Kriminalstatistik

11 Fakten zur Kriminalität im Baselbiet, die Sie am besten schnell wieder vergessen!

Was sie machen, wird protokolliert: In der Baselbieter Kriminalstatistik 2019. Sie verrät etwa, dass die Polizei im vergangenen Jahr 284-mal Hanfprodukte konfiszierte – aber «nur» einmal Streckmittel.

Was sie machen, wird protokolliert: In der Baselbieter Kriminalstatistik 2019. Sie verrät etwa, dass die Polizei im vergangenen Jahr 284-mal Hanfprodukte konfiszierte – aber «nur» einmal Streckmittel.

Die Baselbieter Kriminalstatistik ist ein Abbild unserer Gesellschaft. Das Abbild einer Gesellschaft, in der meist junge Männer gewalttätig werden, in der weiterhin fleissig gekifft und gedealt wird – und in der E-Bikes nicht sicher sind.

1. Alle Dreiviertelstunde wurde im Jahr 2019 im Kanton Baselland eine Straftat registriert

Im Baselbiet wurden im vergangenen Jahr insgesamt 11'594 Straftaten erfasst – fast 32 pro Tag. Das zeigt die Kriminalstatistik 2019. Doch die Zahl sagt nicht alles. Vieles kommt nie zur Anzeige. Und Verkehrsdelikte sind woanders aufgeführt: in der Verkehrsunfallstatistik. Immerhin: Die Einbrüche sind auf ein Zwanzig-Jahre-Tief gesunken.

2. 284 Fälle mit Hanf: Baselland ist und bleibt ein Kanton der rauchenden Joints

Kiffen ist ungebrochen populär – das zeigt sich bei der Rangliste der sichergestellten Betäubungsmittel. In 284 Fällen konfiszierten die Fahnder Hanfprodukte, darunter Pflanzen, Samen, Haschisch und Marihuana. Am zweithäufigsten, in 47 Fällen, fielen der Polizei Stimulantien in die Hände, meist Kokain und Ecstasy, aber kaum Crystal Meth. An dritter Stelle folgt Heroin (elf Fälle). Rang vier nehmen Halluzinogene ein (LSD, Pilze, Mescalin, fünf Fälle). Einmal kam Streckmittel zum Vorschein. Im Landkanton ist der Missbrauch von Xanax unter Jugendlichen ein Thema. Das verschreibungspflichtige Medikament wird in der Statistik aber nicht gesondert ausgewiesen. 

3. Achtung vor den Jugendlichen, die ihre Aggressionen (noch) nicht im Griff haben

In der Adoleszenz werden Grenzen ausgelotet. Das war schon immer so und das schlägt sich in den Zahlen nieder: Die häufigste Gruppe der Personen, denen Verstösse gegen Bestimmungen des Strafgesetzbuches angelastet werden, sind mit Abstand die 15- bis 19-jährigen männlichen Jugendlichen, vor den 20- bis 24-jährigen jungen Männern. Alter macht friedfertig – oder so weise, dass man sich nicht mehr erwischen lässt: Ab 40 geht die Delinquenz zurück, mit dem Pensionsalter verschwindet sie quasi. Die Kohorten ü65 sind bei den Beschuldigten kaum mehr vertreten, sie verstossen kaum noch gegen das Strafgesetz. Bei den anderen Gesetzen dürfte das Bild kaum bedeutend anders aussehen, siehe nächstes Kapitel. 

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4. Jugendliche zum Zweiten: Sie sind es, die illegale Substanzen konsumieren (oder sie lassen sich erwischen)

Was die Delinquenz der jungen Männer nach oben treibt, ist nicht zuletzt der Drogenmissbrauch. Der weitaus grösste Teil der Personen, denen Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz angelastet werden, gehören zur Gruppe der 15- bis 19-jährigen Männer. Der Abstand zur nächstgrösseren Kohorte ist immens, das sind die 20- bis 24-jährigen Männer. Es folgen die 25- bis 29-Jährigen und die 30- bis 34-Jährigen. Frauen respektive junge Frauen machen einen kleinen Teil der Beschuldigten aus. Was den Schluss zulässt: Der Konsum von Drogen ist noch immer vor allem ein Problem von Männern während der Pubertät und der Adoleszenz. Danach geht der Missbrauch stetig zurück – oder aber, der Missbrauch wird nicht mehr erfasst, etwa, weil er im Versteckten geschieht oder Drogen konsumiert werden, die legal sind, zum Beispiel Medikamente. Eine einzige beschuldigte Person war 2019 älter als 65, eine Frau zwischen 75 und 79. Was ihr vorgeworfen wird, geht aus der Statistik leider nicht hervor.

5. 141-mal etwas kaputt gemacht: Junge richten ihre Aggressionen gegen Sachen

Die Jugend hats noch nicht so mit der Zügelung der Emotionen, das haben wir bereits gesehen. Aber wenigstens richten sich ihre Aggressionen relativ selten gegen Personen. Das häufigste Delikt, das Minderjährige begehen, ist Sachbeschädigung. Im vergangenen Jahr kam es zu 141 solchen Fällen. Ein starker Anstieg, wenn man die Vorjahre hinzunimmt: Noch 2017 wurden 57 Sachbeschädigungen gezählt, 2018 deren 91. Die weiteren Delikte nach Häufigkeit: Hausfriedensbruch, Diebstahl, einfache Körperverletzung und Ladendiebstahl. Die Tätlichkeit folgt an fünfter Stelle, mit 24 Delikten. Was im vergangenen Jahr auffiel: Fünfmal wurden Kindern gesundheitsgefährdende Stoffe verabreicht. Total zählte die Polizei 506 Delikte – zwei Prozent weniger als im Vorjahr. 

6. Testosteron, Erziehung oder Sozialisierung? Drei von vier Beschuldigten sind Männer – Mann oh Mann!

Emanzipation und Gleichberechtigung hin oder her: Der alles dominierende Faktor auf die Delinquenz ist das Geschlecht: 78 Prozent der Personen, die gegen Bestimmungen des Strafgesetzbuches verstossen haben sollen, sind Männer. Bei den Frauen sind dafür die Altersgruppen gleichmässiger vertreten. Spitzengruppe sind die 35- bis 39-Jährigen, aber die Kurve verläuft viel flacher als bei den männlichen Zeitgenossen. Auch wenn für diesen Vergleich nur Verstösse gegen das Strafgesetz herangezogen werden, dürften die Zahlen repräsentativ sein: 90 Prozent aller im Baselbiet verfolgten Straftaten betreffen das Strafgesetz, und dass die jungen Männer keinen Bogen um Drogen machen, ist ebenso statistisch erhärtet. Die Verteilung der übrigen Straftaten 2019: 7 Prozent Betäubungsmittel-Gesetz, 2 Prozent Bundesgesetze, 1 Prozent Ausländergesetz. 

7. Frauen leiden besonders häufig unter Männergewalt: Sie stellen wenige Täterinnen, aber viele Opfer

Eine aufrüttelnde Tabelle ist jene, welche die Gewalttaten nach Geschlechtern auflöst und nach mutmasslichen Tätern und Opfern. Denn es öffnet sich ein Geschlechter-Gap: Männer schlagen öfter zu, Frauen werden öfter geschlagen. Mit Blick auf die vollen Frauenhäuser ist diese Vereinfachung sicher statthaft, zumindest, was die häusliche Gewalt betrifft. Das zeigt auch diese Studie für die Schweiz (Informationsblatt 9 anklicken). Im Baselbiet wurden 2019 total 523 mutmassliche Gewalttäter gezählt. Davon sind 433 männlich, das sind 83 Prozent. Ganz anders das Bild auf der Opferseite. Hier sind die Geschlechter beinahe gleich verteilt. Von 651 Personen, die wegen Gewalttaten geschädigt wurden, sind 47 Prozent Frauen. Erklärungsansätze gibt es viele: Natur, Kultur, Erziehung, Schule, falsche Vorbilder – und es gibt auch Thesen, die besagen, dass Frauen viel häufiger Täterinnen sind, sie ihre Gewalt jedoch subtiler ausüben und sie deshalb kaum in Statistiken auftaucht.  

8. 31%: Der Ausländeranteil an den mutmasslichen Gewalttätern ist leicht erhöht

Bei den verdächtigten Gewalttätern waren im vergangenen Jahr deren 236 Nicht-Schweizer. Das Total an Verdächtigten beträgt 759. Die Ausländer machen somit einen Anteil von 31 Prozent aus. Gegenüber dem Ausländeranteil im Kanton – 2019 betrug er 23,4 Prozent – sind die Ausländer bei den mutmasslichen Gewalttätern also leicht überrepräsentiert. Obwohl hier angemerkt werden muss, dass auch Nicht-Angemeldete in die Statistik einfliessen, also Ausländer ohne Aufenthaltstitel im Kanton Baselland. Zu den Tatverdächtigen können somit auch Touristen, Durchreisende, Besucher und so weiter gehören. Das treibt den Ausländeranteil in der Statistik nach oben. 

9. Gefährliche Beziehungen: Die Hälfte der häuslichen Gewalt geschieht in Paar-Beziehungen, ein Viertel zwischen Ex-Partnern

Bei der häuslichen Gewalt sind die häufigsten Delikte Tätlichkeiten, Drohung, einfache Körperverletzung und Beschimpfungen. Zu Vergewaltigungen kam es im Rahmen von häuslicher Gewalt im vergangenen Jahr in sieben Fällen. Bei Dreiviertel der Fälle sind die Opfer und die beschuldigte Person in einer Beziehung (51%) oder waren es einmal (26%). Die übrigen Beziehungsarten: Eltern, Ersatzeltern oder Pflegeeltern und Kind (14%) sowie Verwandte (9%). 

10. Es werden Velos und E-Bikes gestohlen, dass es kracht. 1699 Zweiräder werden vermisst

Im vergangenen Jahr nahmen die Fahrzeugdiebstähle um 23 Prozent zu. Total wurden 1778 solche Straftaten gezählt (2018: 1442 Diebstähle). Bei den entwendeten Fahrzeugen machen Velos mit 82 Prozent den grössten Anteil aus, 1453 Fahrräder wurden als gestohlen gemeldet. An zweiter Stelle folgen die E-Bikes, mit 246 geklauten Objekten (14 Prozent). Velos und E-Bikes waren in total 96 Prozent der Fahrzeugdiebstähle das Objekt der Entbehrung. Kaum gestohlen werden Motorräder und Mofas (46 Stück, 2 Prozent), Autos (22 Stück) und schwere Fahrzeuge (7). Die zwei zuletzt genannten Kategorien kommen zusammen mit den übrigen Fahrzeugen auf 2 Prozent.

11. Baselland ist nicht mehr so beliebt bei Einbrechern. Wird dieser Trend durch die Coronakrise noch verstärkt?

Einbrecher machen zunehmend einen Bogen um Baselland. Zumindest jene, die als Touristen unterwegs sind. Sie wählen sich ihre Zielregionen danach aus, ob etwas zu holen ist, aber auch danach, wie gross die Chance ist, geschnappt zu werden. Hier hat Baselland vorwärts gemacht. Ob die Coronakrise sich auf die Einbruchszahlen auswirkt, davon ist auszugehen. Noch hält der Lockdown jedoch zu wenig lange an, dass darüber verlässliche Prognosen abgegeben werden könnten. Klar ist: Die Einbruchstouristen haben es mit besser überwachten Grenzen eher schwerer. Und es kommt ein Umstand hinzu, den sie ebenfalls nicht mögen: Sie müssen damit rechnen, dass die Bewohner ständig zu Hause sind. So dürfte die Zahl der Einbrüche weiter zurückgehen. Ein positiver Effekt der Coronakrise – immerhin einer. 

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