Mehr Listen, mehr Kandidaten, mehr Frauen. Die Baselbieter Landeskanzlei kann Rekordzahlen vermelden. Insgesamt 134 Personen bewerben sich bei den nationalen Wahlen vom 20. Oktober im Kanton Baselland um einen der sieben Nationalratssitze. Das sind nochmals 22 mehr als vor vier Jahren. Und: Mit durchschnittlich 44 Prozent ist der Frauenanteil so hoch wie nie zuvor. Heute werden jeweils zwei der sieben Sitze von SP und SVP besetzt. Je ein Mandat haben die FDP, CVP und die Grünen inne. Allzu grosse Verschiebungen werden nicht erwartet.

Eingereicht worden sind insgesamt 20 Listen, wie die Landeskanzlei gestern nach Listenschluss am Vortag mitteilte. Das sind vier Listen mehr als 2015. Neben den traditionellen Parteien umfassen sie vorab die jeweiligen Jungparteien, aber auch Exoten wie die Gruppierung «Christ-und-Politik.CH», eine Senioren-Liste der Grünen oder die Liste «Wirtschaft und Gesellschaft» der Christlichdemokraten. Die Wahlchancen der entsprechenden Kandidaten liegen allerdings nahe null. Diese Unterlisten dienen erfahrungsgemäss in erster Linie dazu, den etablierten Kandidaten zusätzliche Stimmen zu bescheren.

1971 hatten im Baselbiet erst fünf Frauen kandidiert

Für einen Nationalratssitz bewerben sich in diesem Jahr 75 Männer und 59 Frauen. Vor vier Jahren hatten 43 Frauen kandidiert – bei total 112 Kandidierenden. Im Jahr 1971, nach Einführung des Frauenstimmrechts, waren es noch fünf gewesen. Aber auch 2003 hatten im Baselbiet erst 26 Frauen für den Nationalrat kandidiert – weniger als die Hälfte im Vergleich zu diesem Jahr. Allerdings waren damals auch insgesamt nur
79 Kandidierende registriert worden.

Den tiefsten Frauenanteil weist mit null Prozent die erwähnte Gruppierung «Christ-und-Politik.CH» auf. Sie tritt allerdings auch einzig und alleine mit dem Muttenzer Informatiker Alex Osterwalder an. Mit 71,4 Prozent den höchsten Frauenanteil wiederum weisen die Sozialdemokraten auf. Sie treten gleich mit fünf Frauen an.

Die gestern veröffentlichten Listen haben nach Angaben der Landeskanzlei erst provisorischen Charakter. Sie müssen noch geprüft werden. Bis 2. September können die Parteien nun noch ihre Listenverbindungen bekannt geben. Gleichentags müssen auch die Wahlvorschläge für den Ständerat gemeldet werden.

Für den Nationalrat treten alle sieben Bisherigen für eine weitere Amtsperiode an. Der einzige Baselbieter Ständeratssitz muss dagegen neu besetzt werden, weil Sozialdemokrat Claude Janiak nach acht Jahren im Nationalrat und zwölf Jahren im Stöckli nicht mehr zur Wahl antritt.

Bisher sind vier Kandidaturen bekannt. Für Janiaks Nachfolge bewerben sich die Nationalratsmitglieder Maya Graf von den Grünen, Eric Nussbaumer von der SP sowie Daniela Schneeberger von der FDP. Komplettiert wird das Quartett von alt Landratspräsidentin Elisabeth Augstburger von der EVP. Allgemein wird nicht von einem Entscheid im ersten Wahlgang ausgegangen.(sda/dba)