Allschwil

100 Meter lange Mauer durchs Tal: Kritiker warnen vor «Gigantismus» bei Hochwasserschutz

Der geplante Damm soll Allschwil vor Hochwasser am Lützelbach schützen.

Der geplante Damm soll Allschwil vor Hochwasser am Lützelbach schützen.

Der Damm zwischen Allschwil und Schönenbuch soll vor Hochwasser schützen. Die Dimensionen der geplanten Mauer sind für die Gegner zu übertrieben. Sie wollen die Bevölkerung sensibilisieren und politischen Druck ausüben.

Es ist ein massiver Einschnitt in die Landschaft, den der Kanton zwischen Allschwil und Schönenbuch vorsieht. Um den Allschwiler Dorfkern vor einem Hochwasser am Lützelbach zu schützen, plant das Tiefbauamt einen über hundert Meter langen Damm, der bis zu 50 Meter breit sein soll. Auf einer Länge von 53 Metern wird der Bach eingedolt, es verschwindet einiges an Auenwald.

Trotz dieser Dimensionen gab es im öffentlichen Mitwirkungsverfahren im September nur fünf Eingaben. Grundsatzopposition kam keine zutage, wie Jonas Woermann, Projektleiter im Tiefbauamt, erklärt. Privatpersonen bemängelten Details wie die neue Wegführung. Der WWF forderte zusammen mit anderen Umweltorganisationen, die Ersatzflächen grösser zu bemessen. Und die Natur- und Landschaftsschutzkommission wollte sicherstellen, dass diese Ersatzflächen wirklich gepflegt werden.

Natur profitiert vom Staudamm

Ein vom Tiefbauamt beauftragtes Gutachten kommt sogar zum Schluss, dass die Natur am Lützelbach unter dem Strich vom Staudamm profitieren würde. «Das kann ich mir gut vorstellen», sagt Kurt Bänteli, Präsident von Natur- und Vogelschutz Allschwil. «Ich wüsste nicht, was man gegen das Projekt haben könnte.» Und laut Paul Schüpbach, Präsident der Fischerei-Gesellschaft Allschwil, hat der Lützelbach für die Fischer keinerlei Bedeutung mehr, da er in den vergangenen Sommern immer austrocknete. 

Doch die glatte Mitwirkung bedeutet nicht, dass der Kanton den Damm jetzt problemlos erstellen kann. «Wir haben nicht mit Opposition von der Bevölkerung und der Gemeinde gerechnet», sagt Woermann. «Aber wir wissen, dass die direkt betroffenen Grundeigentümer grundsätzlich dagegen sind.»

Gegner wollen die Bevölkerung wachrütteln

Die Gegner haben sich in der «Interessensgruppe Staudamm Lützelbach» zusammengetan. An der Mitwirkung haben sie sich nicht beteiligt, weil man da nur Details einbringen könne, wie Sprecher Christoph Lusser sagt. «Wir sind aber grundsätzlich gegen diesen Gigantismus.» Hochwasserschutz am Lützelbach sei notwendig, nicht aber ein so grosser Damm. Zudem erachte man dessen Lage als zu nahe am Dorf.

Deshalb steht bereits fest: Die IG wird das Projekt juristisch bekämpfen, sobald ein definitives Projekt da ist. Zudem wolle man die Öffentlichkeit sensibilisieren. Bisher, sagt Lusser, habe das Projekt die Allschwiler wenig bewegt, viele wüssten noch gar nichts davon.  «Aber wenn sie sehen, was da hingestellt werden soll, werden viele erwachen.» Und schliesslich will die IG auch politisch Druck ausüben, wenn der Landrat den Baukredit absegnen soll.

2,7 Millionen Franken soll das Projekt insgesamt kosten. Davon soll die Gemeinde nur 200000 Franken übernehmen, die Anstösser gar nichts. Woermann ist überzeugt, dass das Projekt im Landrat gute Chancen haben wird. «Das Kosten-Nutzen-Verhältnis stimmt», sagt er. «Das ist ein sehr günstiger Hochwasserschutz.»

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