Münchenstein

100 Meter hoch hinaus: Neues Hochhaus soll auf dem Spengler-Areal gebaut werden

Das Gebäude, wo früher das Modehaus Spengler seinen Hauptsitz hatte, ist heute fünfstöckig. An der nordwestlichen Ecke soll ein 100 Meter hoher Bau anschliessen, mit dem insgesamt 188 neue Wohnungen möglich sind – falls der Souverän zustimmt.

Das Gebäude, wo früher das Modehaus Spengler seinen Hauptsitz hatte, ist heute fünfstöckig. An der nordwestlichen Ecke soll ein 100 Meter hoher Bau anschliessen, mit dem insgesamt 188 neue Wohnungen möglich sind – falls der Souverän zustimmt.

Die Münchensteiner Gemeindeversammlung entscheidet, ob im Spenglerpark das höchste Gebäud des Baselbiets entstehen soll.

Fünf Meter höher als der Messeturm soll das geplante Hochhaus auf dem Spengler-Areal in Münchenstein werden, nämlich 100 Meter hoch. Damit wäre es das höchste Gebäude im Baselbiet. Zusammen mit dem aufgestockten bisherigen Bauten des Spenglerparks sollen bis zu 188 neue Wohnungen entstehen.

Das ist seit mindestens zweieinhalb Jahren bekannt. Anfänglich hielten sich die Reaktionen in Münchenstein in Grenzen. «Ich habe mir die Frage auch schon gestellt, warum es keine kritischen Stimmen gibt», sagte der Gemeindepräsident Giorgio Lüthi im Frühling 2017 in der bz.

Seither gab es zahlreiche Informationsveranstaltungen und ein formelles Mitwirkungsverfahren. «Wir haben bewusst mehr als nötig informiert», sagt Lüthi jetzt. In der Mitwirkung gab es 18 Meldungen, davon zwei Sammeleingaben mit 26 und 6 Parteien. Die Münchensteiner scheinen also gemerkt zu haben, dass ein markanter Bau auf sie zukommt – oder auch nicht.

Denn die Gemeindeversammlung kann am 16. Dezember das Projekt zu Fall bringen, wenn sie den Quartierplan ablehnt. In der Vernehmlassung sprechen die Münchensteiner vor allem Verkehrsfragen an. Insbesondere befürchten die Anwohner der umliegenden Quartiere Suchverkehr. Bemängelt wird, das 11er-Tram werde noch voller sein. Angetönt werden aber auch ökologische Fragen, etwa rund um die Fotovoltaikanlage auf dem Dach des Hochhauses oder die Grünflächen im Quartier.

«Das sind die üblichen Themen, die ich erwartet hatte», sagt Lüthi. «Logisch gibt es mehr Widerstand, als wenn nur ein Block gebaut würde.» Für ihn ist aber klar: «Das Projekt ist ein Glücksfall für Münchenstein. Es gibt keinen idealeren Standort für ein Hochhaus.»
Er spricht auf die Vorteile an, die der Gemeinderat auflistet. So wird nur auf bereits versiegeltem Boden gebaut, neue Strassen sind nicht nötig. Die Erschliessung mit dem öffentlichen Verkehr ist bereits gut, es gibt kaum Schattenwurf auf bewohnte Gebäude. Und als Abgeltung für den Mehrwert wird die Bauherrin, die Credit Suisse Anlagestiftung, 2,4 Millionen Franken zahlen.

Damit kann die Gemeinde für eine Aufwertung in den umliegenden Wohnquartieren sorgen, etwa mehr Grünflächen schaffen. Und nicht zuletzt sollen die neuen Bewohner für zusätzliche Steuereinnahmen sorgen. Denn eines ist das Spengler-Hochhaus nicht: Sozialer Wohnungsbau. Die Wohnungen sollen zu marktgerechten Preisen vermietet werden.

Emotionale Argumente werden kommen

Im Mitwirkungsverfahren wird neben den üblichen Fragen auch fundamentale Opposition gegen das Hochhausprojekt deutlich. Da ist die Rede von einem «überdimensionierten Wohnturm» und einer «visuellen Beeinträchtigung der Nachbarschaft». Gegen solchen emotionalen Widerstand anzukommen, ist schwierig, das weiss auch der Gemeinderat.
«Wer grundsätzlich gegen Hochhäuser ist, wird sie nie akzeptieren, auch wenn unsere Argumente noch so gut sind», sagt Lüthi. Er rechnet am 16. Dezember jedenfalls mit einer «lebhaften Gemeindeversammlung». Denn: «Es würde mich überraschen, wenn die fundamentalen Fragen nicht kommen würden.»

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1