Euro-Airport

Zwist um das französische Arbeitsrecht gefährdet den Easyjet-Standort

Fliegen die 250 Basler Easyjet-Arbeitsplätze bald nach Berlin oder Madrid?  Archiv Kenneth Nars

Fliegen die 250 Basler Easyjet-Arbeitsplätze bald nach Berlin oder Madrid? Archiv Kenneth Nars

Die Billigfluggesellschaft Easyjet wird den Euro-Airport Basel-Mulhouse-Freiburg (EAP) verlassen und 250 Arbeitsplätze mitnehmen. Easyjet ist eine von dreizehn Firmen, die laut einer Umfrage den Standort unter diesen Bedingungen verlassen würden.

Dies kündigte es zumindest Lobbyist Bernd Menzinger von der Handelskammer beider Basel (HKBB) am Donnerstag in der «Basler Zeitung» an, sollten die schweizerischen Unternehmen ihre Mitarbeiter in Zukunft nach arbeitnehmerfreundlichem französischem statt arbeitgeberfreundlichem schweizerischem Recht beschäftigen müssen. Menzinger vertritt schweizerische Unternehmen am EAP in der Koordinationsplattform «Secteur Suisse».

Easyjet ist eine von dreizehn Firmen, die laut einer Umfrage der HKBB den Standort Basel unter diesen Bedingungen verlassen würden. An der Umfrage nahmen 35 Unternehmen mit knapp 4300 Arbeitsplätzen und 1,1 Milliarden Franken Umsatz teil.

Sprecher Thomas Haagensen bestätigt auf Anfrage lediglich, dass es für Easyjet «nicht positiv» wäre, würden sich Frankreich und die Schweiz auf französisches Arbeitsrecht einigen: «Die französischen Arbeitsplätze würden Druck auf das Unternehmen ausüben.» Die Fluggesellschaft setze aber auf die laufenden Verhandlungen: Es sei «noch keine Zeit für Drohungen». Vielmehr setze Easyjet die Hoffnungen auf eine einvernehmliche Lösung. Denn: «Basel ist ein sehr, sehr wichtiger Standort für uns.»

150 Millionen Franken investiert

In den vergangenen anderthalb Jahren habe Easyjet 150 Millionen Franken in die Plattform Basel-Mulhouse investiert; die Basler Flotte werde im kommenden Dezember auf sieben Flugzeuge erweitert. Wie viele französische Mitarbeiter Easyjet am EAP hat, will Haagensen jedoch nicht sagen. Auch die Auswirkungen auf die Flugverbindungen, sollte Basel als Plattform aufgegeben werden, sind unklar. Haagensen vermutet jedoch, dass Verbindungen wie Basel–Madrid oder Basel–Berlin dann von Madrid beziehungsweise Berlin aus geflogen würden.

Ausser Easyjet und Airberlin sind nur schweizerische Fluggesellschaften am EAP stationiert. Laut Menzinger wären jedoch auch viele Speditionen und Dienstleistungsunternehmen betroffen. Tatsächlich beschäftigt die gegenwärtige Situation den Schweizer Flugzeugdienstleister Jet Aviation nach Auskunft des Sprechers Heinz Aebi sehr.

Jet Aviation arbeite sehr eng mit der HKBB zusammen, «damit die Schweiz und Frankreich eine Lösung finden, welche allen ansässigen Schweizer Betrieben im Schweizer Sektor des Euro-Airport erlaubt, weiterhin Schweizer Arbeitsrecht anzuwenden». Jet Aviation habe sich intern mit möglichen Szenarien beschäftigt. Über einschlägige Konsequenzen will Aebi aber keine Angaben machen.

Martin Hächler, Manager bei TNT Schweiz, hat ein «grundsätzliches Problem» mit der rechtlich unsicheren Situation. «Das französische Arbeitsrecht bedeutete schon wahnsinnige finanzielle Konsequenzen», gesteht er. Welche das wären, könne TNT aber erst sagen, wenn eine Entscheidung gefallen wäre: «Dann müssen wir nochmals über die Bücher.» Auch DHL Schweiz könne «noch keine sinnvollen Aussagen» betreffend Arbeitsplätze machen, solange die Gespräche im Gang sind, teilt Sprecher Michael Jutzi mit.

Binationalität wichtig für EAP

Als einziges jener Unternehmen, die gestern erreichbar waren, will sich Uwe Paukner von Air Service Basel festlegen lassen: «Wir haben keine Intentionen wegzugehen.» Air Service Basel hat 20 Arbeitsplätze am EAP. Der Flughafen selbst hält sich aus den Verhandlungen raus. Pressesprecherin Vivienne Gaskell will nicht spekulieren und sagt offiziell lediglich, dass sich der Euro-Airport für seine Binationalität einsetzen werde.

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