FC Basel

Zwischen Studenten und Fussballern - Die Welt von «Gusti» Nussbaumer

Gustav Nussbaumer, Teammanager des FC Basel, auf dem Dach des Architektur-Traktes auf dem ETH-Campus Hönggerberg. Chris Iseli

Gustav Nussbaumer, Teammanager des FC Basel, auf dem Dach des Architektur-Traktes auf dem ETH-Campus Hönggerberg. Chris Iseli

Ein Besuch bei Gustav Nussbaumer auf dem ETH-Campus Hönggerberg gibt Einblick in die Welt des langjährigen FCB-Teammanagers. Seine zwei Welten - die eine im Fussbal, die andere an der ETH - bringt «Gusti» ohne Probleme zusammen.

Wir bringen Gustav Nussbaumer um die Mittagspause. Eiligen Schrittes kommt er aus dem Prüfungszimmer, begrüsst uns und sagt: «Ich komme gleich, muss noch schnell mit meinen Kollegen die Noten besprechen.»

Wir befinden uns auf dem ETH-Campus Hönggerberg in Zürich, wo der Dozent am Institut für Raum- und Landschaftsentwicklung dieser Tage mündliche Prüfungen der Studenten abnimmt. Ein wahrer Marathon: 150 Mal eine halbe Stunde, in zehn Tagen.

Ein klaustrophobisches Gefühl

Zehn Minuten später sitzen wir in Nussbaumers Büro. Es ist eng hier. An der Wand hängen Plakate von Meisterfeiern und zwei Baseball-Caps mit FCB-Logo. Weiter rechts beäugt uns von einem Poster ein riesiger Tigerkopf. Auf dem Schreibtisch stehen unzählige Spielfigürchen, wohl aus Überraschungseiern. Für das klaustrophobische Gefühl sorgen aber die unzähligen Ordner, Bücher und Mäppchen, die jede noch so kleine Ecke ausfüllen. «Das sammelt sich so an mit der Zeit», sagt Nussbaumer und fügt an: «Mir gefällts hier.»

So gut, dass er in seinem Büro an der ETH auch Dinge für seinen zweiten Job, jenen des Teammanagers beim FC Basel, regelt. Trainingslager buchen, Anreisen organisieren oder Testspiele abmachen. Dies ist nur ein kleiner Auszug aus dem aktuellen Pflichtenheft von Nussbaumer.

Aktuell, weil «Gusti», wie ihn die Menschen in Basel nur rufen, auch schon Spieler, Juniorentrainer und Sportchef war. «Ich kenne den Verein in- und auswendig. Viel hat sich seit meinem Eintritt 1968 verändert, viel ist aber immer noch gleich.» In den Vordergrund gedrängt, die Lobeshymnen für sich eingeheimst, das hat er nie. «Ich brauche nicht jeden Tag zu hören, wie toll ich bin», sagt er. «Es gab Zeiten», erzählt er lächelnd, mit dem Blick gen die Zimmerdecke, «da war ich froh, im Hintergrund zu sein.»

Filter und Bindeglied

Als der frühere Präsident René C. Jäggi ihm 2002 Oliver Kreuzer vor die Nase setzte, hatte er kein Problem damit. Vielleicht, so der naheliegende Gedanke, ahnte er, dass es mit dem Deutschen nicht klappen würde. Kreuzer zerstritt sich drei Jahre später mit Trainer Gross und Gigi Oeri, Nussbaumer war wieder alleiniger Teammanager.

Ein Job, der laut des 59-Jährigen mehr beinhaltet als administrative Büroarbeit. «Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Sportlern und dem Rest des Klubs.» Er ist der Filter für alle Anfragen, die von aussen eingehen. Alle zu erfüllen, sei fast nicht möglich. Was wichtig sei, das könne er heute dank seiner langen Erfahrung abschätzen.

Zweites Standbein

Nussbaumer ist aber auch derjenige, der in aller Herrgottsfrühe Zeitungen und Früchte in die Kabine legt, der für neue Spieler auf Wohnungssuche geht oder Tickets für die Angehörigen und Freunde der Akteure besorgt. Und, das sei ganz wichtig, «ich setze immer wieder Reizpunkte». Momentan habe man ein gutes Gebilde, die passende Mischung von erfahrenen Spielern und jungen, die einfach nur Fussball spielen wollen. «Es herrscht grosse Harmonie, trotzdem finde ich es wichtig, die Spieler mit frechen Sprüchen immer mal wieder zu kitzeln.»

«Das Wichtigste», sagt er mit nervösem Blick auf die Uhr, «ist Loyalität.» Oft suchen Spieler oder Trainer Gustav Nussbaumer auf, wenn ein Problem vorliegt. «Ich nehme ihr Anliegen auf und leite es weiter. Aber so, dass die Quelle anonym bleibt.»

Bevor er wieder ins Prüfungszimmer nebenan verschwindet, wollen wir noch wissen, warum er sich das tägliche Pendeln zwischen Basel und Zürich antut und nicht nur für den FC Basel arbeitet. «Ich richte zwar mein Leben nach dem FCB, meine einzigen Ferien sind zwischen Weihnacht und Neujahr. Aber ich wollte immer ein zweites Standbein. Was, wenn sie mich in Basel plötzlich nicht mehr wollen?» Eine unrealistische Vorstellung, aber Nussbaumer ist nicht allein, wenn er sagt: «Im Fussball ist alles möglich.»

Meistgesehen

Artboard 1