Vergangenen Mittwoch, einen Tag vor der Öffentlichkeit, wurde der Liestaler Stadtpräsident Daniel Spinnler informiert, dass Münchenstein und nicht Liestal Baselbieter Uni-Standort wird. Damit nahm die jahrelange Werbeoffensive der Stadtbehörde für einen Uni-Campus auf Liestaler Boden ein abruptes Ende. Und Spinnler muss seine erste Niederlage in einem übergeordneten Geschäft einstecken. Er sagt: «Ich bin enttäuscht. Ein Entscheid zugunsten von Liestal wäre ein noch stärkeres Zeichen an Baselland als Mitträger der Universität beider Basel gewesen.»

Positiv sei immerhin, dass das Baselbiet überhaupt Uni-Standort werde. Und diesen Prozess hätten schliesslich die Liestaler Stadtbehörden angestossen. Inhaltlich wertet Spinnler das Resultat so: «Das ist ein politischer Entscheid. Ausschlaggebend waren vor allem die Wege für die Studenten. In zweiter Linie spielten auch die Kosten mit.» Zahlen nennt Spinnler keine, verweist aber auf die höheren Auflagen seitens der Universität, die das weiter entfernte Liestal in Sachen Wohnen für die Studenten und Hörsäle gehabt habe. Auch vom Kanton waren gestern keine Zahlen zu erhalten, weil alle Verantwortlichen an der Einweihung der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz weilten. Nico Buschauer, Sprecher der federführenden Bau- und Umweltschutzdirektion, bestätigt aber: «Es gab tatsächlich Unterschiede bei den Infrastrukturvorgaben bezüglich Raumprogramm zwischen den verschiedenen Standorten.»

Weniger Dynamik, mehr Steuern

Was heisst der Entscheid nun für Liestal? Kurz- und mittelfristig habe er keine Auswirkungen, denn ein Uni-Campus wäre erst in zehn Jahren bezugsbereit gewesen, sagt Spinnler. Langfristig sehe es indes anders aus: «Wir verlieren ein Vorhaben mit Leuchtturmeffekt. Uni-Absolventen hätten Liestal und dessen Vorteile kennen gelernt und sich später als Chef zum Beispiel eines Spin Offs eher hier niedergelassen.» Das hätte dem Kantonshauptort viel Dynamik gebracht. Andererseits erkennt Spinnler im Regierungsentscheid auch einen Vorteil: «Ich bin überzeugt, dass wir auf dem dank der neuen Erschliessungsstrasse sehr attraktiv gelegenen Güterareal gute Steuerzahler gewinnen.»

Liestal hatte sein Bewerbungsdossier zusammen mit den Grundbesitzern SBB und Basellandschaftliche Gebäudeversicherung (BGV) eingegeben. Letztere besitzt im zur Diskussion gestandenen Perimeter rund 3000 Quadratmeter Land, das für das studentische Wohnen vorgesehen gewesen wäre. CEO Sven Cattelan sagt: «Selbstverständlich bin ich enttäuscht über den Entscheid. Ein Uni-Campus in Liestal wäre eine tolle Chance fürs Baselbiet gewesen.» Er sei aber nicht überrascht, dass der Standort Liestal von der Wirtschaftlichkeit her wegen der höheren Vorgaben an die Infrastruktur schlechter abschliesse. Und Cattelan ergänzt: «Ich bin sicher, dass die drei guten Standorte in Liestal, Münchenstein und Allschwil fair abgeklärt worden sind.»

Seitens der SBB verweist Mediensprecher Olivier Dischoe auf das Potenzial für verschiedene Nutzungsarten, das das 12 200 Quadratmeter grosse Güterareal im Besitze der SBB westlich des Liestaler Bahnhofs habe– ohne konkreter zu werden. Bis voraussichtlich 2025 werde das Areal nun als Baustelleninstallationsplatz für die Projekte Vierspurausbau und
S-Bahn-Wendegleis verwendet. Diese Zeit werde genutzt «für eine sorgfältige Planung im Rahmen einer Etappierung». Keinen Einfluss hat der Regierungsentscheid gegen einen Uni-Standort Liestal auf die Planung des SBB-Hochhauses am Bahnhof. Dischoe: «Diese Projekte laufen losgelöst voneinander.»