Trockenheit

2000 tote Bäume: Hardwald bleibt bis Ende Jahr gesperrt

Der heisse Sommer 2018 hinterlässt im Wald der Nordwestschweiz deutliche Spuren. Allein im Hardwald sind bereits 20 Prozent der Bäume tot. Die Waldbesitzer stellt das vor immense finanzielle Probleme – jetzt soll die öffentliche Hand helfen.

Die Forstarbeiter in den Wäldern der Region haben derzeit alle Hände voll zu tun. Sie müssen reihenweise Bäume fällen – entweder vollständig tote oder solche, bei denen die Krone verdorrt ist. Grund für das Baumsterben ist der trockene Sommer im letzten Jahr. Darunter leidet unter anderem der häufigste Baum in der Region: die Buche. Auch Nadelbäume sind geschwächt und werden Opfer des Borkenkäfers.

Sich im Wald aufzuhalten, ist derzeit gefährlich. Jederzeit können trockene Äste herunterfallen. Die Gemeinden Birsfelden und Muttenz mussten daher vor vier Wochen zu einer drastischen Massnahme greifen: Sie sperrten einen Grossteil des Hardwaldes für Besucher. Weil die Waldarbeiter vor vertrockneten Ästen geschützt werden müssen, ist das Fällen derzeit personalintensiver als sonst.

Was die Aufgabe der Förster auch nicht leichter macht: Die zu fällenden Bäume sind meist im Wald verstreut, nicht gruppiert. Und dann müssen die gerodeten Flächen wieder bepflanzt werden.

Natur ist zu langsam

Das ist alles mit hohen Kosten verbunden. Allein für den Hardwald schätzt die Besitzerin, die Bürgergemeinde Basel, die Kosten für die Herstellung der Sicherheit «im Millionenbereich», so Direktor Daniel Müller. «Das können wir nicht allein stemmen.» Schon nur die Sicherung der Trinkwasseraufbereitung koste etwa eine halbe Million Franken.

Der Hardwald ist wegen seines durchlässigen Bodens und der wenigen Niederschläge ein Extrembeispiel für die Folgen des Klimawandels. Derzeit klärt das Amt für Wald beider Basel ab, welche Wälder in der Region besonders leiden. Es ist anzunehmen, dass noch manch ein Waldbesitzer vor ähnlichen Schwierigkeiten steht wie die Basler Bürgergemeinde. Und das viele gefällte Holz wiegt die hohen Kosten bei weitem nicht auf. Es ist von schlechter Qualität, und im derzeit übersättigten Holzmarkt sind die Preise noch tiefer als sonst.

Mittel- bis langfristig geht es darum, den Wald resistenter gegen die Klimaveränderung zu machen – etwa indem man statt Buchen die weniger trockenheitsempfindlichen Eichen setzt. Auch das ist ein teurer und schlecht prognostizierbarer Prozess.

Die Natur könnte den Wandel zwar von alleine besorgen. Nur würde das Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte brauchen – viel zu lange für die Erholungssuchenden, von denen einige im Hardwald bereits jetzt nicht mehr bereit sind, die Absperrungen zu respektieren.

«Jetzt schon Minusgeschäft»

Reto Saboz, stellvertretender Leiter des Amts für Wald, sieht zwei Möglichkeiten, wie man mit der prekären Situation umgehen kann: Entweder man akzeptiert einen Wald mit viel gefährlichem Totholz, in dem Erholung nur beschränkt möglich ist; oder man besorgt sich zusätzliche Mittel, um die Sicherheit im Wald wiederherzustellen und zu wahren.

Für Philipp Schoch, den Präsidenten des Waldeigentümerverbands Wald beider Basel, kommt nur die zweite Variante infrage. «Den Wald zu sperren, akzeptiert die Bevölkerung nicht», ist er überzeugt. Schliesslich gelte in der Schweiz der Wald als öffentliches Gut.

Deshalb ist für ihn klar, dass die Waldbesitzer externe Mittel besorgen müssen, um die Sicherheit im Wald zu gewährleisten. Und der ehemalige Grünen-Landrat macht auch klar, wen er dabei in die Pflicht nehmen will: die öffentliche Hand. «Wir haben die Chance, einen gegen Klimaerwärmung resistenteren, sichereren Wald zu schaffen», sagt er. «Aber die Kosten dürfen nicht an den Waldbesitzern hängen bleiben. Der Wald ist jetzt schon ein Minusgeschäft.»

Wald beider Basel ist derzeit daran, zuhanden der Behörden ein Positionspapier zu erarbeiten.
Immerhin hat der Kanton Baselland den Waldbesitzern bereits eine Million Franken zusätzlich in Aussicht gestellt, «für Sofortmassnahmen», wie Schoch erklärt. Doch die Politik funktioniere langsam. Er sagt voraus: «Wir haben noch viel zu erklären.»

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