KSBL

22 Abgänge in sechs Monaten: (K)Aderlass beim Kantonsspital

22 Abgänge in einem halben Jahr: Wenn jeder Kaderarzt zum Abschieds-Apéro lädt, finden diese im Wochenrhythmus statt.

22 Abgänge in einem halben Jahr: Wenn jeder Kaderarzt zum Abschieds-Apéro lädt, finden diese im Wochenrhythmus statt.

Seit dem Fusions-Nein hat jeder zehnte Kaderarzt das Kantonsspital Baselland verlassen.

Über prominente Zugänge informiert das Kantonsspital Baselland (KSBL) jeweils proaktiv. Ein neuer Leiter der Urologie, eine neue Leiterin der Akutgeriatrie, ein neuer Chefarzt in der Klinik für Schmerztherapie – jede dieser Neubesetzungen seit April 2018 wurde mit einer Medienmitteilung bekanntgemacht. Veränderungen in die andere Richtung hingegen werden lediglich in der Online-Personensuche auf der KSBL-Website nachgetragen. Suchte man dort im Februar 2019 nach Kaderärzten, wurden 22 Namen angezeigt, die heute nicht mehr angezeigt werden.

Einige namhafte Abgänge sind zu den Medien durchgesickert. So schrieb «Onlinereports» im Juli von einem «Orthopädie-Exodus» als Konsequenz der Zusammenarbeit zwischen Bethesda- und Unispital. Ein Co-Chefarzt und drei leitende Ärzte würden das KSBL verlassen und zur Konkurrenz wechseln. Insider berichten gegenüber dem Onlineportal von einem internen Machtkampf, der ausgesessen statt gelöst worden sei.

Recherchen der bz zeigen nun, dass seit Februar auch vier Oberärzte den Orthopädie-Abteilungen in Liestal und auf dem Bruderholz den Rücken gekehrt haben. Zudem verzeichnen auch andere Abteilungen namhafte Abgänge. Dies zeigt der systematische Vergleich des aktuellen Mitarbeiterverzeichnisses mit der Version von vor der Fusions-Abstimmung.

Nebst den erwähnten Co-Chef- und leitenden Ärzten haben drei weitere leitende Ärzte sowie insgesamt 15 Oberärzte das Spital verlassen. Dies, nachdem die bz im Februar publik machte, dass bereits damals innerhalb dreier Monate zwölf Kaderärzte gegangen sind. Damals begründete das KSBL die Abgänge damit, dass es sich hauptsächlich um Oberärzte handle, die noch in der Ausbildung zum Facharzt seien. Über alle Standorte hinweg sei die Fluktuation bei stabilen und bei Spitälern üblichen zehn Prozent.

Fusions-Nein hat Situation «nicht verbessert»

Die neuen Zahlen der bz zeigen jedoch, dass dieses Jahr bereits Mitte August mehr als zehn Prozent der rund 220 Kaderärzte das KSBL verlassen haben. In derselben Zeit wurden eine leitende Ärztin sowie 18 Oberärzte angestellt, zehn davon aber für Oberärzte, die das Spital bereits vor Februar verlassen hatten. Die «neuen» leitenden respektive stellvertretenden leitenden Ärzte sind hauptsächlich durch Beförderungen zustande gekommen. Insgesamt sieben Oberärzte haben seit Februar diesen Karrieresprung geschafft, ein stellvertretender Chefarzt wurde zum Co-Chefarzt.

Auf Anfrage der bz reagiert das KSBL ausweichend. Sprecherin Anita Kuoni schreibt, dass die Auswertung der bz «nicht repräsentativ» sei. Diese würde auch «Kleinstpensen, Ausleihvereinbarungen, Pensionierungen und Weiterbildungen» enthalten. Zudem seien die Karrierechancen von leitenden Ärzten in einem stabilen Chefarztsystem eingeschränkt. «Selbstverständlich kann der Betrieb aufrecht gehalten werden», versichert sie. Es sei allerdings so, dass das KSBL bei der Stellennachbesetzung bestimmter Fachfunktionen Schwierigkeiten habe und dass sich die Situation nach dem negativen Fusionsentscheid «nicht verbessert» habe. Entsprechend wichtig sei deshalb der bevorstehende Strategieentscheid der Regierung.

Ob die Regierung dem Verwaltungsrat folgt und künftig auf einen Hauptstandort in Liestal und ein abgespecktes Bruderholzspital setzt, ist offen. In letzter Instanz werden Landrat und Stimmvolk entscheiden.

Derweil bringen sich zwei Arztverbände mit einer noch radikaleren Ein-Standort-Neubau-Variante in Salina Raurica in Stellung, wie die bz bereits im Juni publik gemacht hatte. Heute laden sie zur offiziellen Medienkonferenz, wo sie ihr Projekt unter dem Leitsatz «Neubau statt Flickwerk» präsentieren werden. Es handle sich um eine Lösung, die «von Praktikern» entwickelt worden sei, schreiben die Ärztegesellschaft Baselland und der Verband der Assistenz- und Oberärzte VSAO Basel.

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