Die Verunsicherung unter der Baselbieter Lehrerschaft war gross. Seit dem Ja zur Bildungsharmonisierung und dem damit einhergehenden Wechsel von 5 Primar- und 4 Sekundarschuljahren auf das System 6/3 ab dem Schuljahr 2015/16 war klar, dass auf Stufe Sek I rund ein Viertel der Stellen verloren geht. Doch wen es genau trifft, das haben die Schulleitungen erst jetzt entschieden.

Wie das Amt für Volksschulen (AVS) gestern mitteilte, können wie erwartet «alle unbefristet angestellten Lehrer an ihrer bisherigen Schule weiterbeschäftigt werden». So weit das Positive. Von der Stellenreduktion sind damit ausschliesslich befristet Angestellte betroffen. Doch das sind nicht wenige. Im Schuljahr 2014/15 gibt es auf Sekundarstufe I zurzeit noch 929 Sollstellen (655 unbefristet und 274 befristet). Mit dem Systemwechsel sind nur noch 710 Sollstellen bewilligt (644 zu 66). Allerdings gehen die Schulleitungen davon aus, aufgrund von zusätzlich nötigen Pensen noch 18 befristete Vollstellen mehr schaffen zu können, total also 84. Damit fallen voraussichtlich 190 befristete Vollstellen weg.

Seklehrer könnten abwandern

Wie Urs Zinniker vom AVS auf Anfrage nachreicht, erhalten wegen diverser Teilpensen damit insgesamt 353 befristet angestellte Seklehrer keinen neuen Vertrag mehr, 165 dürfen bleiben. «Natürlich ist es für die Betroffenen schlimm», sagt Zinniker, «doch da wir den Stellenabbau schon lange angekündigt haben, musste jeder befristet Angestellte damit rechnen». Tatsächlich ist man aufseiten der Lehrerschaft nicht überrascht. «Wir konnten nicht mehr erwarten», sagt Roger von Wartburg. Der Präsident des Lehrervereins Baselland (LVB) betont, dass der Verein im Paritätischen Ausschuss vertreten ist, und alles im Dialog erarbeitet wurde. Von Wartburg bedauert, dass nun vor allem frisch ausgebildete junge Seklehrer auf der Strasse stehen. Dadurch werde Baselland als Arbeitsort unattraktiv. Er befürchtet, dass hiesige junge Lehrkräfte nun der ganzen Region Nordwestschweiz den Rücken kehren und ihren Lebensmittelpunkt dort ansiedeln, wo es mehr Stellen auf Sekundarstufe gibt; etwa in Bern, Zürich oder der Innerschweiz. «In der Nordwestschweiz ist der Markt nur in Solothurn nicht ausgetrocknet, weil 6/3 dort schon lange Realität ist.» Der LVB wie auch das AVS empfehlen den betroffenen Seklehrern nun, eventuell auf die Primarstufe zu wechseln. Laut den Primarschulleitungen sind für 2015/16 noch rund 100 Vollstellen zu besetzen.