Das Haus stand lange leer und man sieht es ihm an. Die Namen auf den Klingelschildern gehören längst nicht mehr hierher, hinter den Fensterscheiben regt sich nichts. Doch ab Januar soll neues Leben in die Liegenschaft an der Solothurnerstrasse 4 in Basel einziehen. Zumindest für die nächsten vier Jahre, dann wird das Haus abgerissen.

Bis November 2016 ist der neu gegründete Verein Flatterschafft Mieter. Der Verein möchte in der Liegenschaft die Arbeitsplätze von Kulturschaffenden aller Sparten unterbringen. Geplant ist auf den 1500 Quadratmetern ein Atelierhaus mit Arbeitsplätzen, Werkstätten, einem Vereinslokal und einem Projektraum, in dem Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden können, wie Flatterschafft-Geschäftsleiter Steven Schoch sagt. Offen ist, ob es auch ein Café geben wird.

Zurzeit sucht der Verein Flatterschafft Untermieter. Die Ateliers sind seit kurzem auf der Internet-Plattform Facebook ausgeschrieben. Laut Schoch rechnet man mit rund dreissig Mieterinnen und Mietern und achtet bei der Auswahl darauf, dass die Kulturschaffenden wenn möglich über eine «Infrastruktur» verfügen, welche innerhalb der Ateliergemeinschaft geteilt werden kann. Gemeint sind zum Beispiel Werkzeuge oder technische Geräte, aber auch fachliches Wissen und Netzwerke.

Die ersten Mieter sollen zu Beginn des kommenden Jahres einziehen, die erste Veranstaltung im Projektraum ist für Mai 2013 geplant, die offizielle Eröffnung des Hauses für September 2013.

Hauseigentümerin sind die SBB. Das Gebäude grenzt an den Zugang zum Bahnhof und wird für ein zusätzliches Gleis abgerissen. Um die im Jahr 2010 angekaufte Liegenschaft vermieten zu können, haben die SBB 200000 Franken investiert – und vermeiden damit eine mögliche Hausbesetzung. Flatterschafft sei unter mehreren Interessenten gewählt worden, weil das Projekt «am meisten überzeugt» habe, sagt SBB-Sprecher Reto Schärli. Zu welchen Konditionen das Haus vermietet wird, gibt der Konzern nicht bekannt. Schärli: «Es ist kein Renditeobjekt, aber wir legen auch nicht drauf.»

Flatterschafft nennt im Konzept für potenzielle Mieter einen Richtpreis von neun Franken pro Quadratmeter und Monat, behält sich jedoch Änderungen vor. Finanzieren will der Verein das Atelierhaus über Mieteinnahmen und über Beiträge von Stiftungen. Die Jacqueline- Spengler-Stiftung, verwaltet von der Christoph-Merian-Stiftung, hat laut Schoch einen Beitrag zugesichert, weitere Gesuche seien noch offen.

Dass flatterschafft einziehen kann, steht erst seit kurzem definitiv fest: Der vom Verein unterzeichnete Mietvertrag ist laut SBB-Mediensprecherin Lea Meyer vergangene Woche eingetroffen. «Unsere Gegenzeichnung folgt im November.»

Flatterschafft-Geschäftsführer Steven Schoch ist selbst Künstler. Der 25-jährige gelernte Dekorationsgestalter hat seine Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung und Kunst (HGK) dieses Jahr abgeschlossen. Im Vereinsvorstand sitzen ausserdem die in Slowenien aufgewachsene Sanja Lukanovic (29) und Adrian Bünzli (26) aus Herisau, beide ebenfalls an der HGK ausgebildet. Sanja Lukanovic arbeitet als Leiterin der Kunstvermittlung in der Kunsthalle Basel.

Teil des Ausstellungsprogramms soll laut Flatterschafft-Konzept sein, Einblicke in die Entwicklung von Ausstellungen oder in die Arbeit von Künstlern zu ermöglichen. Ähnliches strebt im Bereich Design bereits das Projekt Depot Basel an – dessen Mietvertrag auf der Erlenmatte Ende Jahr ausläuft. Eine Kooperation ist laut Laura Pregger vom Depot Basel noch nicht konkret diskutiert worden, aber auch nicht ausgeschlossen.

Eine andere Möglichkeit zur Vernetzung bietet sich für Flatterschafft gleich nebenan: Unmittelbarer Nachbar ist mit der Imprimerie Basel eine «Werkststätte für Künste und Wissenschaften».