Kehrichtgebühr

Abfallsäcke sind oft teurer als nötig – dennoch erhöht Pratteln gar die Preise

Baselbiet sinken die Kehricht-Entsorgungsgebühren seit Jahren – jedoch längst nicht in allen Gemeinden.

Baselbiet sinken die Kehricht-Entsorgungsgebühren seit Jahren – jedoch längst nicht in allen Gemeinden.

Seit Jahren sinken im Baselbiet die Kehrichtsackgebühren. Nun hat Muttenz die nächste Preisrunde eingeläutet. Denn: Die Anlage verbrennt immer günstiger, doch nur wenige Gemeinden geben die Reduktion weiter.

Wie die Gemeinde Muttenz  kürzlich bekannt gab, soll die Marke für einen 35-Liter-Sack ab Januar 2014 nur noch 1.80 Franken statt 2 Franken kosten. Noch vor drei Jahren kostete die Marke deutlich mehr: 2.30 Franken.

Damit gehört Muttenz bei den Abfallgebühren bald zu den günstigsten Gemeinden im Kanton. Denselben tiefen Preis wie in Muttenz bezahlen – zumindest in der näheren Agglomeration Basel – nur die Einwohner von Bottmingen und Arlesheim.

In Biel-Benken liegt der Preis bei 1.60, dort fallen aber zusätzliche Gebühren an. Im Schnitt kostet der 35-Liter-Sack im Baselbiet rund 2.45 Franken.

Einwohner am Gewinn beteiligen

«Wir waren in der glücklichen Lage, dass wir dieses Jahr erneut einen positiven Abschluss tätigen konnten», sagt Patricia Enzmann, die Leiterin der Abteilung Umwelt der Gemeinde Muttenz. «Diesen Gewinn wollen wir an die Einwohner weitergeben.»

Auch die Gebühren für Sperrgut und fürs Gewerbe sinken im selben Umfang von zehn Prozent. Noch muss jedoch die Gemeindeversammlung im Dezember den neuen Gebühren zustimmen.

Muttenz' Abfallkässeli ist dank einträglichen Recycling-Verkäufen prall gefüllt. Ein Teil des Geldsegens ist jedoch nicht hausgemacht, wie Enzmann bestätigt: Die Kehricht-Verbrennungsanlage Basel (KVA) hat ihre Anlieferungsgebühren um zehn Prozent gesenkt, und das bereits per Januar 2013.

Die KVA Basel ist Endstation für fast alle brennbaren Abfälle aus dem Baselbiet. Und das Gesetz schreibt vor, dass die Abfallkasse ausgeglichen sein muss. Folglich müssten auch alle anderen Gemeinden die Reduktion an die Einwohner weiter geben - und die Preise senken.

Diese Milchbüchleinrechnung geht aber offenbar nicht auf, wie eine Umfrage unter den grössten Agglomerations-Gemeinden zeigt. Zwar sieht auch Allschwil eine Senkung von 2 auf 1.90 Franken vor, alle übrigen angefragten Gemeinden jedoch nicht.

Prattler Sack wird teurer

In Pratteln werden die Gebühren sogar leicht ansteigen: Für den knallgelben «Prattler Abfallsack» müssen die Bewohner bald 2.20 Franken bezahlen - heute kostet er 2 Franken. Wie bei den Nachbarn in Muttenz braucht es auch hier noch den Segen der Legislative.

Laut dem zuständigen Gemeinderat Stefan Löw (FDP) ist ein neuer Transportweg für den Anstieg verantwortlich. Ab kommendem Jahr bringe die Gemeinde ihren Kehricht per Bahn in die KVA und nicht mehr auf der Strasse. «Das kostet ein wenig mehr, macht aber aus unserer Sicht Sinn, da dies weniger Schadstoffe verursacht», sagt Löw.

Und er wirbt mit einem weiteren Vorzug des Prattler Modells: «Bei uns erhalten die Einwohner einen Abfallsack. In den meisten anderen Gemeinden ist das nicht so: Dort muss ein eigener Sack gekauft werden, auf diesen wird dann die Marke aufgeklebt.»

Eine der höchsten Sackgebühren im Kanton kennt Birsfelden. Für einen 35-Liter-Sack müssen die Birsfelder 2.70 Franken berappen. Man sei daran, die Gebühren zu überprüfen, sagt Roberto Bader, Leiter der Abteilung Umwelt, Ver- und Entsorgung - 2014 bleibe der Preis vorerst noch derselbe.

Keine Reduktion in Basel

Der grösste Kunde der KVA ist die Stadt Basel. Auch hier könnte eine Preissenkung für den «Bebbi Sagg» möglich sein, der 2.30 Franken kostet (35 Liter). Das wird jedoch nicht geschehen: Laut Jürg Hofer, Leiter des Amts für Umwelt und Energie (AUE), bringt die Tarifreduktion der KVA Einsparungen in der Höhe von 440 000 Franken. «Auf den einzelnen Sack gerechnet sparen wir acht Rappen ein», sagt Hofer. «Das ist leider zu wenig für eine Reduktion.»

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