1. August

«Ab 100 Personen riegeln wir ab»: Kleine Baselbieter Gemeinden wollen keine Auswärtigen an der Bundesfeier

So majestätisch die Schweizerfahne auf dem Passwang im Wind weht, Corona und Waldbrandgefahr dämpfen die Vorfreude auf den Nationalfeiertag.

So majestätisch die Schweizerfahne auf dem Passwang im Wind weht, Corona und Waldbrandgefahr dämpfen die Vorfreude auf den Nationalfeiertag.

Als eine der wenigen Gemeinden möchte Arboldswil die 1.-August-Feier durchziehen, sie wegen der Corona-Schutzbestimmungen aber klein halten. Eine Sogwirkung befürchten auch Ramlinsburg und Hemmiken. Spielverderber könnte die Waldbrandgefahr werden.

Sie sind die Gallier unter den Baselbieter Gemeinden: Während fast überall im Kanton die offiziellen 1.-August-Feiern abgesagt wurden, trotzen beispielsweise Arboldswil, Ramlinsburg und Hemmiken dem Coronavirus. Sie planen als einzige im Oberbaselbiet weiterhin eine Festwirtschaft, Höhenfeuer und Feuerwerk, wie aus einer Umfrage der «Volksstimme» hervorgeht. Im Unterbaselbiet strichen spätestens nach der Verschärfung der Regeln durch den Kanton vom 8. Juli die letzten Gemeinden die Segel.

«Gerade in diesen Zeiten ist es mir wichtig, so einen Anlass durchzuführen. Die Leute brauchen wieder ein gewisses Mass an Normalität», sagt Roland Lüthi zur bz. Der Präsident des für die Bewirtschaftung zuständigen Turnvereins Ramlinsburg macht keinen Hehl daraus, dass ihm derzeit rund um das Coronavirus zu viel Panik geschürt wird. Selbstredend habe die Gemeinde aber ein Schutzkonzept für die Feier vom 1. August auf der Munimatt erarbeitet. Es würden unter anderem Namenslisten geführt, genügend Desinfektionsmöglichkeiten geboten sowie beim Essen auf Selbstbedienung gesetzt.

Gemeinden wollen nicht mehr als 100 Besucher

Auch in Arboldswil ist man überzeugt, die Schutzvorgaben des Kantons erfüllen zu können. Die im Juli verschärften Nordwestschweizer Regeln sehen ab 100 oder mehr Personen eine Unterteilung in Sektoren vor. «Erfahrungsgemäss besuchen unsere Feier am 1. August im Schützenhaus nur 60 bis 70 Arboldswiler. Uns als kleine Gemeinde tangiert die neue Regel also nicht», sagt Gemeindepräsident Johannes Sutter.

Dasselbe trifft auf Ramlinsburg und Hemmiken zu. Und es führt zu einer paradoxen Situation: Anstatt stolz dafür zu werben, als eine der wenigen Gemeinden eine 1.-August-Feier durchzuführen, die für einmal auch Unterbaselbieter oder andere Auswärtige anziehen könnte, fürchten die Drei den Ansturm: «Wenn nur schon 0,5 Prozent der Baselbieter Bevölkerung zu uns kommen wollte, könnten wir das unmöglich stemmen», sagt Johannes Sutter. Und Lüthi: «Ich habe meiner Tochter gesagt, dass sie ihre Freunde, die nicht in Ramlinsburg wohnen, bitte nicht einladen solle. Wir wollen das Fest kleinhalten.» Und der Hemmiker Gemeindepräsident Alfred Sutter möchte gegenüber der bz möglichst wenig zum Anlass des Turnvereins am 31. Juli sagen, um «eine Sogwirkung zu verhindern». Es sei ein sehr lokaler Anlass.

Das Einrichten von Sektoren scheint der Knackpunkt. So sehr, dass Johannes Sutter sich gestern Nachmittag nochmals mit der organisierenden Feldschützengesellschaft absprach und sie den Entschluss fassten: «Ab 100 Personen riegeln wir ab.» Zu aufwändig wären die Massnahmen und der Platz zu beschränkt.

Kantonales Feuerverbot kommt sehr wahrscheinlich

Etwas anderes könnte die Angst, von Auswärtigen überrannt zu werden, allerdings obsolet machen: Als erste Gemeinde kündigte gestern Sissach an, dass wegen der Trockenheit neu Gefahrenstufe 4 und damit ein Feuerverbot im Wald und in Waldesnähe gilt. Kantonal gilt noch Stufe 3, also die Mahnung zur Vorsicht. Doch die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion sagt auf Anfrage, dass die Lage am Mittwoch neu beurteilt werde und tendenziell Stufe 4 verhängt werde.

Sutter, Sutter und Lüthi bestätigen, dass dann Höhenfeuer und Feuerwerk abgesagt werden müssten. In Ramlinsburg könnte dann der ganze Anlass abgeblasen werden. In Arboldswil und Hemmiken soll auch eine feuerlose Feier stattfinden. Johannes Sutter gibt sich kämpferisch: «Ich lasse mir die Festlaune nicht verderben.»

Meistgesehen

Artboard 1