Basler Fasnacht

Zwischen Weltschmerz und Widerstand: Das war der (eigentlich abgesagte) Basler Morgestraich 2020

Die Basler Fasnacht 2020 ist abgesagt. Dennoch ist mit Aktivitäten am Morgestraich zu rechnen. Wir sind dabei, wenns am Mäntigmorge vieri schloot – und berichten vom ersten Nicht-Morgestraich seit langer, langer Zeit.

Also fand statt, was nicht hätte stattfinden sollen. Der Morgestraich 2020 war ein Erlebnis der besonderen Güte: Auf dem Weg in die Innenstadt gähnende Leere, doch sobald man in den Spalenberg einbog, kamen sie. Zuschauer, verdeckte Fasnächtler, offen verkleidete Fasnächtler, hier einer mit Kerze, dort eine mit Piccolo und tatsächlich ein paar mit Trommeln.

Die Lichter: Sie brannten, wie es von der Regierung angesagt wurde. Als es aber vier Uhr schlug, als alle bereit standen und sich die Zeit geben liessen, dann ging es los. Man hörte ihn, den «Morgestraich, vorwärts, Marsch!». Und von überall klangen aus irgendwelchen Ecken die Piccolos und die Trommeln.

Wenige kostümierte Fasnächtler an abgesagtem Basler Morgenstreich

Viele Leute, aber wenige kostümierte Fasnächtler an abgesagtem Basler Morgestraich

  

Zwischen Weltschmerz und Widerstand

Längst nicht alle hatten den Mut, zwischen Weltschmerz und Widerstand auch noch zum lauten Instrument zu greifen. Die gut über 2000 Personen – ein Bruchteil dessen, was sich normalerweise am Morgenstreich in Basel einfinden – präsentierten sich kreativ, um die Ruhestörung, die sie zu begehen gedachten, auf einem tiefen Niveau zu halten. Blockflöten wurden statt Piccolos verwendet. Und man sang. Die singenden Ziigli waren am Schluss in der Mehrzahl. Dabei stach das Virenziigli hervor: Als Corona-Erreger verkleidet sangen sie im Chor «Es isch jo gar kei Fasnacht, kei Fasnacht, kei Fasnacht, es isch jo gar kei Fasnacht und mir sin alli do».

Der Morgestraich 2020, der abgesagte, unterbundene und durch das Lichtanlassen von offizieller Hand seiner Symbolik beraubte, setzte sich durch. Ein bisschen depressiv war es schon, wenn man den Anwesenden zuschaute. Am Spalenberg brach eine Frau in Tränen aus. Der durch behördliche Weisung im Namen der Epidemie-Prävention gemeuchelte Morgestraich war ihr zu viel.

Jubel für die Mutigen, Polizei präsent und ziemlich kulant

Etwas weiter unten, an der Ecke Rümelinsplatz, sagte eine andere: «Das isch jo gar kei richtige Morgestraich meh, dasch doch e Seich.» Wer sich Richtung Marktplatz bewegte, wurde entsprechend überrascht: Da standen Hunderte in Zivil, in Kostüm und einige in Uniform. Die Polizei zeigte sich kulant – und wenig motiviert, etwelche Fasnächtler anzuhalten. Klar, man tat seinen Dienst, suchte hie und da das Gespräch. Doch es blieb weitgehend kollegial.

Zwischendurch aber immer wieder Hühnerhaut. Wie um kurz vor fünf Uhr. Von der Schneidergasse her ziehen vier Kostümierte den Spalenberg hoch, sie spielen den Whisky auf Trommel und Piccolo. Und hinterher trottete, es lief einem kalt und warm den Rücken runter, ein Nachtrab von rund 200 Personen. Singend, bedächtig und bejubelt von denen, die am Strassenrand Spalier standen.

«E Fruschtfasnacht git das!»

Es gibt sie also doch, die Basler Fasnacht 2020. Viel kleiner halt, halbherzig die regierungsrätliche und bundesrätliche Absage berücksichtigend, die sich vielen Aktiven noch immer nicht so ganz erschliesst. Ein bisschen macht man sich lustig drüber – wie die zwei roten Waggis, die jedem die Hände desinfizieren wollten –, man ist aber auch traurig. «E Fruschtfasnacht git das», sagte eine ältere Aktive im Kostüm vor einem geschmückten Schaufenster: «E richtigi Fruschtfasnacht!»

Um 5 Uhr öffneten am Montagmorgen, 2. März 2020, die ersten Basler Beizen, darunter das Restaurant Löwenzorn. Von da an waren die Strassen wieder leergefegt. Ein kalter Wind zog durch die Gassen, die im Freien Verbliebenen scharten sich um Hauseingänge. So hat die Basler Fasnacht 2020, die es gar nicht gibt, begonnen: Bei perfektem Wetter, um die 5 Grad Celsius, und mit dem Brechen eines Verbots – oder gleich mehrerer –, wie es zu den Ursprungszeiten des Morgestraichs schon war.

Morgestraich 2020 – was nicht stattfinden sollte

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