Baselbieter Strafgericht

38-jähriger Geldeintreiber mit Verbindungen zu den Hells Angels vor Gericht

(Symbolbild)

38-jährige Geldeintreiber hat Verbindungen zu den Hells Angels.

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Seit Mittwoch muss sich ein Geldeintreiber vor dem Baselbieter Strafgericht verantworten, er soll einen Schuldner und dessen Familie massiv bedroht haben. Der Mann mit Verbindungen zu den Hells Angels bestreitet die Vorwürfe.

«Von dieser ganzen Sache hatte ich Nichts ausser Kosten und Umtriebe. Es war ein Freundschaftsdienst. Ich habe das gar nicht hinterfragt, den Geldboten zu spielen. Plötzlich kommt die Polizei und verhaftet mich», erzählte der 38-jährige Mann aus dem Kanton Aargau am Mittwoch im Baselbieter Strafgericht in Muttenz.

Die Geschichte reicht weit zurück: Im Frühling 2015 benötigte ein Mann aus Münchenstein dringend Geld und fädelte wegen seines leeren Portemonnaies einen Deal in der Halbwelt ein. Damals erhielt er bei einem Treffen in der Prattler Autobahnraststätte einen Kredit von 50 000 Franken bar auf die Hand und zahlte danach jeden Monat 1500 Franken zurück. Ob es noch weitere Kredite gab, wurde in der Verhandlung am Mittwoch nicht ganz klar. Ab Herbst 2015 ging ihm das Geld aus, er konnte seine Raten nicht mehr bezahlen.

Im März 2016 tauchte dann der 38-jährige Angeklagte als Geldeintreiber in einem Restaurant in Basel auf und befahl den Schuldner aus Münchenstein zu sich: Schulden von 300'000 Franken seien nun fällig. Der 38-jährige Mann gab im Gerichtssaal zu, er habe dort Geld abholen wollen. Gedroht habe er aber nie.

Doch Geld gab es vorerst keines, so kam es zu weiteren Treffen und Verhandlungen: Meistens traf man sich im McDonald’s in Sissach, dort wechselte angeblich auch einmal ein Umschlag mit 22 000 Franken den Besitzer, und bei sofortiger Rückzahlung wollte man gar auf 60 000 Franken grosszügigerweise verzichten.

Der Schuldner rief im April 2016 schliesslich entnervt die Polizei: Er sei massiv bedroht worden, man werde ihm ins Knie schiessen, und auch seine Familie werde «abgeholt», wenn er das Geld nicht zurückzahle. Der 38-jährige Geldeintreiber wurde in Sissach bei einem Treffen von der Polizei festgenommen.

Verbindungen zur Rockerszene

Formell lag gegen ihn bislang nichts vor. Eine Liste bezeichnet ihn als «Vizepräsident» eines Motorradclubs. Auch er ist hoch verschuldet, dazu fand man bei ihm zu Hause eine Art «Steckbrief» über einen Baselbieter Kleingewerbler. Bei diesem hatte im Dezember 2015 ein 31-Jähriger mit Verbindungen zu den Rockern der Hell’s Angels erfolglos versucht, eine angebliche Forderung von 250'000 Franken einzutreiben. Inzwischen wurde der Eintreiber wegen versuchter Erpressung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von 28 Monaten verurteilt. Es scheint so, als ob der 38-Jährige den Job zu Ende hätte führen sollen. Konkrete Beweise dafür gibt es allerdings nicht.

Mehr oder minder aufschlussreich war die Zeugenbefragung des Wirtes des Basler Restaurants, ein alter Bekannter des Schuldners: Er konnte sich plötzlich an nichts mehr erinnern, schon gar nicht an Drohungen. Auch er macht Geschäfte als Geldverleiher, er hatte dem Mann aus Münchenstein auch schon Beträge von 20'000 Franken geliehen. Als das Gericht nachbohrte, kamen dem nervösen und am Ende völlig verängstigten Wirt die Tränen. Auch er steckt offenbar tief im Milieu-Sumpf.

Doch auch der Schuldner kann sich nicht so recht freuen: Von den Gläubigern hat er zwar nichts mehr gehört, doch hat er nun selber ein Verfahren am Hals, weil er das Geld in den Drogenhandel gesteckt haben soll.

Für den 38-jährigen Geldeintreiber verlangte Staatsanwältin Erika Kremniczky eine bedingte Freiheitsstrafe von 24 Monaten wegen Erpressung. Das Urteil fällt Ende November.

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