Allschwil ist bekannt für seine Sundgauer Riegelhäuser. Bald könnte die grösste Baselbieter Gemeinde noch für etwas anderes stehen: für eines der grössten Laufhäuser der Nordwestschweiz. Im «Secret Garden», mitten im historischen Dorfkern, soll künftig jede erotische Fantasie befriedigt werden. Das lassen die angeblichen Betreiber des Bordells verlauten. Angekündigt wird eine Bar und «von jedem Kontinent nur das Beste», das alles auf zwei Etagen. Eröffnung sei im März 2018. Nur diejenigen, die über das Projekt eigentlich mehr wissen müssten, zeigen sich völlig ahnungslos: die Besitzer des Gebäudes.

Vor Ort dagegen ist die Aufregung bereits jetzt gross. Auf der Facebook-Seite «Allschwiler Mami’s» fürchten nicht wenige dieser Mamis, dass sich der Nachwuchs auf dem Schulweg bald durch Freierhorden kämpfen muss. Im «Allschwiler Wochenblatt» schimpft ein Leserbriefschreiber, ob ein Bordell das von der Politik angestrebte Wachstum darstelle? Ein einschlägiges Lokal bezahle zwar Steuern, trotzdem sei so etwas mitten in einer stolzen Gemeinde wie Allschwil «einfach nur abscheulich!».

Freudenhaus im Schuhgeschäft?

Das Gross-Puff soll an der Baslerstrasse 46 entstehen, es ist das Gebäude, in dem sich bis Anfang Jahr «Schuh Müller» befand. Der Familie Müller gehört die Liegenschaft. Die Eigentümer reagieren erstaunt auf die Frage, ob geplant sei, ins horizontale Gewerbe vorzustossen. «Wir haben und hatten nie die Absicht, dort ein Etablissement zu betreiben», heisst es seitens der Eigentümer. Derzeit stehe der frühere Schuhladen leer. «Unser Ziel ist, dass wieder ein Ladengeschäft einzieht.»

Das «Secret Garden Wellness & Spa», wie es mit vollem Namen heisst, belässt es aber nicht bei einem Webauftritt und einer Facebook-Seite. In den vergangenen Wochen tauchten in Allschwil Flyer auf, Unbekannte hängten Werbeplakate an die Müller-Liegenschaft. «Wir wurden über diese Plakate informiert», lässt die Familie Müller verlauten. «Sofort haben wir dafür gesorgt, dass sie entfernt werden.» Bei der Gemeinde weiss man von einer geplanten Umnutzung des Schuhladens.

Tatsächlich wurde im November ein Baugesuch eingereicht für die Baslerstrasse 46. Die neue Nutzung lautet aber nicht Kontaktbar oder ähnlich, sondern «Fitnesslokal». Die Familie Müller sagt, es sei tatsächlich ein Fitnessklub geplant gewesen. Doch bald habe sich herausgestellt, dass das in der Schutzzone nicht möglich sei. Auch die Architekten, die das Umbauprojekt ausgearbeitet haben, bestätigen, dass das Vorhaben gestorben sei und dass sie kein anderes in Angriff genommen hätten. Sie bekräftigen auch, es habe sich nicht um ein Scheingesuch gehandelt. Geplant gewesen sei tatsächlich ein normaler Fitnessklub – also keiner für speziellere Leibesübungen ab 18 Jahren. Die Gemeinde bestätigt, dass das Umnutzungsgesuch zurückgezogen worden und bislang kein neues eingetroffen ist.

«Örtlichkeit nicht geeignet»

Die Verantwortlichen hinter «Secret Garden» weibeln in der Zwischenzeit weiter für das Projekt. «Es wird ein grösserer Club mit mehreren Girls», ist auf der Facebook-Seite von «Secret Garden» zu erfahren. Weniger gesprächig sind die Möchtegern-Puffbetreiber gegenüber der bz. Alle Kontaktversuche schlugen fehl. Wer die professionell gestaltete Domain www.secret-garden.love besitzt, lässt sich nicht eruieren. Der Seitenregistrar bietet eine Anonym-Funktion an – es ist nicht zu erfahren, wem die Domain gehört.

So wirbt die Webseite für das Etablissement.

So wirbt die Webseite für das Etablissement.

Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli sagt, sie wisse auch nicht, wer hinter dem Web-Auftritt, den Flyern und den Plakaten stecke. «Fest steht einfach, dass kein Baugesuch eingereicht worden ist für ein derartiges Etablissement.» Falls trotzdem jemand plane, Rotlicht-Gewerbe mitten im Dorfkern zu betreiben, so würde man versuchen, dieses Vorhaben zu verhindern. «Unsere Haltung ist klar», sagt Nüssli. «Diese Örtlichkeit ist dafür nicht geeignet.»