Mit dem Einäschern des Sissacher Chluris auf der Allmend endete – später als anderswo – am Donnerstagabend die Fasnacht auch im Oberbaselbiet. Es ist eine ergreifende Prozession, die jährlich durch das Dorf zum Richtplatz führt; Hundertschaften wohnen ihr bei. Stolz überwachte die vier Meter hohe Holzfigur zuvor noch den Eingang zur Begegnungszone. Derweil mutmasste das Volk vor dem Gemeindehaus, welche Persönlichkeit die Figur, die auf dem Sockel thront, darstellen sollte.

Die Trauernden, viele in weisse Leintücher gehüllt, erwiesen dem Chluri die letzte Ehre. Nebst dem gemeinen Fussvolk begleiteten unzählige Guggen aus der ganzen Region die Prozession.

Die Querelen der Sissacher mit den aufmüpfigen Bewohnern der Vororte, etwa von Zunzgen oder Itingen – von Gelterkinden ganz zu schweigen – waren vergessen. Die Musik spielte Trauermärsche. Kaum ein lautes Wort war zu hören. Nur hin und wieder ein unterdrücktes Schluchzen durchbrach die Stille zwischen den Märschen.

Bevor schliesslich die Flammen des Scheiterhaufens züngelten, liess der anonyme Leichenredner die Sissacher Fasnacht 2018 in nochmals Revue passieren. Die «Söitryyber» kamen für einmal gut weg, weil diesen erstmals überhaupt nichts anzukreiden war. Wenn man schon saufe wie eine Kuh, sollte man nicht noch auf das Geländer am Diegterbach sitzen, um dann in den Bach zu fallen, ermahnte er gewisse Banausen. Der Laternenumzug sei mit «verspielter Poesie und Leichtigkeit» durch die Strassen gezogen. Nicht selten, freute sich der Redner, habe in den Feuerskulpturen ein Säuli geschmort. Den Schnitzelbänken, die Montagabend durch Sissach tourten und dem Guggekonzert attestierte er eine hohe Qualität.

Griff in die Trickkiste

Die Chluribauer, verkündete der Leichenredner, hätten sich erst nach langem hin und her entscheiden können. Eine Dame sollte es sein, schon wegen des grossen Busens. Also kam ein Dorforiginal namens «Fätze», der wohl einen Ranzen, nicht aber das andere habe, eigentlich gar nicht infrage. Doch zur Würdigung des Mannes, der mit bürgerlichem Namen Felix Gisler heisst, griffen die Konstrukteure in die Trickkiste. Sie bauten das Chluri in Form einer alten Tante mit entsprechenden Zügen.

Die Würdigung des Ehrenträgers folgte sogleich: «Fätze» kam vor 55 Jahren im Epizentrum der Sissacher Fasnacht zur Welt. Er kann auf eine langjährige Karriere in der Fasnachtsgesellschaft Sissach zurückblicken, sowohl aktiv an der Front als auch hinter den Kulissen. Ausserdem waltet er im Musikverein seit 26 Jahren als Aktuar und schreibt alles auf, was für die Nachwelt von Bedeutung sein könnte. Doch dann, so gab der Grabredner zu verstehen, gelte es für ein Jahr von der Fasnacht Abschied zu nehmen und schloss mit den Worten «Aadie Fasnecht, aadie Chluuri.»