Die Eigentümer der Ameropa Holding erfüllen alle Klischees, die es über Superreiche gibt. Sie sind diskret, verschwiegen und lieben das Understatement. Der Sitz des Familienunternehmens liegt in einem Binninger Wohnquartier. Die Firma, die mit Getreide und Dünger handelt, gab nie Zahlen bekannt.

Das änderte sich erst im April 2017: Damals lud Verwaltungsratspräsident Andreas Zivy zu einer Medienkonferenz im intimen Rahmen – und die auserwählten Journalistinnen und Journalisten staunten: In Binningen sitzt mit Ameropa einer der zehn grössten Agro-Händler der Welt, mit 2600 Mitarbeitenden in 30 Ländern und fast 6 Milliarden Franken Umsatz.

Ein Basler in Englands Hochfinanz

Zufall oder nicht – im Jahr nach der zögerlichen Öffnung taucht Andreas Zivy in der «Bilanz» über die «300 Reichsten der Schweiz» auf. Seine Familie wird in der gestern erschienenen Sondernummer des Magazins mit einem Vermögen von 0,9 bis 1 Milliarde Franken aufgeführt, gemeinsam mit den anderen Ameropa-Besitzerfamilien Miescher und Zacharias. Die «Bilanz» katapultiert das Trio unter den Reichsten im Kanton Baselland von null auf Rang vier – zwar nach dem Ehepaar Clozel (Actelion, Idorsia), aber noch vor Fritz Gerber (Zürich, Roche).

Die «Bilanz» führt in ihrem Ranking der 300 Reichsten 16 Einträge zu den beiden Basel auf – neun aus Basel-Stadt, sieben aus Baselland. Man könnte sagen: Im Nordwesten nichts Neues. Pharma schwingt obenaus, mit den Roche-Eigentümerfamilien Hoffmann und Oeri, die 2018 rund eine Milliarde mehr besitzen als im vergangenen Jahr.

Zu den Gewinnern gehört auch Thomas Straumann (Straumann Group, Medartis). Der Unternehmer und Hotelbesitzer (Trois Rois) wird mit 2 bis 2,5 Milliarden Franken gelistet – 2017 waren es «nur» 1,5 bis 2 Milliarden. Total vereinen die Basler und Baselbieter neu 42 Milliarden Franken, ein plus gegenüber dem Vorjahr von über 1,6 Milliarden Franken.

Aus dem Reihe tanzt der Neuzugang aus dem Stadtkanton. Über Sir Henry Angest (150–200 Millionen geschätztes Vermögen) ist kaum etwas bekannt. Der gebürtige Basler siedelte 1978 nach Grossbritannien über und machte im Finanzsektor Karriere. Heute führt der 78-Jährige eine der traditionsreichsten Banken des Vereinigten Königreichs: Arbuthnot Latham, gegründet 1833.

Zum Ritter geschlagen

In die Schlagzeilen geriet der Banquier wegen seines politischen Engagements. Der Bewunderer von Margaret Thatcher war Schatzmeister ihrer Partei, der Konservativen. Angest spendete den Tories laut «Bilanz» sieben Millionen Pfund. Auch die Queen honorierte den Einsatz für die Politik: 2015 wurde Angest, der längst auch den britischen Pass besitzt, zum Ritter geschlagen.