Die «Karawanserei» macht den Anfang. Die Baubewilligung für das Zwischennutzungsprojekt am Basler Klybeckquai ist abgelaufen, nun soll sie bis zum 31. Dezember 2023 verlängert werden. Die lange Bewilligungsdauer überrascht. Denn nach bisheriger offizieller Lesart endet die alternative Nutzung des Kleinbasler Rheinbords bereits Ende 2019.

Roland Frank, zuständiger Kantons- und Stadtentwickler im Basler Präsidialdepartement, bestätigt auf Anfrage: «Dem Trägerverein I-Land wird für die zwischengenutzten Parzellen auf der Promenade eine Vertragsverlängerung bis 2023 in Aussicht gestellt.» Der Aussichtsturm Karawanserei wie auch die «Landestelle» könnten demnach länger betrieben werden als gedacht.

Vorausgesetzt ist jedoch nicht nur eine gültige Baubewilligung, sondern auch ein neuer Nutzungsvertrag. Ein solcher liegt jedoch noch nicht vor. Erst nach den Sommerferien werden die entsprechenden Verhandlungen aufgenommen. Dies erklären gleichermassen David Hoffmann, dessen Trägerverein I-Land den nördlichen Teil des Areals (ex-Esso) bewirtschaftet, wie Katja Reichenstein, deren Verein Shiftmode das südliche Areal (ex-Migrol) betreut. Denn auch deren Zwischennutzung soll in die Verlängerung gehen können.

Dass nun wieder Bewegung in die Verhandlungen kommt, hat mit einer Grundsatzvereinbarung zwischen dem Kanton Basel-Stadt und den Schweizerischen Rheinhäfen (SRH) zu tun. Das achtseitige Papier, das in zweijähriger Arbeit ausgehandelt, im Mai von den Verhandlungspartnern verabschiedet und vergangene Woche publiziert worden ist, legt die Entwicklungsstrategie und «das gemeinsame Zielbild der Hafen- und Stadtentwicklung» fest.

Voraussetzung Hafenbecken 3

Dreh- und Angelpunkt der angedachten Transformation von Teilen des Hafengebietes ist, wie rasch der Neubau des Containerterminals Gateway Basel Nord sowie das neue Hafenbecken 3 realisiert werden können. Angestrebt ist gemäss dieser Grundsatzvereinbarung, dass der Containerterminal bereits in zwei Jahren in Betrieb genommen werden kann. Der Bund hat dafür Anfang Woche eine Finanzierungshilfe in Höhe von 83 Millionen Franken versprochen. Das dritte Hafenbecken soll dann drei Jahre später fertig sein.

An die Entwicklungsschritte des Hafens ist die städtebauliche Entwicklung gekoppelt. Für Pilotparzellen am Klybeckquai und im Dreiländereck soll bereits 2020 ein Bebauungsplan vorliegen. Ein ehrgeiziger Fahrplan.

Problem Hafenbahn

Dass den Zwischennutzern länger Zeit gewährt wird, hängt vor allem mit der heutigen Hafenbahn zusammen, deren Gleisfeld bis weit in die Klybeckinsel greift. Es gilt: Ohne Gleisanschluss ist keine Hafenwirtschaft möglich. Wie jedoch der Gleisanschluss künftig aussehen wird, ist noch nicht beschlossen und wird lediglich als Varianten dargestellt. Die Vereinbarung hält neutral fest: «Die Weiterentwicklung der Hafenbahn ist eine Voraussetzung für die städtebauliche Entwicklung am Altrheinweg und auf Teilen des Klybeckquais.» Anders gesagt: Ohne aufwendige Verlegung der Hafenbahn bleibt die Stadtentwicklung reine Zukunftsmusik.

Die Zwischennutzer sind grundsätzlich erfreut, dass der Kanton nun grundsätzlich eine Verlängerung ihrer Projekte bis ins Jahr 2023 verspricht und auch rasch in Vertragsverhandlungen treten will. Sie erhalten damit die längerfristige Perspektive, die sie eigentlich schon bei ihrem Start angestrebt hatten.

Katja Reichenstein vom Verein Shiftmode will sich jedoch nicht mit einer blossen Vertragsverlängerung begnügen. Sie sagt: «Wir wollen auch bessere Konditionen.» Nicht Geld will Shiftmode vom Kanton, sondern dass dieser stärker in die Verantwortung für die Zwischennutzungen eingebunden wird. Heute würden die Trägervereine für alle Vorfälle verantwortlich gemacht, die in den öffentlichen Zonen geschehen. Egal, ob diese an einer von ihnen verantworteten Veranstaltung geschehen oder an einer wilden Veranstaltung. «Die Verantwortung im öffentlichen Raum unterliegt dem Kanton und nicht einer privaten Körperschaft», sagt Reichenstein.