Personalwechsel

7,6 Millionen Franken: Teure Kündigungswelle in Binningen

Das Schlossdebakel in Binningen hat 76 Gemeindeangestellte zur Kündigung bewogen.

Das Schlossdebakel in Binningen hat 76 Gemeindeangestellte zur Kündigung bewogen.

Wegen des Schlossdebakels kündeten in den letzten zwei Jahren 76 von zirka 200 Gemeindeangestellten in Binningen. Der neue Verwalter, Nicolas Hug, will die Kündigungs-Spirale stoppen, da sie auf die Moral der Arbeiter schlägt und viel Geld kostet.

Es ist ein regelrechter Aderlass: Seit 2011 bis Juni 2013 haben 76 von etwa 200 Angestellten die Binninger Gemeindeverwaltung verlassen. «Die Fluktuationsrate bei Festangestellten ist hoch», sagt Nicolas Hug, der selbst erst seit Januar neuer Gemeindeverwalter ist. 2011 betrug die Fluktuationsrate 14,4 Prozent und 2012 13 Prozent. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Fluktuation auf Verwaltungen liegt zwischen acht und zehn Prozent.

Binningen liegt mit seiner Quote nahe der Baubranche, die, so Hug, wegen saisonaler Schwankungen bekannt sei für ihre hohe Fluktuation. Hug, der vor Binningen Gemeindeverwalter in Aesch war, arbeitete früher im HR-Bereich in der Privatwirtschaft.

Die vielen Personalwechsel sind ein Teufelskreis, den Hug durchbrechen will. «Wenn jemand geht, muss ein anderer, bis die Stelle wieder besetzt ist, mehr arbeiten. Dies schlägt auf die Motivation, wegen der häufig weitere Mitarbeiter künden.»

Sein Ziel für Binningen: wieder unter 10 Prozent zu kommen. Bis jetzt ist die Gemeinde auf gutem Weg. Stand Juni lag die Fluktuationsrate bei 8,6 Prozent.

Acht Führungskräfte kündeten

Die Wechsel kosten die Gemeinde viel Geld: HR-Spezialisten berechnen 100 000 Franken pro Wechsel. Das heisst, die Ab- und Zugänge seit 2011 kosteten den Steuerzahler bereits 7,6 Millionen Franken.

Mit einberechnet sind Know-how-Verlust, Anstellungskosten (Inserate usw.) und administrativer Aufwand. «Es dauert etwa ein halbes bis ein ganzes Jahr, bis der Neuling auf dem Niveau seines Vorgängers ist», sagt Hug und fügt hinzu: «Darunter leidet auch die Qualität unserer Dienstleistungen.»

Einschneidend dürften die letztjährigen Abgänge von acht Führungskräften sein. Jeweils vier Ressort- und Abteilungsleiter haben gekündigt. Darunter: Der Gemeindeverwalter sowie die Leiter der Abteilungen Zentrale Dienste, Soziale Dienste sowie Bildung, Kultur und Sport.

Als Hauptgrund für die vielen Abgänge vermutet Hug die über längere Zeit politisch schwierige Situation in Binningen – darunter auch der Schlossstreit. «Der Druck auf die Verwaltung wuchs in dieser Zeit kontinuierlich», sagt Hug.

Vertrauenskultur aufbauen

Bei seiner Anstellung war Hugs Vergangenheit im Personalwesen ein entscheidender Anstellungsfaktor. Seine Stellvertreterin ist zudem Personalleiterin der Gemeinde.

Damit setzt Binningen Gewicht auf den Umgang mit dem Personal. Diese Strategie scheint nun Früchte zu tragen. «Schlüsselpositionen konnten endlich neu besetzt werden», sagt Hug. So ist die Gemeindepolizei bald wieder komplett.

Auch eine zwei Jahre vakante Stelle für die Prüfung der Baugesuche ist ab August wieder besetzt. Auch die neuen Abteilungsleiter brachten, so Hug, Ruhe in die Verwaltung. Er betont, dass er eine Vertrauenskultur aufbauen und weiter fördern will. Nachdem die negativen Schlagzeilen verschwunden sind, so scheint es, wollen wieder mehr Leute auf der Gemeinde arbeiten.

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