Das Ja-Wort geben kann man sich im Baselbiet in Liestal, Laufen, Waldenburg und Arlesheim, zudem in vier Schlössern. Doch von den jährlich rund 1200 zivilen Eheschliessungen im Kanton finden über 1000 in Arlesheim statt.

Das Trauzimmer vor Ort befindet sich am Dorfplatz, in einem historischen Haus mitten im denkmalgeschützten Dorfkern. «Es ist wunderschön bei uns», sagt Gemeindepräsident Markus Eigenmann (FDP) – fast zu schön.

Wie die Heiratsgesellschaften auf dem Dorfplatz feiern, das lassen die «Regeln für die Nutzung der Allmend bei Ziviltrauungen» erahnen, welche die Gemeinde als Merkblatt allen Paaren gibt.

Viele Beanstandungen beim Quartierplan

Ausdrücklich verboten sind «das Aufstellen von Grosstieren, umfangreicher Requisiten und von Mobiliar aller Art». Weiter heisst es: «Das Auswerfen und/oder Verstreuen von Sachen aller Art ist auf ein Minimum zu beschränken.»

Vor allem an den zwölf Samstagvormittagen im Jahr, an denen getraut wird, ist die Menschentraube auf dem Dorfplatz riesig. «Wenn eine Hochzeitsgesellschaft wartet, steigt schon die nächste aus dem Car, während ein drittes Paar von der Damenriege mit Reis empfangen wird», sagt der Gemeindepräsident.

Wegen der zunehmenden Säkularisierung habe die Bedeutung der Ziviltrauungen zugenommen, erklärt Eigenmann sich die zunehmend ausgelassene Partystimmung vor dem Zivilstandsamt. Das Problem scheint den Arlesheimern unter den Nägeln zu brennen: Das Heirats-Puff war in den vergangenen Monaten eine der häufigsten Beanstandungen im Mitwirkungsverfahren für den Quartierplan Ortskern.

Arlesheim ist das Opfer der eigenen Schönheit geworden

Die Anwohner beklagen sich über Lärm und Trubel. Die Gewerbetreibenden müssen zuschauen, wie für sie gedachte Parkplätze besetzt sind und der Zugang zu ihren Läden versperrt werden.

Arlesheim ist das Opfer der eigenen Schönheit geworden. «Eigentlich ein schönes Problem», sagt Eigenmann halb lächelnd, halb verbittert. «Aber wir können es lösen.» Laut eigenen Angaben hat er dem Kanton einen Vorschlag gemacht.

Man solle sich nicht mehr nur am Dorfplatz trauen lassen können, sondern auch an der Kirchgasse, wo das kantonale Zivilstandsamt Büros hat. «Dort ist ein französischer Garten, und es ist genug Platz für Cars da.» Mit dem zweiten Standort, so seine Hoffnung, wird sich die Belästigung verteilen und damit erträglicher werden.

«Jedes Paar steht sich meist selber am nächsten»

Doch Angela Weber, die Leiterin des Zivilstandsamts, weiss nichts von der Idee der Gemeinde – und sagt: «Die Platzverhältnisse sind an der Kirchgasse sehr eng. Die Anwohner wären vermutlich nicht so begeistert.

Natürlich würden Trauungen nicht immer geordnet ablaufen, Spontaneität dürfe auch Platz haben, so Weber. «Jedes Paar steht sich meist selber am nächsten», hat sie festgestellt. Es sei der wichtigste Tag im Leben eines Paares und ganz normal, dass da einige Gäste dabei seien. «Aber daran haben manche Anwohner natürlich nicht viel Freude.»

Erstaunt stellt Angela Weber fest, dass die Gewerbler reklamiert haben sollen. Mit ihnen stehe sie in Kontakt. «Die Hochzeitsgesellschaften bringen auch den einen oder anderen Batzen nach Arlesheim.»