, wie Ueli Meier, Kantonsforstingenieur, erzählt: «Wir haben nicht genügend Personal und es fehlen uns die notwendigen finanziellen Mittel.» Die Forstbetriebe würden sich in Zusammenarbeit mit den Gemeinden bemühen, über den Einsatz von Freiwilligen zu Verminderung des Problems beizutragen. Die Stadtgärtnerei sorgt für die Entfernung der schädlichen Neophyten ausserhalb des Waldes: «Wir kümmern uns um rund 280 Hektaren und versuchen, so gut und rigoros wie möglich, die schädlichen Pflanzen zu beseitigen», erklärt Emanuel Trueb, Leiter der Stadtgärtnerei Basel.