Es war das Schaulaufen der Komiker und Witzbolde im humormässig, sagen wir mal, sonst etwas limitierten Baselbieter Parlament. Der erste Preis, der Goldene Paragrafenschlüssel, geht an . . . Marc Schinzel, FDP Binningen: Der Doktor der Juristerei enthüllt erstmals öffentlich, wie er für seine Schwester einst verbotenerweise einen Schulvortrag über den französischen Sozialistenführer Jean Jaurès geschrieben hat, diese dafür eine 6 minus kassierte, aber bei der anschliessenden Befragung durch den Lehrer plötzlich nicht mehr all zu viel über Jaurès’ Leben zu erzählen wusste; deshalb das «Minus» hinter der Note. Eine heimliche Vorliebe für das Schwenken der Roten Fahne habe Schinzel trotzdem nicht, und das Ganze sei «längst verjährt».

Schallendes Gelächter.

Zweiter Preis, den Silbernen Mikrofonknopf, bekommt . . . Hannes Schweizer, SP Oberdorf: Der alt Bio-Landwirt, Dauersozialist und Noch-Spielertrainer des FC Landrat klärt über die wahre Bedeutung des 1. Mai im Baselbiet auf. Dieser ist wegen des Frühjahrsschwingets in Oberdorf der heilige Tag der freundeidgenössischen Schwingerszene (und er dort ein freiwilliger Helfer) und darum unantastbar.

Schallendes Gelächter.

Dritter Preis, die Bronzene Abstimmungsanzeige, kriegt . . . Hans-Jürgen Ringgenberg, SVP Therwil: Der gestandene Finanzpolitiker und sonst besonders unauffälliges Mitglied der Humorfraktion glänzt mit der kurzen Erklärung, dass er sich zu Beginn seiner politischen Karriere nie und nimmer hätte erträumen lassen, einmal im Parlament den ursozialistischen 1. Mai verteidigen zu müssen.

Schallendes Gelächter.

Einen Anerkennungspreis verdient sich schliesslich Andrea Heger, EVP Hölstein: Sie versucht bei solch erdrückender Konkurrenz gar nicht erst lustig zu sein.

Klassenkampf ist Vergangenheit

Dann wäre da der Urheber dieser allgemeinen Erheiterung im 90-köpfigen Parlament: FDP-Landrat Balz Stückelberger, Arlesheim. Er, und nicht etwa seine Fraktion, wie er betont, hat per Gesetzesmotion gefordert, den 1. Mai aus der Liste der gesetzlichen Feiertage im Kanton Basel-Landschaft zu streichen. Der Geschäftsführer des Arbeitgeberverbandes der Banken verfügt über ein genügend ausgeprägtes politisches Sensorium, um zu wissen, dass sein Vorstoss im Landrat gnadenlos versenkt werden wird; was dann mit 58:18 Stimmen tatsächlich passiert. Dass er damit aber die Stunde der Komödianten an einem langen, langen Parlamentstag samt Abendsitzung einläutet, dürfte auch ihn überraschen.

Wenn es um den blossen Austausch der Argumente geht, sind diese nämlich rasch dargelegt. Als Verantwortlicher für Fragen der Sozialpartnerschaft sei Stückelberger froh darum, dass die Zeit der Klassenkämpfe vorbei ist, und die Arbeiterschaft heute mehr als bloss einen Tag im Jahr zur Verfügung hat, ihre Argumente darzulegen. Nur sechs Kantone würden den 1. Mai als ganzen Feiertag begehen. Er wolle niemandem etwas wegnehmen. Von ihm aus könne jeder andere Tag zum Feiertag gemacht werden. Aber dem geschichtlich überholten 1. Mai weiterhin die gleiche Bedeutung zu kommen zu lassen wie dem Weihnachtstag, sei nun wirklich nicht mehr angebracht.

Die Gegner, und das sind fast alle anderen, entgegnen, dass sich die Bevölkerung längst an diesen fixen Feiertag gewöhnt hat und ihr der historische Kontext mehrheitlich egal sei. Auch andere Feiertage würden nicht mehr dafür stehen, wofür sie einst eingeführt worden sind. Die Regierung lässt wissen, dass die knappen Kantonsressourcen nicht damit verschwendet werden sollten, jetzt nach einem Ersatzfeiertag zu suchen. Eine Variante bringt – erfolglos – Stückelbergers Oberwiler Parteikollege Paul Hofer ins Spiel: Wie einst unter Maggie Thatcher soll der erste Montag im Mai zum fixen Feiertag werden.

Einsame Spassbremse

Moment mal. Fast hätten wir Rolf Richterich vergessen, FDP Laufen. Er ist der überzeugende Gewinner in der Kategorie der einsamen Spassbremse. Während sich der Landrat noch vor Lachen kugelt, packt den Fraktionschef der Liberalen die kalte Wut. Wenn er dieser Kalauerei zuhöre, werde ihm um die Zukunft des Landkantons angst und bange. Buhrufe und Kopfschütteln. Nein, nicht deshalb, weil im sonst bierernsten, bisweilen gehässigen Ratsbetrieb für einmal der Humor obsiegt. Sondern weil selbst bei einer solchen Lappalie wie der 1.-Mai-Motion nicht ein Quäntchen Erneuerungsgeist und Abrücken von althergebrachten Gewohnheiten durchzusetzen sei. Da könne man fürs Baselbiet wirklich nur noch schwarz sehen.

Recht hat er. Rolf Richterich mag zwar eine einsame Spassbremse sein, aber dank ihm liefert diese Ulk-Debatte immerhin einen ernsthaften Denkanstoss.