Coronavirus

1'000 Coronatests pro Tag: Feldreben macht Baselland zum Testmeister

Noch wohnen Asylsuchende auf dem Feldrebenareal in Muttenz, doch am 14. November öffnet hier das Corona-Testzentrum seine Tore.

Noch wohnen Asylsuchende auf dem Feldrebenareal in Muttenz, doch am 14. November öffnet hier das Corona-Testzentrum seine Tore.

In einem Monat öffnet die kantonale Abklärungsstation Feldreben in Muttenz. Die jetzige Anlage im Spenglerpark Münchenstein ist mit 350 Abstrichen pro Tag bereits am Limit. Die bz erhielt Einblick in die kantonalen Pläne. Diese zeigen: Platzprobleme sind dann passé. Doch bis dahin wirds hart.

Bis zum 13. November. So lange muss die Baselbieter Bevölkerung noch in den Spenglerpark in Münchenstein gehen, wenn sie sich auf das Coronavirus testen lassen will. Tags darauf übernimmt das Feldrebenareal in Muttenz nahtlos die Rolle als offizielle Abklärungs- und Teststation Basellands, wie der Kanton auf Anfrage mitteilt. Und dieser Monat dürfte herausfordernd werden. Das weiss Thomas Götz, der ärztliche Co-Leiter der Teststation: «Die kommenden Wochen werden sehr sportlich.»

Spenglerpark erreichte diesen Montag den Peak

Das Problem: Der Spenglerpark war ursprünglich auf 120 Coronatests pro Tag ausgelegt. Vorgestern Montag standen 349 Personen für einen Abstrich an. Rekord. «Wir haben zwar unsere Prozesse massiv optimiert und auch mehr Personal angestellt», sagt Götz, «aber 350 ist wirklich die Grenze.» Eine höhere Kapazität sei räumlich nicht möglich. 13 Untersuchungsboxen habe man aufgestellt, in denen zwei Ärzte und sechs medizinische Praxisassistentinnen im fliegenden Wechsel arbeiten und dabei von sechs administrativen Mitarbeitern unterstützt werden. «Mehr geht nicht», so Götz.

Dass Menschen zwei oder drei Stunden anstehen müssen, wie teils beklagt wurde, sei mittlerweile aber die klare Ausnahme. Selbst am Montag habe man nur rund eine Stunde warten müssen, versichert Götz. Sollten die Testzahlen aber weiter steigen, so brauche es eventuell kurzfristig eine Alternativlösung, bis Feldreben bereitsteht. «Ein Joker, den wir haben, sind noch die Öffnungszeiten. Vielleicht müssen wir den Spenglerpark bald auch am Wochenende ganztags statt nur morgens öffnen.» Dies entscheide man kurzfristig. Helfen würde laut Götz schon alleine, wenn wochentags mehr Personen erst am Nachmittag ins Testzentrum kommen würden. Zwei Drittel tauchten derzeit morgens auf.

Es ist offensichtlich, dass Götz den 14. November herbeisehnt. Ein früherer Start auf dem Feldrebenareal ist nicht möglich, da das dortige Bundesasylzentrum erst am 30. Oktober schliesst und der Kanton zwei Wochen zur Vorbereitung der alten Lagerhallen auf dem Deponiegelände benötigt.

Der Platz ist da, jetzt fehlt noch genug Personal

Gegenüber der bz nennt Götz erstmals Details. Die wichtigste Erkenntnis: «Wir haben fast unbeschränkt Platz.» Die kantonale Planung rechnet mit einer maximalen Kapazität von 900 bis 1000 Covid-Tests pro Tag. In 30 Boxen könnten knapp 50 Mitarbeiter arbeiten. Doch genau das könnte der neue Flaschenhals werden. Götz: «Waren wir bisher baulich eingeschränkt, wird jetzt die Rekrutierung des Personals zur Herausforderung.»

Der ärztliche Leiter sieht viele Vorteile im Umzug nach Muttenz. Stand der Spenglerpark wegen der im selben Gebäude untergebrachten Schulen des Campus Gesundheit in der Kritik, so liegt das Feldrebenareal abgeschiedener. Zwar sei die Anreise per öV etwas schwieriger, dafür gebe es viele Parkplätze. «Die meisten Menschen kommen mit dem Auto in die Teststation», weiss Götz. Verbessert wurde auch der Wartebereich, der nun in der Halle liegt, damit niemand draussen friert. Dank einer Lüftungsanlage mit Überdruck sei die Ansteckungsgefahr beim Schlangestehen minim.

Schon mit 1000 Tests pro Tag ist Feldreben eines der grössten Coronazentren des Landes. «Wenn wir in ein völliges Desaster reinlaufen, könnten wir auch noch die zweite Halle öffnen, um die Kapazität zu verdoppeln», sagt Götz, nur um anzumerken: «Ich hoffe, dass das nie nötig sein wird.»

Noch längst nicht alle Hausärzte bieten Tests an

Trotz der Grösse: Der Kanton Baselland sei auch darauf angewiesen, dass vermehrt Hausärzte in ihren Praxen Coronatests durchführen. Laut Götz trügen sie derzeit knapp zur Hälfte zu den Testzahlen bei. Ein entsprechender Aufruf habe eine gewisse Resonanz gebracht. Sie könnte aber noch besser sein.

Tobias Eichenberger, Präsident der Baselbieter Ärztegesellschaft (AeGBL), stellt hingegen fest, dass «die Hausärzte zunehmend motiviert sind, zu helfen». Die AeGBL habe die ansässigen Ärzte in Absprache mit dem Kanton mit Informationen versorgt. «Gerade im Oberbaselbiet macht es Sinn, da Muttenz für einige Patienten weit entfernt liegt», sagt Eichenberger. Man leiste einen substanziellen Beitrag. Die Möglichkeiten der Hausärzte, die Patienten mit Coronasymptomen räumlich zu trennen, seien allerdings sehr unterschiedlich. Daher ist für Eichenberger etwas essenziell: «Hausärzte dürfen nicht verpflichtet werden, Tests anzubieten. Es muss freiwillig bleiben.»

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